Mehr Polizei rund um Bamberger Aufnahmeeinrichtung

6.11.2017, 21:59 Uhr

© Foto: John MacDougall/afp

Herrmann stellte das neue Konzept in Bamberg vor, wo derzeit rund 1200 Flüchtlinge in den Gebäuden der ehemaligen US-Kasernen untergebracht sind. In Bamberg seien für 65 Prozent der Ladendiebstähle im Stadtgebiet Zuwanderer verantwortlich, ebenso sei die Zahl der Körperverletzungen stark angestiegen. Wie das Innenministerium bekanntgab, seien in den ersten drei Quartalen 2017 allerdings von den 47 festgestellten Taten 34 innerhalb der Aufnahmeeinrichtung unter Zuwanderern verübt worden.

Laut der offiziellen bayerischen Kriminalitätsstatistik 2016 gingen bei den Diebstählen 11,3 Prozent der Fälle auf das Konto von Zuwanderern. Kriminelle Flüchtlinge verüben ihre Taten laut dieser Statistik meist innerhalb ihrer Einrichtung.

Sicherheitswacht verstärkt

Herrmann kündigte an, dass 20 zusätzliche Polizeibeamte von oberfränkischen Einsatzzügen in die Stadt versetzt werden. Zudem sei die ehrenamtliche Sicherheitswacht von 14 auf 20 Stellen erhöht worden. Ebenso wie in Bamberg sollen die Polizeikräfte in Ingolstadt-Manching verstärkt werden. Dort existiert ebenfalls eine Aufnahmeeinrichtung.

Der Bayerische Flüchtlingsrat kommentierte den "Schwerpunkteinsatz", wie ihn das Ministerium nennt, kritisch. Die Zunahme der Diebstähle resultiere daraus, dass zehn Prozent der Flüchtlinge keinerlei Bargeld erhielten. Diese sogenannten "Dublin-Flüchtlinge" bekommen nur noch Sachleistungen. Eltern, deren Kinder die Nahrung im Lager nicht essen wollten, und Rauchern bliebe so nur noch "übrig zu stehlen", so der Rat.

Auch die Zunahme der Konflikte und damit Körperverletzungen in den Lagern weise auf ein hausgemachtes Problem hin: "Je größer ein Lager, desto geringer die Akzeptanz außerhalb und desto größer die Konflikte innerhalb", argumentiert der Rat in einer Pressemitteilung. In Bamberg besteht das mit Abstand größte Aufnahmelager in Bayern.

Alexander Thal, Sprecher des Flüchtlingsrates, forderte statt mehr Polizisten von Herrmann kleinere Lager und die "Flüchtlinge schnell auf kleine Unterkünfte weiterzuverteilen". Flüchtlinge sollten zudem das "verfassungsrechtlich garantierte Existenzminimum" ausbezahlt bekommen und schnell und unbürokratisch eine Arbeit aufnehmen dürfen. Außerdem müsse die Unterbringungsdauer in den "riesigen Aufnahmelagern auf ein absolutes Mindestmaß" reduziert werden.

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