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Freitag, 27.11.2020

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Positive Corona-Fälle in zwei Laufer Asylunterkünften

Bewohner fühlen sich eingesperrt - 30.10.2020 11:05 Uhr

Polizeieinsatz in der Waldluststraße in Lauf: Die Beamten sorgten dafür, dass die Bewohner auf dem Gelände blieben.

30.10.2020 © Andreas Sichelstiel (PZ)


Mit einer spontanen Demons­tration haben Bewohner der Asylbewerber­unterkunft in der Laufer Waldluststraße auf die Nachricht reagiert, dass sie erneut in Quarantäne müssen. Sie durften das Gelände bereits zwei Wochen lang nicht verlassen.

Wie das für die mit aktuell 100 Personen belegte Unterkunft zuständige Landratsamt Nürnberger Land bestätigt, wurden bis dato positiv und negativ Getestete nicht getrennt. Das soll nun nach Auskunft von Rolf List, dem Sprecher der Behörde, geschehen.

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"Wenn einer stirbt, wer ist verantwortlich?"

"Das Landratsamt wartet einfach darauf, dass wir alle das Virus bekommen", hatten die Demonstranten zuvor kritisiert, "wenn einer von uns stirbt, wer ist dann verantwortlich?" Zudem seien sie nur unzureichend informiert worden: "Warum kommt niemand zu uns über die Straße und sagt uns, was los ist? Die verstecken sich alle!" Das Landrats­amt liegt direkt gegenüber der Unterkunft. Laut Sprecher Rolf List war aber ein Mitarbeiter vor Ort.

Am Mittwoch waren aus der Waldluststraße 13 neue Fälle gemeldet worden, am Donnerstag kamen noch einmal zwei hinzu. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg dadurch auf 21. Sie ist genauso hoch wie in der Unterkunft in der Altdorfer Straße, die von der Regierung von Mittelfranken betrieben wird. Von 54 Bewohnern wurden mittlerweile ebenfalls 21 positiv getestet, so List.

"Auch dort gibt es Menschen, die nun im zweiten Quarantänedurchgang sind", wie Gertrud Behrmann-Haas vom Asylhelferkreis sagt. Nach jedem positiven Test verlängert sich die Quarantäne für alle Kontaktpersonen der Kategorie 1.

Abstandhalten fällt schwer

Abstandhalten fällt in den Unterkünften schwer, schildern Bewohner, Asylhelfer und die Asylsozialberatung der Caritas Nürnberger Land übereinstimmend. So gibt es etwa gemeinschaftlich genutzte Küchen und Sanitärräume."Wir wissen ja nicht einmal, wer infiziert ist und wer nicht", sagt ein Bewohner.

Auf Nachfrage derPegnitz-Zeitung hatten sowohl das Landratsamt als auch die Regierung von Mittelfranken vergangene Woche die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Kreisbehörde äußerte sich etwa so: "Aktuell stehen den derzeit 899 Asylbewerbern im Nürnberger Land 1721 Unterkunftsplätze zur Verfügung. Damit sollte nach Auffassung der Verwaltung in den Unterkünften genügend Platz vorhanden sein." Die Unterkunft in der Waldluststraße sei zu nicht einmal 50 Prozent belegt.

Auch die Regierung hat nach eigenen AngabenMaßnahmen zur "Entzerrung" der Belegung vorgenommen und zusätzlich die Hygieneaustattung verbessert.

Eine Folge der Unterbringung

Laut Asylhelferkreis teilen sich die 54 Bewohner der Unterkunft in der Altdorfer Straße drei Küchen. "Schon die Gänge dort sind so eng, dass man nicht genügend Abstand halten kann", sagt Behrmann-Haas. Auch für Annett Werner von der Asylsozialberatung steht die steigende Zahl der Fälle in Zusammenhang mit der Unterbringung: "Das ist eine Folge von Gemeinschaftsunterkünften."

Mit der Ankündigung, Infizierte und negativ Getestete zu trennen, beruhigte sich die Situation vorerst.Die Polizei sicherte die Demonstration am Donnerstag ab, sie sorgte dafür, dass die unter Quarantäne stehenden Bewohner, die kurzzeitig auf die Straße gelaufen waren, wieder zurück auf das Gelände gingen.


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Andreas Sichelstiel

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