Freitag, 28.02.2020

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Vor 50 Jahren: 7000 Zuschauer beim Skispringen in Schnaittach

1970 fand der letzte Wettkampf auf der Naturschanze am Rothenberg statt - 09.02.2020 16:54 Uhr

Eine der wenigen Farbaufnahmen von den Skispringen in Schnaittach zeigt den Blick von unten auf den Aufsprunghügel.


Schon die Vorgeschichte hat es in sich. Am 30. November 1935 gründete sich der Skiclub Rothenberg. 1936 wurde vor dem Berggasthof am Rothenberg ein Holzgerüst aufgestellt, auf dieser Schanze wurden Weiten von bis zu 14 Metern erreicht. 1937 versagte die Forstaußenstelle Schnaittach aus Landschaftsschutzgründen den Bau einer Schanze am Nordhang (Richtung Siegersdorf), "in dieser schneearmen Region". Als das Bauvorhaben später dann doch genehmigt und mit den Rodungsarbeiten begonnen wurde, brach der Zweite Weltkrieg aus. Und da gab es andere Sorgen. Die Schnaittacher gaben nicht auf und machten nach dem Krieg weiter. 1950 verhinderte das Regierungsforstamt Mittelfranken erneut den Schanzenbau am Nordhang; 1951 einigte man sich auf den Westhang über Schnaittach.

Als Skispringen in Schnaittach möglich war

In der Zwischenzeit hatte der Skiclub knapp 750 Mark zusammen, gut zehn Prozent der geschätzten Kosten für eine Sprunganlage. So wurde im November 1951 der Grundstein für den Schanzentisch gelegt. Die Geländeverhältnisse erlaubten eine Naturschanze ohne künstlichen Anlaufturm. Das Anlegen, Verbessern, Pflegen der Sprungschanze und der Auf- und Abbau der Überbrückung zum Schanzentisch kosteten den Skiclub Rothenberg ganzjährig viele ehrenamtliche Arbeitsstunden.

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Am 3. Februar 1952 konnte das Eröffnungsspringen über die Schanze gehen. Bereits zu diesem "Event" waren etwa 4000 Zuschauer an den Rothenberg gekommen, aus Nürnberg gar mit Sonderzügen. So konnten an Eintrittsgeldern fast 2400 Mark eingenommen werden. Gewinner des Springens war Hermann Eck aus Gmund am Tegernsee mit 40,5 Metern. Kurt Richter aus Schnaittach, seinerzeit 15 Jahre jung, landete auf dem elften Platz.

Schnaittach als Wintersportzentrum

Damit war Schnaittach mit einem Schlag zum "jurafränkischen Wintersportzentrum" aufgerückt, wie die Zeitschrift "Ski und Berg" schrieb. Tatsächlich avancierte der Hang des Rothenbergs, unabhängig von den Skispringen, in der Folgezeit zu einem beliebten Ausflugsziel, an dem sich an den Wochenenden die Skifahrer aus dem weiten Umland, darunter viele Nürnberger, tummelten.

Mit viel Handarbeit und maschineller Unterstützung, die nicht immer zu nutzen war, wurden 1952/53 der Schanzentisch optimiert, der Auslauf verbessert, Stufen für die Zuschauer angelegt und der Aufsprunghügel angesät. 1954 stand der Kampfrichterturm.

Der frühere Deutsche Meister Anderl Hechenberger zeigte sich von der Schanze sehr angetan. Zu Beginn der Wintersaison 1954/55 war der endgültige Ausbau erreicht; 1961 wurde sogar für den Springernachwuchs eine Jugendschanze errichtet. Springer und Zuschauer kamen hauptsächlich aus fränkischen Bezirken, aber auch aus dem Bayerwald und Oberbayern. In der Spitze drängten sich 7000 Besucher bei den Wettkämpfen.

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Die Sprungweiten stiegen ebenfalls: Schaffte Leo Tischler vom TSV Regenhütte 1954 noch 43 Meter, sprang das Schnaittacher Talent Kurt Richter bereits 1955 auf 49 Meter und stellte schließlich 1959 mit 52 Metern den ewigen Schanzenrekord auf.

Doch der Niedergang war bald abzusehen. Die Bedenken der Forstaußenstelle von 1937 trafen zu: In den Jahren 1966 bis 1968 mussten sämtliche Sprungveranstaltungen wegen Schneemangels ausfallen. 1968 wurden Teile des Skihangs mit Matten belegt und darauf bereits im April auch Ski gelaufen. Auch die Schanze erhielt eine Mattenauflage, auf der 1969 mit darauf festgetretenem Schnee gesprungen wurde.

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Am 8. Februar 1970 gewann Gerhard Kallert aus Artelshofen das letzte Springen auf der Rothenbergschanze.

Zwar wurde seinerzeit noch von einem Wiedersehen im nächsten Jahr gesprochen, doch ein Erdrutsch zerstörte den Aufsprung und die 7000 Mark für die Sanierung wollte der Skiclub nicht ausgeben – nicht ganz uneigennützig, da es kaum talentierte Springer im Verein gab. Der Kampfrichterturm wurde 1979 abgerissen, heute wachsen Bäume im Aufsprung und Auslauf. Auch die Jugendschanze wurde abgebrochen. Nur noch die Tafel an der Überbrückung zum Schanzentisch erinnert an die ruhmreiche Vergangenheit, als Schnaittach ein vielbesuchter Wintersportort war.


Mehr Texte und Bilder auf der Website des Schnaittacher Museums- und Geschichtsvereins. Wanderung zur Sprung­schanze am 5. April, Treffpunkt am Bahnhof Schnaittach um 14 Uhr.

Vinzenz R. Dorn und Klaus Nuss Pegnitz Zeitung

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