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Kein Hausarzt mehr in Simmelsdorf

Simmelsdorfer müssen nun nach Schnaittach oder Gräfenberg - 23.11.2018 16:41 Uhr

In einem Nebengebäude des Tucherschlosses in Simmelsdorf erwartete bis Ende September Dr. Markus Raster seine Patienten. Seitdem ist die Praxis verwaist. | Foto: Kirchmayer


Dr. Markus Raster, der 2016 die hausärztliche Versorgung in Simmelsdorf von Peter Beierlein übernommen hatte, praktiziert seit Anfang Oktober nur noch in Schnaittach in der Praxis von Christian Rothascher. Zum Jahresende verlässt er das Schnaittachtal komplett und macht sich in Flachslanden im Landkreis Ansbach selbstständig.

Seit den 1950ern immer ein Arzt im Ort

Für eine Grippebehandlung, eine Tetanusimpfung oder das Ausstellen von Rezepten müssen die Simmelsdorfer nun nach Schnaittach oder Gräfenberg fahren. "Das ist mit Sicherheit ein Einschnitt", klagt Simmelsdorfs Bürgermeister Perry Gumann. Seit den 1950er Jahren, vielleicht sogar noch länger, hat es immer einen Arzt im Ort gegeben, sagt er. Das ist jetzt vorbei.

Die Praxis in einem Nebengebäude des Tucherschlosses gehört der Tucher’schen Stiftung und ist langfristig an den Schnaittacher Arzt Dr. Christian Rothascher vermietet. Raster ist seit 2016 bei dem 57-Jährigen angestellt und betreut die Patienten in Simmelsdorf. Doch im April dieses Jahres erklärte Raster seinem Chef, dass er sich Anfang 2019 selbstständig machen will.

Viel Geld investiert

"Das war ein Tiefschlag für mich", sagt Rothascher. Denn er hatte, wie er im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung sagt, in den vergangenen Jahren viel Geld in die kleine, schon in die Jahre gekommene Praxis in Simmelsdorf gesteckt. Zuletzt wurden etwa die Böden erneuert und ein zweites Sprechzimmer geschaffen.

Vor der nun verwaisten Praxis hängt ein Zettel. Die hausärztliche Versorgung werde durch Dr. Raster in der Schnaittacher Praxis am Kugelfang weitergeführt, heißt es dort. Dass Raster das Schnaittachtal zum Jahresende komplett verlässt, erfährt man erst in Schnaittach. Rothascher möchte die bisherigen Patienten aus Simmelsdorf behalten und auf diese Weise an die Schnaittacher Praxis heranführen. Diese liegt von Simmelsdorf kommend am Schnaittacher Ortseingang.

Genügend Ärzte im Schnaittachtal

Die Simmelsdorfer Praxis hingegen wird zunächst geschlossen bleiben. Rothascher sagt, einen Ersatz für Raster zu finden, sei schwer. Das liege auch am Standort. Die Praxis sei nicht modern, viele Ärzte wollten nicht auf dem Land arbeiten, und das Schnaittachtal sei grundsätzlich mit Medizinern gut versorgt.

Rothascher schätzt, dass rund 40 Prozent der Simmelsdorfer die Praxis im Ortskern besucht haben. Alle anderen waren schon bisher bei Ärzten beispielsweise in Schnaittach in Behandlung.

Konkurrenz nicht gewünscht

Für den Schnaittacher ist es aus wirtschaftlichen Gründen keine Option, dass der Mietvertrag aufgelöst wird und sich dort ein anderer Arzt niederlässt. Denn das würde ja Konkurrenz für ihn bedeuten. "Jemanden vor Ort zu haben, ist schön", sagt er zwar. Simmelsdorf liege ihm am Herzen.

Doch den Bürgern der Nachbargemeinde sei die Fahrt nach Schnaittach zuzumuten: "Die, die bisher mobil waren und ins Tucherschloss gekommen sind, sollten auch so mobil sein, um nach Schnaittach zu kommen". Rund vier Kilometer liegen zwischen den beiden Standorten. Wenn jemand nicht kommen könne, mache er wie bisher auch Hausbesuche, so Rothascher.

Bürgermeister ist optimistisch

Bürgermeister Perry Gumann weiß seit September vom vorläufigen Ende der ärztlichen Versorgung in seiner Gemeinde. Rothascher kam ins Rathaus und erklärte ihm die Situation. "Wir sind nicht zufrieden mit der Entscheidung von Herrn Rothascher", sagt Gumann.

Man werde aber eine Lösung finden, gibt er sich optimistisch. "Wir sind da dran", so Gumann. Schließlich gebe es einen Bevölkerungszuwachs in der Gemeinde, da gehöre auch ein Hausarzt in den Ort.

Physiotherapeut statt Arzt?

Rothascher bremst. "Ich will keine falschen Hoffnungen machen", sagt er im PZ- Gespräch. Im Lauf des kommenden Jahres wolle er zusammen mit der Tucher’schen Stiftung eine Lösung finden. Denkbar wäre, dass ein Physiotherapeut die Praxis übernimmt.

In jedem Fall müsste Rothascher für den nächsten Schritt erneut Geld in die Hand nehmen. Denn das Inventar der Praxis hat er verkauft. Das nimmt Markus Raster mit nach Flachslanden.

Pegnitz Zeitung

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