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Neuer Bürgermeister in Lauf: Wahlsieg in Krisenzeiten

Er löste bei der Stichwahl am Sonntag Benedikt Bisping ab - 31.03.2020 14:06 Uhr

Gratulation über den Gartenzaun hinweg: Thomas Lang freut sich mit seiner Frau Susanne sowie den beiden Töchtern Helene und Antonia über den Wahlsieg. Das Coronavirus macht kaum ein anderes Bild möglich. © N-Land


Rein rational, sagt Thomas Lang am Tag nach der Stichwahl, habe er schon realisiert, was da gestern passiert sei, „aber emotional dauert es noch etwas“. Der 46-Jährige ist neuer Laufer Bürgermeister. Und dabei war er nur auf dem zweiten Platz in die Stichwahl gestartet: Knapp über 29 Prozent stimmten am 15. März für den Freien Wähler, Amtsinhaber Benedikt Bis­ping (Grüne) ging mit 46 Prozent in die nächste Runde.

Sieg schien nicht greifbar

„Ich hatte mir den Sieg erhofft“, sagt Lang, „habe alles dafür in die Waagschale geworfen“. Aber die Ausgangslage „hat ihn nicht greifbar erscheinen lassen“. Umso größer war am Wahlabend die Freude über das Ergebnis: 51,9 Prozent für den Gymnasiallehrer und FW-Stadtrat. Bisping kam nur auf rund 48,2 Prozent.


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Während der 2008 gewählte Amts­inhaber, einer der dienstältesten Bürgermeister der bayerischen Grünen, zusammen mit seiner Frau im nahezu menschenleeren Sitzungssaal des Rathauses verfolgte, wie die Schnellmeldungen aus den Stimmbezirken eintrudelten, hatte sich Familie Lang daheim um den Computer versammelt. Spannung kam zwar auch da auf, zumal die Auszählung fast bis 21.30 Uhr dauerte, „aber den Wahlabend hatte ich mir anders vorgestellt“, meint der Sieger. Er hätte gerne mit Freunden und Weggefährten gefeiert, „doch am Ende habe ich Glückwünsche am Gartentürchen entgegengenommen, mit zwei Metern Abstand“.

Unterstützung von anderen Parteien

Lang, der bereits 2014 für das Amt kandidiert hatte, ist nun „den Menschen hinter dem Ergebnis“ dankbar. Er nennt als Erstes seine Familie und den FW-Ortsverband. Aber natürlich wurde seine Wahl erst durch die Unterstützung von CSU, FDP und Bunter Liste möglich. Auch Teile der SPD hatten dazu aufgerufen, in der Stichwahl für Lang zu stimmen, obwohl das intern umstritten war. Vor allem die Jusos waren dagegen.

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Der künftige Bürgermeister sagt, er werde gerne weiter mit denen zusammenarbeiten, die ihm geholfen haben, was man als ersten Hinweis auf die Besetzung seiner Stellvertreterposten deuten kann, „aber ich möchte auch die mitnehmen, die den anderen Bewerber unterstützt haben“. Ohnehin wird er keinen leichten Start haben: Die Corona-Pandemie empfinde er „als großes Damoklesschwert“, so der 46-Jährige.

„Tolle zwölf Jahre als Bürgermeister“

Er sei keiner „der jetzt in ein Loch fällt“, sagt der unterlegene Benedikt Bisping am Telefon. Er habe „tolle zwölf Jahre“ als Bürgermeister hinter sich, und jetzt sei erst einmal Durchschnaufen angesagt. Wobei: Die Bahnreise nach Sizilien, die er und seine Frau für die Zeit nach der Stichwahl geplant hatten, muss ausfallen.


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Klar, der Grund dafür ist die Corona-Pandemie. Die Ausbreitung des Virus, so Bisping, habe in den vergangenen zwei Wochen ohnehin dafür gesorgt, dass sich seine Gedanken nur wenig um die bevorstehende Abstimmung drehten. Ob er die Möglichkeit einer Niederlage durchgespielt hat? „Ich habe mich der Aufgabe gestellt, die jetzt Priorität hat: Krisenmanagement“, sagt der 52-Jährige.

Glück und Gesundheit in schwierigen Zeiten

Seinem Nachfolger, der im Mai sein Amt antreten wird, wünscht Bis­ping angesichts der Krise vor allem Kraft und Gesundheit. Und er sagt weiter: „Was auf uns jetzt hereinbrechen wird, haben viele noch nicht erkannt.“ Einzelhandelsstruktur und Gastronomielandschaft würden sich stark verändern, auch auf die Kommune selbst kämen andere Zeiten zu: „Ich hatte das Glück, einen der besten Zeitabschnitte der Laufer Stadt­entwicklung mitprägen zu können.“

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Sein Stadtratsmandat will er trotz der Niederlage annehmen. „Die Fraktion“, so Bisping, „hat mich gebeten, sie nicht alleine zu lassen“. Die Grünen seien immerhin stärkste politische Kraft im neuen Stadtrat. An Lang richtet er schon jetzt die „klare Zusage, dass wir die anstehenden Aufgaben gemeinsam stemmen“.

Ideen und Tatendrang

Wie es für den 52-Jährigen beruflich weitergeht, das lässt er im Gespräch offen. Er sei „beglückt mit Ideen und Tatendrang“ und mache sich deshalb keinen Kopf, „erst einmal kümmern wir uns um die Amtsübergabe“. Dass er wieder als Geschäftsführer zurück zur Bund Naturschutz Service GmbH zurückkehrt, die er bis zu seiner Wahl 2008 geleitet hat, schließt Bisping hingegen aus. „Da gibt es ein gut eingespieltes Team“, sagt er.

Andreas Sichelstiel

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