Dienstag, 20.10.2020

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Stadträte verabschieden sich mit Verspätung

Statt großer Feier gab es Blumensträuße und Bilder - 08.10.2020 12:55 Uhr

Auf der Bühne des Dehnberger Hof Theaters stehen von links nach rechts: Martin Grand, Hans Kern, Nikos Sopolidis, Dieter Hofmann, Hans Schmidt, Benedikt Bisping, Thomas Lang, Sabine Raile, Norbert Maschler, Gerd Lochner, Jutta Auernheimer, Adolf Pohl, Ruth Höpfel und Frank Ittner.

© Andrea Beck


Sechs Monate später fasste sich die Stadt nun ein Herz und lud die ehemaligen Räte und wenige politische Vertreter ins Dehnberger Hof Theater ein. Masken und gesperrte Sitzreihen nahmen dem Abschied jede Leichtigkeit, doch die Geehrten freuten sich unter dem Motto "besser als nichts".

Als Dank für das teils jahrzehntelange politische Engagement für die Stadt überreichte Lang jedem der ehemaligen Räte ein Bild von einem Ort in Lauf, mit dem die- oder derjenige besondere Erinnerung verknüpft.
Für Jutta Auernheimer, die seit 1987 SPD-Mitglied des Stadtrats und damit von den Ehemaligen am längsten im Amt war, war das Bild des Reigenplatzes am Laufer Kunigundenberg reserviert. Schließlich leitete und prägte die 73-Jährige 25 Jahre lang das Kunigundenfest.

33 Jahre im Stadtrat sind genug

Aus Protest gegen rechtsgesinnte Lehrer und Dozenten trat sie als Studentin in die SPD ein und wollte sich auch aktiv engagieren. "Als ich Stadträtin wurde, gab es noch keine Spielplätze in Lauf, dabei sind Kinder die Zukunft." Sie sei stolz, dass Lauf heute eine kinderfreundliche Stadt sei. Nach 33 Jahren im Stadtrat gibt sie ihr Amt ab, "denn jetzt kommen langsam die Zipperlein des Alters."

Aus dem gleichen Grund hat sich Hans Kern bei den Kommunalwahlen nicht mehr aufstellen lassen. Der 74-Jährige wurde 1990 mit 44 Jahren als einziger Verteter der Grünen in den Stadtrat gewählt "und heute sind wir die stärkste Fraktion", sagt Kern und strahlt dabei vor Begeisterung.

Mit Leidenschaft für die Umwelt

Für das Thema Umwelt hat sich der ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter des Bund Naturschutz mit Leidenschaft eingesetzt. Der gescheiterte Plan vom Windrad bei Bullach nagt noch heute an ihm. "Damals haben Anwohner meinen Rücktritt als Neunhofer Ortssprecher gefordert, weil ich mich für das Windrad eingesetzt habe, aber ich habe nicht nachgegeben." Der Ausbau des Nahverkehrs, der Radwege und die Umwandlung des Oberen Marktplatzes in eine Fußgängerzone sind für Kern erfolgreiche Projekte des Stadtrats in seiner Amtszeit.

Genau wie Kern trat auch die langjährige SPD-Stadträtin Ruth Höpfel 1990 ihr Amt an. Ihr Großvater war Bürgermeister von Schönberg und weckte ihr Interesse für Politik. Mit 30 kandidierte sie für die SPD in Lauf, "und ich war überrascht, dass ich gleich beim ersten Versuch gewählt wurde", sagt Höpfel. Damals war sie eine von neun SPD-Mitgliedern im Laufer Stadtrat.

Jugend und Senioren

Viel Engagement steckte sie in die Themen Jugendförderung, "aber auf der anderen Seite auch in die Seniorenarbeit, damit diese nicht vergessen werden", sagt Höpfel. Der Neubau des Herman-Keßler-Stifts sei für sie eine persönliche Herzensangelegenheit gewesen.

"Das politische Ehrenamt benötigt viel Zeit. Wenn Bürger mit Anliegen noch spät abends oder an Feiertagen anrufen, ist das einfach Teil der Arbeit", sagt Höpfel. Nach 30 Jahren ist für sie nun Schluss, "denn meine Ansichten sind nicht mehr jugendlich", sagt Höpfel und schmunzelt.

Blumen für Bisping und Maschler

Außerdem verabschiedet wurden Martin Grand (Grüne), Frank Ittner (SPD), Gerd Lochner (SPD), Gerald Ochs (CSU), Adolf Pohl (FW), Sabine Raile (Grüne), Hans Schmidt (FW), Nikos Sopolidis (CSU) und Andreas Tiedtke (FW).

Doch nicht nur die ausgeschiedenen Stadträte erhielten ein Bild und einen Blumenstrauß als Dank der Stadt. Bürgermeister Lang bat auch Benedikt Bisping und Norbert Maschler als ehemalige Bürgermeister auf die Bühne. Er lobte Bispings Einsatz für Lauf "bis an den Rand des körperlich Machbaren" und Maschlers politisches Agieren "vorauschauend und mit ruhiger Hand".

Zum Ausklang des Abends setzten sich die ehemaligen Räte, Bürgermeister, aktuellen Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat und die Altbürgermeister Rüdiger Pompl und Manfred Scheld an die gedeckten Tische des Dehnberger Hof Theaters und schwelgten in Erinnerungen an die gemeinsame Zeit als Laufs politische Vertreter.

Andrea Beck

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