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"Unfassbar": Schnaittach nach Leichenfund in Schockstarre

Freunde und Bekannte beschreiben Familie als "zuverlässig und hilfsbereit" - 22.01.2018 20:52 Uhr

Das Areal rund um das Haus ist weiträumig abgesperrt - auch Stunden nach dem Fund noch. © News5


Bungalows und Einfamilienhäuser inmitten gepflegter Gärten, die Hedersdorfer Straße liegt in einem gut bürgerlichen Viertel von Schnaittach. Nur wenige Meter sind es zum Rothenberg und zur Festung, eine gewachsene Wohngegend, in der die Nachbarn gut miteinander auskommen. Am Montag war die Ruhe vorbei. Polizei und Spurensuche vor und in dem Anwesen mit der Hausnummer 17, die Hedersdorfer Straße bis zum späten Nachmittag abgeriegelt.


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"Unfassbar", sagt ein älterer Mann , der sich erst am frühen Nachmittag, als ein Großteil der Ermittler und Medienleute den Tatort wieder verlassen hat, auf die Straße traut, "dass die tot sind, ich kann es nicht glauben.“ Man kannte sich "unter Nachbarn", die Ps seien "ruhige Leute“ gewesen, "sehr ordentlich, die haben immer viel gearbeitet, vor allem im Garten". Kontakt zum Sohn und zur Schwiegertochter, die da schon unter dringendem Tatverdacht standen, hatte der Rentner nicht, "man hat die selten gesehen".

Familie sei "hilfsbereit und verlässlich"

Schon am frühen Morgen hatte sich die Nachricht von der Festnahme von Ingo und Stephanie P. wie ein Lauffeuer in Schnaittach verbreitet. Bereits seit der Veröffentlichung des Fahndungsaufrufes der Polizei und des Berichts in der Pegnitz-Zeitung kursierten Spekulationen über das Verschwinden des Ehepaars vor allem in den sozialen Medien.

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Dieser Fall erschütterte die Region: Ein 25-Jähriger steht unter Verdacht, seine Eltern im Dezember 2017 brutal ermordet und im Anbau ihrer eigenen Garage in Schnaittach eingemauert zu haben: Seit Mitte Februar 2019 stehen Sohn Ingo P. und dessen Ehefrau Stephanie P. vor dem Schwurgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten neben Mord auch versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor.


Auch bei der Diabetikerselbsthilfegruppe  "Die Zuckerstückler" machte man sich Gedanken. "Hilfsbereit und verlässlich", so beschreibt ein Mitglied der Selbsthilfegruppe aus Hedersdorf, Peter P..  Über 20 Jahre war der diabeteskranke Rentner bei den Zuckerstücklern engagiert,  half bei Veranstaltungen bei der Technik, nahm gemeinsam mit seiner Frau an den Ausflügen der Selbsthilfegruppe teil.

"Er hat immer angerufen"

"Er war ein sehr genauer Mensch", sagt das Gruppenmitglied. Dass sich Peter P. nicht abgemeldet habe, sei in all den Jahren nie vorgekommen. "Er hat immer angerufen und Bescheid gegeben, wenn er mal nicht kommen konnte". Deshalb war die Bestürzung über das Verschwinden des 70-Jährigen und seiner Frau auch groß. "Alle haben sich Sorgen gemacht".

Als verlässlich und hilfsbereit galt Peter P. auch in der Musik- und Singschule Schnaittach. Dort hatte Sohn Ingo über Jahre hinweg Unterricht in Keyboard und E-Gitarre. "Er war sehr begabt", erinnert sich der ehemalige Musikschulleiter Gregor Kubitza. Peter P. habe seinen Sohn stets zu den Auftritten der Musikschule begleitet. "Die waren sehr eng miteinander".

Später sei der Sohn mit dem Keyboard auch als Alleinunterhalter aufgetreten, unter anderem bei der Eröffnung des Schnaittacher Adventsmarktes, "sein Vater hat ihn immer gefahren". Trotz seiner angeschlagenen Gesundheitszustandes habe Peter P. nach Auftritten stets noch geholfen, die Musikinstrumente zu verstauen, "ich habe immer gesagt, das müsse doch nicht sein, aber er wollte unbedingt".

Gab es Schwierigkeiten in der Familie? Eine Schulfreundin von Elfriede P., die am Nachmittag von Lauf extra nach Schnaittach gefahren ist, weil sie die Nachrichten so beunruhigen, weiß von nichts. "Ich hatte immer den Eindruck, dass die drei sehr harmonisch miteinander sind", sagt sie. Elfriede P., mit der sie in Lauf zusammen in die Volksschule ging, sei ein fröhlicher und offener Mensch gewesen. Man habe sich regelmäßig bei Klassentreffen gesehen, "ich bin ganz geschockt".

"Man hat sie auch nur selten hier gesehen"

Anders schildern das andere Nachbarn. Seit Ingo P. vor einiger Zeit wieder zuhause eingezogen sei, habe es Spannungen in der Familie gegeben, die heile Welt, die er im Interview mit der Pegnitz-Zeitung schilderte, sei nicht so heil gewesen. Die Eltern seien auch gegen die Heirat gewesen. Elfriede P. und ihre Schwiegertochter, die nach Auskunft von Bekannten aus dem Landkreissüden stammt, seien nicht gut miteinander ausgekommen. "Man hat sie auch nur selten hier gesehen." In einem Fernsehinterview hatte die 22-Jährige, die als Kinderpflegerin arbeitet und auf Stellensuche war, betont, das Verhältnis mit den Schwiegereltern sei sehr gut.

Erst im Sommer letzten Jahres hatte die Familie im Haus, wo Ingo P. mit seiner Frau im ersten Stock wohnt, erneut umgebaut. Im Garten entstand ein neues Gartenhäuschen, direkt neben dem Anbau zur Garage, wo die Ermittler am Montag um die Mittagszeit zwei Leichen hinter einer Mauer entdeckten.  Kurz vor 15 Uhr hoben sich die Absperrbänder, zwei Bestattungswagen passierten die Straße. Gut fünf Wochen nach dem Verschwinden des Ehepaares ist es traurige Gewissheit, dass Peter und Elfriede P. nicht mehr leben. 

Isabel Krieger, tl

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