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Montag, 16.09.2019

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Polizei verzichtet auf offene Schießanlage in Schwaig

Viele Anwohner hatten sich zuvor kritisch zum Schießlärm geäußert - 12.09.2019 10:12 Uhr

Polizeidirektor Gernot Rochholz erläuterte den Schwaigern die Pläne der mittelfränkischen Polizei.


Rund eineinhalb Stunden mussten sich die über 300 Zuhörer am Mittwochabend in der Schulaula gedulden, bis die wichtigste Nachricht des Abends kam. Viele Schwaiger hatten sich zuvor in Wortmeldungen kritisch zum von ihnen befürchteten Schießlärm geäußert – doch bei einer geschlossenen Anlage spielt dieser "praktisch keine Rolle mehr", wie Gutachter Mattias Trimpop vom Düsseldorfer Institut für Lärmschutz schließlich erklärte. Bei einer offenen Variante ebenso wie bei einer Teileinhausung seien im nahegelegenen Wohngebiet Überschreitungen der vorgeschriebenen Lärmrichtwerte zu erwarten. "Als Gutachter kommt für mich deshalb nur in Betracht, die Anlage vollständig zu schließen", so Trimpop.

Bislang waren Innenministerium und Polizeipräsidium von einer Außenschießanlage ausgegangen. Entsprechende Pläne hatte Gernot Rochholz, Leiter des Präsidialbüros, im Sommer 2018 auch dem Schwaiger Gemeinderat vorgestellt. Eine "abschließende Entscheidung" über eine Einhausung hatte die Staatsregierung aber bereits im April dieses Jahres vom Ergebnis des Lärmgutachtens abhängig gemacht.

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"Lassen uns daran messen"

Man habe sich nun schriftlich festgelegt, auf die offene Bauweise zu verzichten, so Rochholz bei der Infoveranstaltung, "und daran lassen wir uns auch messen". Dass die Polizei mit dieser Nachricht zunächst hinter dem Berg gehalten hatte, im Vorfeld wie noch über weite Strecken des Infoabends selbst, entschuldigte der Polizeidirektor damit, dass er den Schwaigern zunächst ein möglichst vollständiges Bild habe liefern wollen. Rochholz sprach von einem "Spannungsbogen".

Für die Anwohner der etwa 45.000 Quadratmeter großen Fläche an der Diepersdorfer Straße, die zuvor mit Flyern gegen das geplante Einsatztrainingszentrum protestiert hatten, geht eine zentrale Forderung in Erfüllung. Werner Schrodberger, einer der Betroffenen: "Für mich ist es ein großer Erfolg, wenn die Anlage eingehaust wird. Das ist eine Lösung, mit der wir leben können. Ich bin aber überzeugt, dass diese Entscheidung nur aufgrund des großen öffentlichen Interesses getroffen wurde."

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Gedacht ist das Trainingszentrum für insgesamt 3500 Polizisten in Mittelfranken "für die Kollegen, die in Lauf oder Erlangen Streife fahren", so Rochholz, nicht aber für Spezialeinheiten. Geplant seien "Fortbildungen für alltägliche Einsatzlagen", aber auch für den Amok- oder Terrorfall. Zum Einsatz kommen dabei die neue Dienstpistole HK SFP9 sowie Maschinenpistolen und das Gewehr G36. Genutzt werden soll die Anlage wochentags von 6 bis 22 Uhr sowie an Samstagen und Sonntagen von 9 bis 19 Uhr, und zwar im Zweischichtbetrieb. Maximal 100 Beamte können so pro Tag trainieren.

Vorgesehen sind insgesamt zwei Schießanlagen – die zweite ist ohnehin als Indoor-Anlage konzipiert. Daneben sollen eine Multifunktionshalle sowie ein Außentrainingsgelände entstehen, auf dem Situationen wie Fahrzeugkontrollen einstudiert werden.

Schwaig wurde unter rund 40 möglichen Grundstücken ausgewählt, alle im Besitz des Freistaats. Nach Angaben des Polizeipräsidiums war die zentrale Lage des Orts dabei ein wichtiges Kriterium.

 

Andreas Sichelstiel

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