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Luxemburg: Natur, Geschmack und nette Menschen

Das Großherzogtum punktet mit Kultur, Kulinarik und überraschend viel Natur - 23.05.2020 07:43 Uhr

Ein feiner Tropfen an den Hängen der Mosel, hier über dem Örtchen Schengen. © Wolfgang Heilig-Achneck


Erste Überraschung – jedenfalls für den unerfahrenen Neuling: Luxemburg verfügt auch über reichlich Platz für Erholung im Grünen und Naturerlebnisse. Vor allem im nördlichen Teil, zwischen Eifel und Ardennen, laden Wälder, Täler und Flüsse sowohl Wanderern wie Rad- und vor allem Mountainbike- sowie Kanufahrer zu abwechslungsreichen Touren ein, sogar Kletterfelsen sind zu erklimmen.

Für den Einstieg wählen wir aber einen Ort im südöstlichen Zipfel, der allen ein Begriff ist, den aber viele auf der Landkarte lange suchen müssen: In Schengen, wo die Autobahn A8 von Saarbrücken die Mosel überquert, berühren sich Deutschland, Frankreich und Luxemburg. Ein kleines Europamuseum veranschaulicht, wie es zu dem Abkommen über den Abbau der Grenzkontrollen kam, das den Ort zu einem Symbol werden ließ.

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Viel Grün, viel Natur: So vielfältig zeigt sich Luxemburg

Luxemburg – ist das nicht dieses Steuerparadies zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien? Etwas abgelegen von den großen Verkehrsachsen, aber voller Finanzpaläste und gesegnet mit diversen europäischen Institutionen? Um solche Bilder im Kopf zu überprüfen, sind es von Nürnberg aus nicht mal 500 Kilometer. Vielleicht empfiehlt sich das Großherzogtum gerade in diesem Jahr als Alternative zu schwerer erreichbaren Zielen. Es hat erstaunlich viel zu bieten – und empfiehlt sich eben nicht nur als Ziel für klassischen Städtetourismus.


Die Wahl war nicht von ungefähr auf die luxemburgische Kleinstadt gefallen, nicht allein wegen der Drei-Länder-Situation: Hier wurde Europa schon längst im Kleinen gelebt, als 1985 die Unterschriften unter das Papier gesetzt wurden, im Alltag der Menschen spielten die Grenzen längst keine Rolle mehr – bis kürzlich wegen Corona plötzlich alle Regierungen in alte Muster zurückfielen und überall die Schlagbäume senkten.

Ein Muss: der kleine Spaziergang von den Denkmälern am Moselufer durch den Weinberg hinauf zum historischen Markusturm. Der Blick schweift über die weit verstreuten Lagen: Es gibt Weine, die aus Trauben von Reben diesseits und jenseits der Mosel und aus allen drei Ländern gekeltert werden – ein wunderbares Symbol für gelebte europäische Nachbarschaft.

Vianden: Bilderbuch-Burg für Mittelalterspekakel

Zweiter Aha-Effekt: die Perlen in der Provinz. Etwa die Bilderbuch-Burg von Vianden nahe der Eifel im Nordosten von Luxemburg. Hoch über dem Flüsschen Our thronend, nimmt sie sich schier uneinnehmbar aus. Eine mustergültige Video-Animation veranschaulicht die bewegte Geschichte, die sich bis in die Römerzeit zurückverfolgen lässt. Aber eigentlich ist sie ein Produkt der Neuzeit: Seit dem 19.Jahrhundert eine Ruine, wurde sie erst nach der Übernahme in Staatsbesitz 1977 akribisch rekonstruiert – und zu einem der bedeutendsten Baudenkmäler des Kontinents.

Natürlich dient es alljährlich als ideales Ambiente für ein Mittelalterspektakel, das heuer für Ende Juli/Anfang August geplant ist – ob es wird stattfinden können, bleibt ungewiss. Noch mehr Leben in das Städtchen bringt der alljährliche Nussmarkt Anfang Oktober. Literaturfreunde werden in dem Ort entlang der steilen Hauptstraße schließlich noch dem französischen Dichter Victor Hugo einen Besuch abstatten, genauer gesagt: dem kleinen Museum in jenem Anwesen, in dem er längere Zeit gewohnt hat, um in seiner Heimat politischer Verfolgung zu entgehen.

Mächtig thront die Burg über dem Städtchen Vianden. Ihr heutiger imposanter Anblick ist freilich das Ergebnis einer Rekonstruktion aus dem vergangenen Jahrhundert. Nochmal 100 Jahre zuvor fand hier der französische Dichter Victor Hugo einige Jahre Zuflucht - ein kleines Museum erzählt davon. © Wolfgang Heilig Achneck


Über gewundene Landstraßen steuern wir gut 30 Kilometer weiter nördlich eine weitere Top-Sehenswürdigkeit im Großherzogtum an: Schloss Clerf in dem Städtchen Le Clervaux. Hier hat die grandiose, geschickt arrangierte Ausstellung „Family of Man“ des Fotografen Edward Steichen eine dauerhafte Bleibe gefunden. Der gebürtige Luxemburger hatte sie 1955 mit rund 500 Aufnahmen von 273 renommierten Kollegen für das Museum of Modern Art in New York zusammengestellt, ehe sie um die Welt ging. Seit 2003 gehört die Fotoschau als Symbol für Völkerverständigung und Friedensappell zum Weltkulturerbe. Fotografische Installationen setzen aber auch an Wänden und Plätzen im Ort selbst künstlerische Akzente.

Und wie und womit überrascht uns die Hauptstadt? Auf jeden Fall mit einem Flair von Großzügigkeit und Lebenslust. Nein, da ist nichts von verknöchertem Bürokratentum oder geschmacklos auftrumpfendem Geldadel zu spüren. Das überschaubare Zentrum lädt zum Flanieren, eine der schönsten Promenaden führt auf den alten Befestigungsmauern hoch über dem Einschnitt des Flüsschens Alzette. Auch die gegenüberliegenden Kasematten, mächtige Befestigungsanlagen mit tief in den Fels gehauenen Höhlen und Gängen, sind bequem zu Fuß zu erreichen. Und gleich nebenan zieht der verschachtelt-verspielte Neubau des Museums für zeitgenössische Kunst (Mudam) auch Besucher in ihren Bann, die der Avantgarde in Malerei und Plastik weniger abgewinnen, aber sich für die originelle Architektur von I. M. Pei begeistern können. Der Entwurf entstand mit dem umgebenden Park – mit Bilderbuch-Ausblicken auf die Altstadt.

Drei Staaten grenzen ans Schlemmerparadies

Alles andere als ein Geheimtipp ist Luxemburg freilich in kulinarischer Hinsicht: Dass es als Schlemmerparadies gilt, lässt schon die Nachbarschaft zu Frankreich, Belgien und dem Saarland erwarten. Billig ist das Vergnügen zumindest in den Top-Restaurants natürlich nicht – und die Liste guter Adresse ist lang. Wer in die Welt der Gaumenfreuden wenigstens hineinschmecken will, sollte entweder die traditionelle Riesling-Terrine bei Feinkost Kaempff probieren oder im Boutique-Café der bekannten Sterneköchin Léa Linster eine Pause einlegen. Oft ist die leutselige Chefin selbst dort anzutreffen. Wie familiär es hier zugeht, nur ein paar Schritte vom großherzoglichen Palast entfernt, zeigt sich, wenn zwischendurch ganz ohne Aufhebens auch mal ein Minister vorbeischaut.

Mehr Informationen:
Luxemburg Tourismus,
Tel.: 00 3 52 / 42 / 82 82 39
www.visitluxembourg.com

Anreise:
Neuerdings können alle öffentlichen Verkehrsmittel im Großherzogtum kostenlos benutzt werden. Anlass, das eigene Auto stehen zu lassen oder gleich mit dem Zug anzureisen – in gut sechs Stunden über Koblenz. Mit dem Auto 480 Kilometer in fünf Stunden.

Spezialitäten © Wolfgang Heilig-Achneck


 

Wolfgang Heilig-Achneck Lokales Nürnberg und Stadtanzeiger

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