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Macht eine Fleisch-Steuer Sinn? Das sagen Frankens Metzger

Mehrere Betriebe sprechen sich gegen die Idee aus - 24.08.2019 15:20 Uhr

Könnten bald teurer werden: Fleisch- und Wurstwaren in ländlichen Metzgereien, aber auch in Bioläden und beim Discounter.


4,29 Euro ist ein ganzes Hähnchen in einem Discountmarkt noch wert. Für eine 400 Gramm Schale gemischtes Hackfleisch müssen Kunden 1,79 Euro auf den Tisch legen. Fleisch sei in Deutschland zu billig, sind sich Agrarpolitiker von SPD, CSU und den Grünen einig. Sie befürworten eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch: von sieben auf 19 Prozent. Die Mehreinnahmen sollen in die Tierhaltung investiert werden und so für allgemeine Verbesserung des Tierwohls sorgen. Außerdem hoffen die Politiker auf einen Rückgang in der Nachfrage, was dem Klimaschutz zu Gute käme.

Zweifel an zweckgebundener Verwendung

Heidi Gerstacker, Geschäftsleiterin der Udo Gerstacker Metzgerei in Altdorf, hält nichts von dieser Idee. Sie zweifelt stark daran, dass die zusätzlichen Steuergelder tatsächlich für den Tierschutz eingesetzt werden. "Wenn die Steuer auf Fleisch erhöht wird, fließt das Geld ja trotzdem erst mal in die normale Haushaltskasse. Wer kann garantieren, dass es zweckgebunden ausgegeben wird und wie kann der Verbraucher das mitverfolgen?" Um Tierschutz und Klima zu fördern, schlägt sie vor, weniger Fleisch aus anderen Ländern zu importieren. Die Metzgerin weiß aber, dass die Nachfrage zu hoch ist, als dass sie mit regionalen Erzeugnissen vollständig gedeckt werden könnte. Trotzdem hält sie es für den richtigen Ansatz.

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Gerstacker warnt zudem, dass "der Schuss nach hinten los gehen könnte". Denn wenn das Fleisch in Metzgereien und Bioläden noch teurer würde, könne es passieren, dass mehr Leute am falschen Ende sparen und sich eben doch für das billigere Fleisch in den Discountern entscheiden.

Sinkende Nachfrage?

Eine ähnliche Meinung vertritt Georg Böhm, Inhaber der Metzgerei Böhm in Feucht. "Im Grunde wird also derjenige bestraft, der jetzt schon bereit ist, mehr Geld für gutes Fleisch auszugeben", bemerkt Böhm. Dass die Nachfrage und so die Produktion von Fleisch und Wurst sinken könnte, glaubt der Fleischer nicht. "Viele Leute sind nicht dazu bereit, mehr Geld für Fleischwaren auszugeben. Diese Einstellung sollte geändert werden. Mehr lokal kaufen, wissen wo das Steak herkommt und dafür auch einmal ein paar Euro mehr ausgeben", ist sein Appell an die Bevölkerung.


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Und was hält der Verbraucher von den umstrittenen Steuererhöhungsplänen? Die Nürnbergerin Sabine Kirchner ist gerade auf dem Heimweg und macht bei Ebl in Feucht einen Stopp. Der Aussage, dass Fleisch in Deutschland zu billig ist, stimmt sie unumwunden zu. Sie findet eine Preiserhöhung prinzipiell gut. "Nur sollte differenziert werden. Bei Biofleisch wird bereits auf eine tiergerechte Haltung geachtet, es wäre nicht fair, es im Vergleich zum Billigfleisch sogar unverhältnismäßig teurer zu machen“, kritisiert die 51-Jährige die Idee der Steuererhöhung. Fleisch und Wurst kauft sie nur in Bioläden oder bei Metzgern, damit sie es sich mit gutem Gewissen schmecken lassen kann. Damit würde sie auch nicht aufhören, selbst wenn das Fleisch teurer würde.

Leute müssen "das Tier vor Augen haben"

Für Markus Biehahn ist eine Preiserhöhung keine Lösung. "Natürlich ist Fleisch derzeit zu günstig, aber würden die Mehreinnahmen wirklich für eine bessere Tierhaltung eingesetzt werden?" stellt der Moosbacher in Frage. Biehahn selbst ist eigentlich nicht von dem Thema betroffen, denn er isst nur selten Wurst oder Fleisch. "Und wenn doch einmal, dann nur Bio oder ich hole was von einem Jäger hier in der Region", denn ihm ist wichtig, zu wissen, wo das Produkt herkommt. Für Biehahn liegt das Problem in der Einstellung der Bevölkerung. "Es sollte generell etwas am Bewusstsein verändert werden. Die Leute müssen beim Kauf vor Augen haben, was sie da eigentlich konsumieren, welchen Weg das Steak zurückgelegt hat und was für ein Leben das Tier vorher geführt hat", sagt der Moosbacher, "spätestens dann verdirbt es den meisten den Appetit." 

Ella Distel

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