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Seit 100 Jahren lädt der "Moritzbergturm" zum Verweilen ein

Verschönerungsverein feierte Jubiläum der Aussichtsplattform - Idealer Funkstandort - 05.08.2013 16:25 Uhr

1911 wurde der Turm auf dem Moritzberg eingeweiht. Damals hieß er noch Bismarckturm, 1918 war Hindenburg Namensgeber.

01.08.2013 © Clara Grau


Nürnberg und der 603 Meter hohe Moritzberg - das ist eine uralte Verbindung. Hier wurden Erz und Kalk gewonnen, die Nürnberger Handwerker verarbeiteten. Schon im Jahr 1419 ließ Herdegen Valzner die Kapelle St. Mauritius errichten, die heute noch auf dem Berggipfel steht und ein beliebtes Hochzeitskirchlein ist. Damals hieß der Berg noch Leinbürg. Doch schließlich setzte sich der Name der Kapelle durch. Aus Mauritius wurde Moritz.

Kirchlein renoviert

Die Kapelle befindet sich im Besitz der Familie Fürer von Haimendorf, die das Kirchlein seit dem 17. Jahrhundert immer wieder renovieren ließ. Interessanter war für Ausflügler freilich das Gasthaus neben der Kapelle, das sich häufig in Berichten aus dem 19. Jahrhundert findet. Der Bau der Ostbahn von Nürnberg über Lauf (links der Pegnitz) erleichterte die knapp 20 Kilometer lange Anreise für Wanderer.

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Der "Moritzbergturm" feierte 100. Geburtstag

Vor hundert Jahren wurde der Turm, offiziell Hindenburgturm genannt, auf dem Moritzberg eingeweiht. Der Verschönerungsverein veranstaltete anlässlich des runden "Geburtstags" ein Fest.




Seit 1885 stand bei Hersbruck der Arzbergturm. Einen solchen Aussichtspunkt wünschten sich manche auch für den Moritzberg - und gründeten 1899 den Verschönerungsverein. Reicht das Geld für eine Bismarck-Säule oder gar für einen Turm? Eifrig sammelten die Vereinsmitglieder, doch es dauerte zehn Jahre lang, bis an einen Turmbau zu denken war. Am 20. Juli 1910 war Baubeginn des Bismarckturmes auf dem Moritzberg. 1913 waren alle Geldvorräte aufgebraucht. Der Turm erreichte aber längst nicht die die geplante Höhe. Immerhin gab es jetzt einen Aussichtspunkt mit Blick auf Nürnberg.

Nach Hindenburg benannt

Wenige Jahre später war Bismarck aus der Mode, jetzt war Hindenburg angesagt: Paul von Hindenburg (1847- 1934) war im Ersten Weltkrieg zum Generalfeldmarschall aufgestiegen. Am 18. Juli 1918 wurde der Bau in Hindenburgturm umbenannt und heißt bis heute so. In der Bevölkerung heißt der altehrwürdige Turm aber schlicht und einfach nur „Moritzbergturm“. Der Turm blieb ein beliebtes Provisorium. Immerhin gab es seit 1952 Strom: Damals baute der bayerische Rundfunk eine Sendeanlage am Moritzberg, musste sie aber bald auf den Dillberg verlegen.

Die Signale störten den Luftverkehr in der Einflugschneise des damals neuen Nürnberger Flughafens. Derweil versank der Turm im Wald: Die Bäume überragten das Bauwerk nämlich längst, obendrein war der Holzaufbau morsch geworden. 1964 konnte der Verschönerungsverein die Sanierung und Erhöhung auf gut 30 Meter Höhe feiern. Und schon war damals die Polizei vor Ort: Der Aussichtspunkt war ideal für ihren Funk, der damals ein wichtiges Arbeitsmittel wurde. In einem zweiten Schritt 1982 errichtete die Landespolizei den heute noch bestehenden Antennenmast.

Die bewegte Geschichte des höchstgelegenen Bauwerks der Stadt Röthenbach, wie es deren Bürgermeister Günther Steinbauer bezeichnete, nahmen alle Festredner irgendwie in ihren Ansprachen mit. Klaus-Peter Kreuzer, der Vorsitzende des Verschönerungsvereins Moritzberg e.V., bedankte sich für erhaltene Spenden, die für die dringende Dachsanierung eingesetzt werden müssen. Ferner bat der Vorsitzende um Unterstützung bei der geschichtlichen Komplettierung der Unterlagen.

Wanderfreunde lieben den Moritzberg

Wanderfreunden aus der gesamten Region ist der Moritzberg mit dessen Turm ein Begriff und so war es auch für den Nürnberger Wanderführer des Fränkischen Albvereins (FAV), Wolfgang Gruner, keine Frage zu diesem Jubiläum eine geführte Wanderung anzubieten.

Vom Bahnhof Lauf links erwanderte die Gruppe über Schönberg den Gipfel. Die Gruppe war beeindruckt über den Wegverlauf, den der Hauptwanderwart vom FAV gewählt hatte. Mitten durch ein Kornfeld, am Ende eine markante alte Eiche, das hatte selbst der Laufer Bürgermeister Benedikt Bisping so nicht erwartet und freute sich nach zwei Stunden Laufzeit, den Moritzberg erreicht zu haben.

Das alte Berggasthaus, die Kapelle St. Mauritius und natürlich der Aussichtsturm bilden ein unverwechselbares Ensemble, das den Moritzberg zu einem der beliebtesten Ziele für Wanderer der Region macht. Hier findet man Rast und Erholung an einem der einprägsamsten Orte Frankens.

Diese Attraktivität verdankt der Berg nicht zuletzt dem unermüdlichen Engagement der Mitglieder des Verschönerungsvereins Moritzberg, sagt Stefan Schuster MdL und Präsident des Fränkischen Albvereins unter dessen Dach auch der Verschönerungsverein Moritzberg als selbständiges Mitglied tätig ist.

Vielleicht die Hitze am Mittag oder die Gewitterwarnungen hielten den Zustrom der Gäste, die auch häufig mit dem Mountainbike hoch fuhren, doch in Grenzen. Die rund 300 Besucher auf dem Moritzberg, der aus allen Richtungen erwandert werden kann, verloren sich fast restlos, als am Spätnachmittag ein erneutes Gewitter darüber zog. Nur die Musikanten und einige Stammgäste blieben unter den Sonnenschirmen noch sitzen.

Lorenz Bomhard, Nürnberger Nachrichten/Udo Schuster

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