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Mehr Mut zur Unordnung - mehr Artenvielfalt

Mehr als 300 Blühflächen gibt es im Landkreis - 20.05.2020 17:18 Uhr

Reinhold Weber stellt der neuen Wildlebensraumberaterin des Fachzentrums Agrarökologie am AELF Uffenheim, Mathilde Bätz, die mehrjährige Blühfläche vor; die das AELF Uffenheim im letzten Jahr vor dem Dienstgebäude angelegt hat. © AELF Uffenheim


Hauptanliegen der Konvention ist der Schutz der biologischen Vielfalt der Ökosysteme, der Arten bzw. Populationen und deren genetische Differenzierung sowie ihrer Ressourcen. Das Übereinkommen verbindet Schutz und nachhaltige Entwicklung. "Für viele ist das Wort Biodiversität nur wenig greifbar. Es steht für die Vielfalt des Lebens. Diese zu fördern, muss uns allen ein Anliegen sein". Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Uffenheim stellt zum "Tag der Biodiversität" dar, was Landwirte im Landkreis zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

Mehr als 300 Landwirte im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim haben in den letzten Jahren im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogrammes (KULAP) eine mehrjährige Blühfläche angesät. Neben Lob und Anerkennung ernten einige von ihnen auch immer wieder Unverständnis für die Flächen, die mit braunen, abgestorbenen Stängeln von Sonnenblume und Wilder Karde neben den blühenden Wildkräutern überstanden sind. "Diese Strukturen helfen Vögeln und Insekten", erklärt Mathilde Bätz, Wildlebensraumberaterin am AELF Uffenheim.

In der intensiv genutzten Feldflur fehlten vielen Insekten besonders im Sommer geeignete Blütenpflanzen, die ihnen Nahrung bieten. Durch die Anlage von Blühstreifen/-flächen könne der Landwirt aktiv zum Überleben vieler Insekten und somit auch zum Arterhalt einen wichtigen Beitrag leisten. Zusätzlich würden mehrjährige Blühflächen auch Äsung und Deckung für Wildtiere wie Rehe, Hasen oder Rebhühner bieten.

"Nicht erst seit dem Volksbegehren im vergangenen Jahr ist Biodiversität in der Landwirtschaft ein Thema" meint Lena Schmitt, die Leiterin des Fachzentrums Agrarökologie am AELF Uffenheim. "Denn die Landwirtschaft braucht Artenvielfalt. Deshalb schaffen und pflegen unsere Landwirte Strukturen in der Landschaft wie Hecken, blüten- und kräuterreiche Säume, artenreiche Wiesen, Ackerzwischenfrüchte und Streuobst. So werden Nahrungs-, Brut- und Rückzugsräume für viele Wildtiere bereitgestellt und Lebensräume vernetzt", so Schmitt weiter.

Ursachen des Artenrückgangs

Der Artenrückgang habe viele Ursachen. Neben der Intensivierung in der Landwirtschaft und damit verbunden Einträgen aus Düngung und Pflanzenschutzmitteln begünstigten der Flächenverbrauch durch Siedlungen, Infrastruktur und Industrie das Artensterben. In diesem Zusammenhang dürfe aber nicht vergessen werden, dass die Vielfalt an Flora und Fauna in unserer Kulturlandschaft erst durch Nutzung entstanden sei. Ein Beispiel für Artenverlust durch die Aufgabe der Bewirtschaftung seien Streuobstflächen, die ohne Nutzung und Pflege verbuschten; das habe einen erheblichen Artenrückgang zur Folge, teilt das Uffenheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit.

Beratung, Bildung, Förderung

Zentrales Element bayerischer Agrarumweltpolitik ist das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP), das mit einem breiten Maßnahmenangebot zur Umsetzung nachhaltiger Bewirtschaftung beiträgt. "Die Landwirte sind unverzichtbare Partner, wenn es darum geht, Vielfalt zu erhalten", sagt Harald Endreß, Leiter der Abteilung Förderung am AELF Uffenheim. Mit Mitteln aus dem KULAP werde ihnen in Bayern ein leistungsbezogener Ausgleich für ihre Maßnahmen mit der Zielrichtung Biodiversität, Wasserschutz und Regionalität gewährt.

Im Rahmen der Ausbildung der angehenden Meister an der Landwirtschaftsschule Uffenheim sind die Themen Biodiversität, Ressourcenschutz, Insektenschutz und ökologischer Landbau im Lehrplan verankert und werden in Projekten praktisch umgesetzt. Bei Fragen zu KULAP und anderen Förderprogrammen sind die Wildlebensraumberaterin Mathilde Bätz und die Gewässerschutzberaterin Gudrun Riedel wichtige Ansprechpartner der Landwirte.

Das Bayerische Landwirtschaftsministerium hat Biodiversität als Schwerpunktthema für 2019/2020 gewählt. Mit der Anlage von zwei kleinen Blühflächen vor dem Amtsgebäude will das AELF Uffenheim zeigen, dass jeder aktiv etwas für den Arterhalt tun kann, auch wenn es sich nur um kleine Maßnahmen handelt. "Artenvielfalt geht uns alle an. Die Anlage von Wildblumenmischungen im eigenen Garten oder auch in Blumenkästen ist die einfachste Möglichkeit, um blütensuchende Insekten zu unterstützen", sagt Mathilde Bätz, Wildlebensraumberaterin am AELF Uffenheim. Eine Broschüre mit hilfreichen Informationen findet man unter dem Link: http://www.aelf-uf.bayern.de/landwirtschaft/211025/index.php

Wildlebensraumberatung in Bayern

Die Wildlebensraumberatung am Fachzentrum Agrarökologie am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Uffenheim ist Ansprechpartner für Landwirte, Jäger und Jagdgenossen in Mittelfranken. Ziel ist es, die Kulturlandschaft für unsere Wildtiere ökologisch aufzuwerten. Lebensräume für Feldhasen, Rebhühner und blütenbestäubende Insekten sollen erhalten, verbessert und neu geschaffen werden. Die kritischen Faktoren für das Vorkommen von Wildtieren in der Agrarlandschaft sind heute vor allem Nahrung und sichere Rückzugsorte. Die Wildlebensraumberater haben ein Bündel an lebensraumverbessernden Maßnahmen für Landwirte, aber auch Jäger, Imker, Kommunen und interessierte Bürger anzubieten.

nb

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