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Donnerstag, 22.10.2020

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Lokaljournalismus im Wandel: Es geht immer um den Inhalt

Barbara Zinecker und Wolfgang Schmieg sprechen über Medien und ihre Arbeit - 12.10.2020 07:15 Uhr

Der langjährige NN-Chefredakteur Wolgang Schmieg spricht mit Barbara Zinecker über den Wandel des Journalismus.

© Stefan Hippel


Zinecker: Herr Schmieg, Sie haben die New York Times dabei, eine NN - wie sind Sie heute in den Tag gestartet? Mit der Zeitungslektüre?

Schmieg: Nein, ich hab erst mal hier drauf geguckt (Anm. der Red.: deutet auf sein Smartphone).

Zinecker: Als allererstes?

Schmieg: Das ist das erste, ja. Die Zeitungen holt meine Frau aus dem Briefkasten während ich den Kaffee zubereite. Und dann wird gelesen: NN, FR und New York Times. Ja und heute morgen habe ich Ihren Chefredaktionsnewsletter entdeckt, der mir weitergeleitet wurde - darin haben Sie ja über unsere erste Begegnung geschrieben. Für mich ist das am Smartphone schwer, lange Texte zu lesen, das Vergrößern und Hin- und Hergeschiebe. Außerdem: Ich bin nicht mehr der Nachrichtenfreak, der ich früher mal war. Wichtige Nachrichten erreichen mich zur rechten Zeit.


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Zinecker: Sie starten auch mit dem Smartphone in den Tag?

Schmieg: Ja, aber manchmal frag ich mich doch: Woher kommt das veränderte Nachrichtenverhalten, was denken Sie? Seit es Smartphones gibt, schauen die Jüngeren alle fünf Minuten, ob es etwas Neues gibt? Wenn etwas Wichtiges passiert, erfahre ich es doch früh genug. Warum muss man ständig auf das Ding gucken, in der Hoffnung, es hat sich im persönlichen Leben oder im Umfeld etwas verändert - oder die Welt ist am Explodieren?

Zinecker: Jeder Konsum ist eine Form einer Gewohnheit, nicht? Früher war es die Gewohnheit, am Frühstückstisch die Zeitung aufzuschlagen und die Gewissheit zu haben, da steht jetzt alles drin, was es zu wissen gibt. Mit dem Smartphone gibt es unbegrenzt Informationen - es ist damit einfach höchstwahrscheinlich, dass sich in zehn Minuten irgendetwas getan hat. Und daran ist meine Generation gewöhnt: die Unabgeschlossenheit des Informationssystems.

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Die NN ist ein "Käseblatt", Journalisten sind "Mörder" und "Opfer", geschrieben wird "Totalschwachsinn" und "Propagandascheiß": Nicht nur in den sozialen Netzwerken, auch in der täglichen Leserpost und in den Mails an die Redaktion wird kräftig ausgeteilt. Die schönsten, gemeinsten und skurrilsten Zuschriften haben wir in einer Bildergalerie des Hasses zusammengetragen.


Schmieg: Aber was ich da alle zehn Minuten aufschnappe, das sind doch nur dürftige News-Häppchen. Das ist doch keine Information!

Zinecker: Richtig, Überschriften überfliegen ist nicht mehr als ein erstes Sichten. Aber ist dieses Phänomen mediengebunden? Es gibt sicherlich auch Zeitungsleser, die die Zeitung an einem gewöhnlichen Arbeitstag gar nicht in der Tiefe lesen können, sondern Geschichten eher selektiv wahrnehmen. Dass jeder im Netz Häppchen-Journalismus schätzt, ist eine zwar oft wiederholte, aber zu pauschale Idee - Medienkonsum ist einfach diverser geworden. Das zeigt sich auch an unserem Portfolio: Als Medienhaus bieten wir heute neben Text und Bild auch Audio und Video an. Und wenn wir ehrlich sind: Junge Leute haben doch auch früher nicht ihren Eltern die Zeitung aus der Hand gerissen und sie am Frühstückstisch von vorne bis hinten in Gänze und Tiefe gelesen.

Schmieg: Das mit dem Smartphone geht aber nicht neben dem Frühstück, oder?

Zinecker: Für mich geht das nicht, für andere vielleicht schon. Am Morgen höre ich persönlich gern Podcasts. Lese Newsletter und hol mir den ersten Nachrichtenüberblick unter anderem über unsere News-App. Abends lese ich dann gerne längere Texte, die ich nicht notwendigerweise lesen müsste, aber bereichernd finde.


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Schmieg: Ja, das Zeitbudget der Leser ist begrenzt. Vermutlich verbringen Menschen heute insgesamt ohnehin mehr Zeit mit dem Konsum von Medien - vor allem, wenn sie digital und analog unterwegs sind.

Zinecker: Es gibt so viele Angebote. Als Lokalzeitung konkurriert man nicht mehr mit der Nachbarzeitung um die Gunst der Leser, sondern mit deutlich mehr Playern auf einem - auch örtlich - nicht mehr begrenzten Markt. Wir konkurrieren als Regionalzeitung mit Youtube, mit Facebook, genauer gesagt sogar mit den Inhalten der eigenen Freunde und Familie auf sozialen Netzwerken. Das ist schon eine große Aufgabe.

Schmieg: Ja schon. In "Wittgensteins Neffe" beschreibt Thomas Bernhard, was er unternahm, um zu erfahren, wie der Kritiker der Neuen Zürcher Zeitung "Zaide" beurteilte, eine Mozartaufführung in Salzburg. Er fuhr 350 Kilometer durch Österreich und Bayern, um die Ausgabe aufzutreiben - vergebens. Heutzutage müsste er gar nicht ins Auto steigen; mit ein paar Klicks hätte er den Artikel gefunden.

Zinecker: Ja, das stimmt.

Schmieg: Aber solche verrückten Leser gibt es wohl nicht mehr, oder?

Zinecker: Ich glaub schon. Digital können wir es ja recht genau nachvollziehen: Es gibt viele Menschen, die sich intensivst mit unserem Nachrichtenangebot auseinandersetzen und manche Zugriffe auf unsere Webseite kommen von der ganzen Welt - Menschen, die weit entfernt leben, aber mit ihrer Heimat verbunden bleiben wollen. 350 Kilometer würde für einen Artikel aber keiner mehr fahren, denk ich.

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Schmieg: Womit wir wieder beim Internet wären. Es gibt zwei Dinge, die ich in diesem Zusammenhang begrüße. Das ist zum einen, dass das Vertiefen leichter geworden ist, also, dass man mit ein paar Klicks weiter in ein Thema eindringen kann - wie beim Lexikon. Und zum anderen, dass der Artikel 5 des Grundgesetzes Wirklichkeit geworden ist: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild zu verbreiten. Diese Möglichkeit besteht heute.

Zinecker: Ja, die Grundzüge des Internets sind eigentlich sehr demokratisch.


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Schmieg: Nehmen wir das Beispiel Leserbriefe. Bei dem eingeschränkten Platz konnte früher gar nicht jeder zu Wort kommen. Abgesehen davon, dass manche Post aussortiert werden musste, weil der Abdruck juristische Konsequenzen gehabt hätte. Vielleicht war das gar nicht so schlecht. In den sozialen Medien darf heute jeder seinen Hass ungefiltert rauskotzen.

Zinecker: Und das zu moderieren, kostet ganz schön Zeit: Als Plattformbetreiber haben wir die Verantwortung für die Inhalte, die auf unseren Seiten zu finden sind.


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Schmieg: Ihr räumt auf! Gut so. Damals hatte man als Leser auch das Recht auf Gegendarstellung oder die Möglichkeit, sich beim Deutschen Presserat zu beschweren - und dann gab’s Rügen.

Zinecker: Die gibt’s immer noch.

Schmieg: Nicht alle drucken sie ab, obwohl das zur Glaubwürdigkeit einer Zeitung gehört. 2018 habe ich für einen Vortrag recherchiert und dabei festgestellt, dass die NN über die Jahre hinweg sehr gut wegkamen - also kaum Rügen eingefangen hatten. Das spricht für die Seriosität der Zeitung. Das gilt, wie ich gesehen habe, auch für die NZ.

Zinecker: Das stimmt und darauf legen wir auch wert. Wie war das bei Ihnen - haben Sie das Gefühl, dass Sie früher mehr oder weniger Zeit in Gespräche mit dem Leser gesteckt haben als Ihre Kollegen heutzutage?

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© Stefan Hippel


Schmieg: Wir hatten reichlich Leserpost und oft auch Leser am Telefon. Ich erinnere mich an eine Situation, die mit heutigen "Shitstorms" vergleichbar war. In der Weihnachts-Ausgabe von 1979 erschien eine Karikatur von Horst Haitzinger, die viele Abonnenten für blasphemisch hielten. Sie können sich nicht vorstellen, welchen Sturm der Entrüstung das auslöste. Da kamen wirklich Waschkorb-weise Protestschreiben. Der Verlag war in heller Aufregung, die Zeitung entschuldigte sich und veröffentlichte sofort eine Sonderseite mit Briefen verärgerter Leser. Aber das war ein Sonderfall. Ansonsten gab es die üblichen Reaktionen, wenn jemand mit einem Artikel oder einer Meinung nicht einverstanden war. Was Leser wollen, das haben wir später genauer erfahren mit dem Reader-Scan (Anm. der Redaktion: Methode zur Messung der Lesequoten in Zeitungen). Aber das Ergebnis hat mich nicht sonderlich überrascht.

Zinecker: Zum Beispiel?

Schmieg: Naja, dass die Leser auf Sex & Crime abfahren.

Zinecker: Das hat sich nicht geändert - das sehen wir auch bei der Analyse unserer Webseite. Polizeimeldungen werden wirklich intensiv gelesen.


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Schmieg: Aber jetzt frage ich Sie: Kann man eine "Sex & Crime"-Zeitung machen, nur weil Leser das mögen? Das Fernsehen versucht’s und hat in der Woche acht Krimis, weil die Programmgestalter wissen: Das gibt Quoten. Über diese Flut an Crime kann ich mich nur noch ärgern.

Zinecker: Das glaub ich Ihnen. Ich würd’s keinem empfehlen, sein Angebot so einzuschränken. Aber die Kenntnis, das Wissen, dass es ein häufiger Einstieg in eine Zeitungs- oder Webseite ist, Polizeimeldungen zu lesen, ist schon mal ganz gut. Das Wissen gibt einem wiederum Möglichkeiten. Die Möglichkeit, den Leser abzuholen und weiterzuführen, auf ein womöglich lesenswerteres Angebot. So simpel wir als Menschen nun mal manchmal gestrickt sind - und wir sind übrigens keine Ausnahme davon. Wenn wir es schaffen, dass ein Leser uns liest, freut mich das. Ob er durch eine Polizeimeldung in unser Angebot einsteigt, ist mir letztlich gleich und wir können es auch nicht ändern.

Schmieg: Das setzt voraus, dass Sie dann spannende, weiterführende Hintergründe auf der Webseite anbieten!


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Zinecker: Exakt. Und dass wir Überschriften schreiben, die Interesse wecken und Bilder auswählen, die ins Angebot reinführen. Das war ja auch ein Lernergebnis des Reader-Scans. Ich hab mir die Untersuchung erst letztens rausgesucht und gelesen - vieles ist noch heute sehr aktuell. Bildauswahl und Überschrift sind entscheidend. Und wenn man seine Arbeit ordentlich macht, belohnen einen die Leser damit, dass die lokalen Geschichten noch bessere Lesewerte haben als die Polizeimeldungen.

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Schmieg: Schön! Wissen Sie, was für mich der Vorteil von Print ist? Die Verbindlichkeit. Wenn ich im Freundeskreis nach den drei Spitzenmeldungen der letzten Rundfunk- oder Fernsehnachrichten frage, weiß das oft keiner mehr - es sei denn, es war etwas ganz Gravierendes. Das geschriebene Wort, meine ich, bleibt besser haften als die Tonspur. Bei schwer verständlichen Passagen in der Zeitung kann ich das Lesen unterbrechen, darüber nachdenken und dann mit der Lektüre fortfahren. Auch das Verfassen von Artikeln erfordert Zeit zum Nachdenken. Habt ihr die heute noch?

Zinecker: Die Zeit muss man sich schon bewusst nehmen - ohne Nachdenken geht’s auch heute nicht. Digital speichere ich Inhalte übrigens auch ab, lese in einer ruhigen Minute noch mal nach. Jeder Mensch hat ja andere Vorlieben, rezipiert Inhalte auf seine Weise. Ob Print oder Podcast oder was auch immer: Der eine liest gern wie Sie - der andere kann Nachrichten audiovisuell besser aufnehmen und verarbeiten. Die Vielzahl der Angebote macht’s möglich und so muss glücklicherweise auch nicht jedem alles gefallen.


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Schmieg: Klar, und die Möglichkeiten sind letztlich unbegrenzt. Aber ich muss Ihnen gestehen: Meine digitale Integrationsbereitschaft hat abgenommen, seit ich weiß, dass die neuen Medien keine Spielwiese für Internetfreaks sind, wie man anfangs annahm, sondern ein knallhartes Geschäftsmodell, das Millionäre im Silicon Valley produziert. Und wir zahlen mit unseren Daten. Ich hab versucht, so wenig Daten wie möglich zu hinterlassen.

Zinecker: Vor unserem Gespräch hab ich Google bemüht und hab sehr wenig über Sie finden können, das stimmt.

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Schmieg: Ich weiß schon, für "digital natives" gibt es kein Leben außerhalb des Netzes. Für "digital immigrants" wie mich schon. Übrigens: Auch vor der Internetzeit gab es jede Menge Veränderungen. Als Volontär schrieb ich meine Artikel auf mammutartigen Kolossen von Schreibmaschinen; da musste man schon ordentlich reinhauen, um Spuren auf dem Manuskriptpapier zu hinterlassen. Aber wichtiger noch: Vor dem Schreiben musste man raus; der Schreibtisch war nur die letzte Etappe beim Entstehen eines Artikels. Eine sauber recherchierte, gut geschriebene Reportage lese ich bis heute am liebsten - mit vielen vor Ort eingefangenen Details! Das ist die Königsdisziplin. Also nichts, was man schnell am Computer schreiben könnte - da fehlen die Sinneseindrücke.

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Zinecker: Einiges geht per Telefon, aber das Vor-Ort-Sein ist nicht zu ersetzen.

Schmieg: Schafft ihr das denn noch? Es ist ja immer weniger Zeit.

Zinecker: Ja, die Präsenz vor Ort ist für uns als Regionalzeitung das Wichtigste. Lokale Geschichten sind unser Alleinstellungsmerkmal und dafür bündeln wir unsere Kräfte. Mehr Zeit als früher haben wir dafür aber nicht, das stimmt. Die zunehmende Geschwindigkeit, die wir im Arbeitsleben erleben, betrifft jedoch nicht nur unsere Branche, sondern ist ein globales Thema.

Schmieg: Das ist seit dem Frühjahr etwas gebremst worden: Entschleunigung durch Corona, oder?

Zinecker: Absolut.

Schmieg: Hat mir gut gefallen, die Entschleunigung.


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Zinecker: Mir auch. In der Corona-Zeit habe ich viel gelernt - auch über uns als Medienhaus. Trotz des wirtschaftlichen Drucks, den wir auf der einen Seite erlebt haben, war auf der anderen Seite das Interesse der Menschen an unseren Inhalten so groß wie noch nie. Das Dilemma unserer Zeit. Wenn wir nach Amerika sehen, zeigt sich, was auch hier passieren könnte. Eine Landschaft ohne funktionierende Lokalpresse in der Breite und in der Tiefe. Die Wahlbeteiligung geht in diesen Orten ohne Zeitung zurück und die Rathäuser arbeiten weniger effizient.

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Nürnberg nach dem Krieg: Bilder der Fotopionierin Gerardi

Die Münsteranerin Gertrud Gerardi (1914-2002) war Ende der 1930er Jahre eine der ersten Pressefotografinnen Deutschlands. Nach der Flucht aus Stettin und dem Neustart bei den "Nürnberger Nachrichten" machten ihre Fotos von der im Bombenkrieg zerstörten Stadt sie zur "Trümmerfrau" der etwas anderen Art. Die bald schon stadtbekannte Blondine musste sich Anfangs ihre Position in der fränkischen Medienlandschaft erkämpfen - auch weil sie eine Frau war. Viele von Gerardis Fotografien vom Wiederaufbau in den Nachkriegsjahrzehnten sind heute gefragte Illustrationen für Geschichtsbücher.


Schmieg: Auch hier gibt es ja eine Medienkonzentration, die leider nicht dazu geführt hat, dass alle Lokalteile in Deutschland besser geworden wären. Wenn ich auf Reisen bin und in fremden Städten die Lokalteile lese, bin ich oft entsetzt.

Zinecker: Was entsetzt Sie?

Schmieg: Dass oft nur belangloses Zeug drinsteht.

Zinecker: Was ist denn guter Lokaljournalismus für Sie?

Schmieg: Ich wünschte mir, dass die für die Bewohner einer Kommune wesentlichen Dinge auf der ersten Lokalseite zu finden sind. Ich möchte wissen, was sich im Stadtbild verändert, also Bauvorhaben und Verkehr, wie sich die Mietpreise entwickeln, wie man soziale Brennpunkte entschärft, wie neue Verkehrskonzepte ankommen und so weiter. Artikel, die größere Zusammenhänge herstellen und öfter mal über die Stadtgrenzen hinausblicken. Wie lösen andere Städte Müll- oder Drogenprobleme. Das ist jetzt aber nur die Meinung eines Lesers - sonst nichts. Wie entsteht derzeit in eurem Newsroom ein lokaler Aufmacher?

Zinecker: Durch gute Ideen von unseren Journalisten, denen etwas aufgefallen ist oder zugetragen wurde, durch Vorschläge von unseren Lesern, durch Pressemitteilungen, Termineinladungen oder dadurch, dass wir über unsere Monitoring-Tools entdecken, dass ein Thema in unserer Region intensiv diskutiert wird oder im Entstehen ist - Infrastruktur und Stadtentwicklung gehören nicht nur für Sie zu den wichtigsten Themen, das deckt sich mit den Bedürfnissen vieler Leser.

Schmieg: Das heißt: ihr sitzt nur noch am Monitor! Ich habe während meiner Jahre in den NN so viel in den Bildschirm geguckt, dass ich abends mit eckigen Augen rausging. Tausende von Agentur-Fotos, die man durchklickte, in der Hoffnung, man findet doch noch ein besseres - puuh.

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Kalenderblatt: Nürnberg im Oktober 1970

Wir haben einen historischen Rückblick mit Bildern aus dem Oktober 1970 für Sie zusammengestellt. Klicken Sie sich durch und lesen Sie, was Nürnberg damals bewegte!


Zinecker: Nein, nur am Monitor sitzen wir zum Glück nicht! Ich bin gespannt, ob ich am Ende meines Berufslebens überhaupt noch in Kisten gucken werde oder was dann das Device (Gerät, Anm. der Redaktion) der Wahl ist.

Schmieg: Eine Brille, das garantiere ich Ihnen, brauchen Sie auf alle Fälle mal.

Zinecker: Das glaub ich auch. Die Frage ist eher, ob in der Brille dann schon der Bildschirm eingebaut sein wird.

Schmieg: Ja, das ist die Zukunftsmusik. Wer weiß?

Zinecker: Überlegen Sie allein, wie schnell das ging mit dem Smartphone. Ich bin jetzt gerade einmal 32. Bis zu meiner Rente werde ich noch sehr viel Technologie erleben.

Schmieg: Ja, das mit dem Smartphone ging schnell. Ich bin ganz froh, dass ich mit meinem Gerät nicht ständig durch soziale Netzwerke surfen muss. Und Ihnen kann ich nur Mut bei der unermüdlichen Suche nach dem richtigen Wegen zusprechen.

Zinecker: Ich bleib' zuversichtlich. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schmieg.

Schmieg: Ebenfalls vielen Dank, Frau Zinecker.

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