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Messechef ist optimistisch: "Wir halten das lange durch"

Peter Ottmann über die Chancen der Digitalisierung und die Probleme für Vor-Ort-Betriebe - 05.11.2020 07:10 Uhr

Die Messe Nürnberg leidet unter den Beschränkungen wegen der Corona-Krise

06.04.2020 © Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / DaMa


Nächste Woche werden Bühnen aufgebaut, zumindest in einer Halle der Messe Nürnberg wird dann ein wenig Leben einziehen: Kleine TV-Studios, in denen Formate für die digitale Form der BrauBeviale produziert werden, entstehen. Ein bisschen Normalität. Wobei, normal ist in diesen Zeiten für die Messe Nürnberg wohl kaum etwas.

Konzepte erarbeitet

Die Corona-Krise hat die Messebranche so hart wie kaum eine andere getroffen: Im Frühjahr kam das Verbot von Veranstaltungen, dann erarbeitete man Hygienekonzepte, hoffte auf den Herbst. Noch bis vor drei Wochen glaubten die Verantwortlichen aus Nürnberg, die BrauBeviale könne stattfinden, 200 Aussteller sollten sich in drei Hallen präsentieren. Dann kann das Beherbergungsverbot, die steigenden Coronazahlen. Und damit war die Live-Variante einer der wichtigsten europäischen Fachmessen für Produktion und Vermarktung von Bier und alkoholfreien Getränken in diesem Jahr Geschichte.

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Nun kommt man also digital zusammen: Es gibt drei Tage voll mit Online-Events, die dazugehörige Plattform wird 365 Tage zu besuchen sein. Die Umstellung sei recht gut gegangen, sagt Peter Ottmann, einer der beiden Geschäftsführer der Messe Nürnberg. Denn man sei vorbereitet gewesen, die BrauBeviale wäre ohnehin als “hybrides Format” über die Bühne gegangen: Eine Mischung aus digitalen und Präsenz-Veranstaltungen. Nun fallen die Begegnungen weg.

Funktionieren kann das durchaus, zumindest im kleineren Rahmen: Die Chillventa, die Weltleitmesse für Wärmetechnik, wurde rein digital durchgezogen. Das Feedback der Kunden sei gut gewesen, der Umsatz betrug immerhin knapp eine Million Euro, erzählt Ottmann. Ein Erfolg, auch wenn die normale Chillventa das Zehnfache bringt.

Enormer Aufwand

Etwa 20 Prozent der Aussteller und rund 20 Prozent der Besucher gingen hier den Schritt mit ins Digitale. Und das bei einem enormen Aufwand: 207 Aussteller und 6800 aktive Teilnehmer tauschten sich in über 100.000 Chats, 1.200 Video-Calls und 300 runden Tischen auf der digitalen Plattform aus.

Ein Blick auf die Feuertrutz zeige aber auch, betont Ottmann: Man kann auch neue Kunden akquirieren. 35 Prozent der Austeller bei der digitalen Plattform waren noch nie bei der Brandschutz-Fachmesse. Doch verallgemeinern kann man all das nicht: Der Zuspruch sei von Messe zu Messe unterschiedlich, sagt Ottmann.

Waffenmesse soll stattfinden

Auch daher setzt man weiter auf Präsenzveranstaltungen - die Waffenmesse IWA im März soll stattfinden. Doch fix ist das längst nicht: “Im Dezember schauen wir uns das an: Geht das mit den Infektionszahlen und den Anmeldezahlen?”, sagt Ottmann.

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Ebenfalls im März findet traditionell die Freizeit-Messe statt. Der Veranstalter Afag gibt sich noch bedeckt. Man prüfe aktuell die Durchführungsmöglichkeiten auch in Hinblick auf die verschiedenen Themenwelten, sagt eine Sprecherin. Die Afag ist ein gebranntes Kind: Mitte Oktober hatte die Gesellschaft sehr kurzfristig die Verbrauchermesse Consumenta absagen müssen - nur wenige Tage vor Eröffnung untersagte die Stadt Nürnberg die Durchführung wegen stark steigender Corona-Zahlen.

Prinzipiell, da ist sich Peter Ottmann von der Messe Nürnberg sicher, wird sich das Geschäft wandeln. Es werde regionaler weitergehen, nicht mehr so viele Gäste aus der ganzen Welt anziehen. Er verweist auf China, dort seien Messen wieder gut angelaufen, man sei sogar auf einem ähnlichen Niveau wie vor Corona - aber es seien eher nationale Veranstaltungen.

Das Ziel: "Vor Ort treffen"

Und vieles wird weiter digital stattfinden. “Davon hat aber Nürnberg erstmal nichts - weder die Gastronomie, Hotellerie noch der Einzelhandel”, sagt Ottmann. “Unsere erste Sorge ist daher: Wie können wir Leitveranstaltungen stärken? Und was müssen wir tun, dass das Vor-Ort-Geschäft gut anläuft?” Sein Konzept: “Wir wollen mit digitalen Plattformen gerne 365 Tage in den Köpfen sein, uns dann aber vor Ort treffen.” Und dort, davon ist Ottmann weiter überzeugt, werden auch die besten Geschäfte getätigt: Man begegnet sich auf den Gängen, abends an den Ständen, kommt ins Gespräch, entdeckt ähnliche Interessen, vielleicht gibt es einen Abschluss. Das sei online eben nicht so einfach.

Seine Prognose: “Wir gehen davon aus, dass wir 2022 bis 2024 bei 80 Prozent des Vor-Corona-Geschäfts landen. Wenn es gut läuft verlieren wir 20 Prozent ans Digitale.” Vor Ort, für die Betriebe in Nürnberg, bedeute das dennoch einen Rückgang. Ohnehin ächzt die Branche unter den Corona-Beschränkungen. Um die Messe selber ist es ihm übrigens nicht bang. “Wir haben tolle Gesellschafter. Wir halten lange durch.”


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