14°

Dienstag, 29.09.2020

|

zum Thema

Nach dem Corona-Lockdown: Traumhafte Ruhe am Gardasee

Corona-Maßnahmen werden vorbildlich umgesetzt, die wenigen Urlauber genießen die Stille - 22.06.2020 10:05 Uhr

Normalerweise um diese Jahreszeit voller Touristen: Der Wochenmarkt in Lazise im Juni 2020. 

© imago/kolbert-press/Christian Kolbert


Der Lago rüstet sich derzeit für Gäste, ab dem 20. Juni haben die meisten Quartiere wieder offen. Eigentlich wäre seit Pfingsten bis Mitte September am Gardasee Hochsaison, rund ums Ufer schöbe sich Auto an Auto durch überfüllte Ortschaften. Die Destination galt stets als Negativbeispiel für den Overtourism, als das überlaufene Ferienziel schlechthin. Heuer erreichen uns ganz andere Berichte vom Lago di Garda, wo man strikte Sicherheitsmaßnahmen eingeführt hat und nun auf die Rückkehr der Touristen hofft.

"Wir sind diese Woche in Limone am Gardasee. Dieses Jahr ist skurril schön. Für Urlauber, die Ruhe und Erholung suchen, ist es ein Traum. Für die Geschäftsleute ein Desaster. Verhaltensregeln und Hygienevorschriften werden überall top umgesetzt. Fieber messen vor Betreten der Läden und Restaurants, überall Desinfektionsmittel, Einweghandschuhe im Supermarkt. Unser sauberster Urlaub bisher", schreiben uns Udo Simon und Elke Scharf aus Großhabersdorf direkt aus ihrem Quartier am See, das zur Lombardei gehört - der mit am stärksten von Corona betroffenen Region Italiens.

Bilderstrecke zum Thema

Blauer Himmel, leerer Strand: So sieht es am Gardasee nach ersten Corona-Lockerungen aus

Der Gardasee war wie der Rest Norditaliens besonders von der Coronakrise betroffen. Nun rüstet sich der See auf die Rückkehr der Touristen. Wir waren vor Ort und zeigen hier erste Impressionen von unserem nächsten mediterranen Lieblings-Bade- und Urlaubsziel. (nie)


Spätestens Anfang Juli sollen in dem Örtchen an der Westküste wieder alle Hotels offen sein, an diesem Wochenende machen die meisten schon auf. "Unser Hotel bekommt trotzdem noch immer täglich Stornierungen", schreibt Udo Simon. Die Anrufer beriefen sich auf teils veraltete Informationen zu Stornierungsmöglichkeiten, die noch immer auf den Homepages mancher Veranstalter stünden - dabei sei der Urlaub dort kein Problem mehr. Am Gardasee machen laut Udo Simons Beobachtungen derzeit vor allem Paare ab Ende 50 Ferien, "das sind jetzt wohl die typischen Gardasee-Genussurlauber. Kaum Aktivsportler. Kürzlich war Wochenmarkt in Limone. Nix los. Aber Desinfektionsmittel an jedem Stand. Auch nur wenige Händler."

Radwege-Bau um den Gardasee gerät ins Stocken

Ein großes Projekt ist durch Corona ins Stocken geraten: Der von vielen lang ersehnte Fahrrad-Rundweg um den Gardasee. Valentina Bellotti von Garda-Trentino sagt uns dazu: "'Das Projekt hat sich etwas verzögert: Die Arbeiten auf der Trentiner Seite sollten im Frühling starten, wurden aber wegen des Lockdowns verschoben. Für die Provinz von Trient hat der Radweg eine Priorität, erst kürzlich wurde die Finanzierung gesichert. Ich weiß außerdem, dass die drei Regionen am See, also Trentino, Lombardei und Veneto, dazu ständig in Kontakt sind. Auf dem populärsten Abschnitt zweieinhalb Kilometer von Limone aus in Richtung Norden darf man sowieso schon fahren."

Ob auf dem Rad oder zu Fuß: Grundsätzlich halten sich laut Udo Simon alle an die Hygieneregeln. Jeder trage seine Maske dort, wo es sein müsse. Jeder halte Abstand. "Wir fühlen uns sehr sicher. Sicherer als daheim. Das haben uns auch zwei Ehepaare aus München gesagt", so Simon weiter. Die Anreise über die Autobahn durch Österreich und über den Brenner sei völlig problemlos gewesen. Insgesamt sei das Wissen um den aktuellen Stand der Sicherheitsregeln das größte Problem bei den Urlaubern. "Keiner, mit dem wir gesprochen haben, wusste richtig Bescheid, was nun erlaubt ist und was nicht."

Gardasee: Auch in den Sommerferien wird es nicht zu voll

"Es gilt die Maskenpflicht offiziell nur noch in geschlossenen Räumen und nicht mehr im Freien", sagt Cinzia Gabrielli von Visit Trentino in Trient, das für den Nordteil des Sees um Riva und Torbole zuständig ist. Outdoor-Sport wie Klettern, Mountainbiken, aber auch Wassersport wie das hier so beliebte Surfen oder Segeln seien wieder möglich. Ob Bars, Eisdielen, Restaurants, Pizzerien, Hotels, Campingplätze, Fahrradvermieter: "Eigentlich ist alles ab diesem Wochenende wieder in Betrieb", sagt sie erleichtert am Telefon.

Bilderstrecke zum Thema

Wellness, Familienfeiern und Busreisen: Das ist seit Juni trotz Corona wieder möglich

Seit Ende Mai lockert die bayerische Regierung die Maßnahmen zur Einschränkung der Corona-Pandemie Schritt für Schritt. Durch die Verlängerung der Sperrstunde und andere Erleichterungen seit dem 16. Juni geht es für die Bürgerinnen und Bürger wieder ein Stück mehr Richtung Normalität.


Die letzten Wochen seien schon sonderbar gewesen, in den Pfingstferien hätten vor allem Südtiroler die fehlenden Urlaubsgäste aus Österreich und Deutschland einigermaßen ersetzt. Dass es im Sommer so voll wird wie üblich, glaubt sie nicht: "Es haben sich einfach zu viele entschlossen, heuer mal im eigenen Land zu bleiben." In diesem Jahr werde es eh nur eine beschränkte Bettenkapazität von etwa 60 oder 70 Prozent geben. Beschränkt sind auch die Kapazitäten im Freizeitpark Gardaland bei Peschiera in der Provinz Venetien, der nach monatelanger Corona-Pause wieder offen hat. Man muss allerdings im Voraus buchen und auf Achterbahnen und in den anderen Fahrgeschäften einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Leere Gassen in Limone am Gardasse, manche tragen Maske.

 

© Foto: Udo Simon/Elke Scharf


Die konkreten Maßnahmen ihres Hotels in Limone beschreiben Udo Simon und Elke Scharf so: "Das Frühstück wird am Vorabend digital über das Smartphone bestellt. Dafür stehen Schilder in der Lobby. QR-Code scannen, dann Getränke und Essen auswählen. Funktioniert wie im Onlineshop. Dann noch Zimmernummer eingeben. Fertig. Am Morgen wird alles serviert, Nachbestellen natürlich möglich. Funktioniert super." Im Hotel geben Pfeile am Boden die Wege vor, überall sind Desinfektionsmittel und Hinweisschilder, in der Lobby Plexiglasscheiben.

"Ich hatte auch Vorbehalte: Lombardei, Bergamo. Nicht weit weg vom Gardasee. Die Bilder kennen wir noch alle. Doch hier leben wir mit den Regeln völlig frei von Angst." Die meisten Restaurants seien schon geöffnet, hätten aber wenig Gäste. Am Eingang werde auf Fieber gescannt und sogar die Speisekarte desinfiziert, nach jedem Gastwechsel kämen Tische, Stühle und sogar die Tischdecken dran. Die Italiener seien sehr sensibilisiert: "Sie tragen auch auf der Straße Masken, wechseln die Straßenseite, wenn ihnen jemand ohne Maske entgegenkommt."

Am Gardasee: Campingplätze mit strikten Abstandsregeln

Der Campingplatz Spaggia d'Oro bei Lazise im östlichen, venzianischen Teil des Gardasees kann als Beispiel für die Coronamaßnahmen der vielen Campingplätze am Ufer herangezogen werden. Er ist einer der größten der Region und informiert auf seiner Homepage detailliert über die aktuelle Situation, die sich ständig ändert. "Wir erwarten alle 15 Tage eine Überarbeitung der Regeln mit Einschränkungen, die von Zeit zu Zeit aufgehoben werden können", heißt es von der Platzleitung. Die Ansteckungssituation sei weitgehend unter Kontrolle, wer sich jedoch unabhängig und tagesaktuell über die Situation in Italien informieren möchte, macht dies am besten auf der englischsprachigen Seite.

Konkret darf in Spaggia d'Oro derzeit nur ein Gast pro Gruppe oder Familie die Rezeption mit Maske betreten. Jeder Zugang zu Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt auf dem Stellplatz muss einen Abstand von mindestens 3 Metern zu benachbarten Parzellen einhalten, weitere Ausrüstung darf nur einen Meter von der Grenze zur nächsten Parzelle entfernt sein. Unterkünfte und Privattoiletten - etwa in Mobile Homes - werden vor Ankunft und nach Abreise der Gäste desinfiziert. Die allgemeinen Toilettengebäude sind je nach Gästezahl offen und werden regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Alle Campingplatzmitarbeiter müssen täglich zu Beginn der Schicht ihre Temperatur messen lassen.

Der Strand des Campingplatzes Spiaggia d`Oro bei Lazise am Gardasee.

© campingspiaggiadoro.com/


Im Wasserpark sind Pools und Rutschen regelmäßig geöffnet, es dürfen aber nur so viele Urlauber ins Wasser, dass theoretisch jeder sieben Quadratmeter Wasseroberfläche für sich hat - bei einer Poolfläche von 140 Quadratmetern also maximal 20 Personen. Vor dem Betreten des Wassers ist das Duschen obligatorisch. Die Liegestühle werden bei jedem Wechsel und in jedem Fall vor der Eröffnung des Wasserparks desinfiziert, der Chlorgehalt rund um die Uhr überwacht. Am Strand muss zwischen Sonnenliegen, Stühlen oder Handtüchern von Personen, die nicht der selben Gruppe oder Familie angehören, ein Abstand von mindestens eineinhalb Metern eingehalten werden - dafür existieren keine Einschränkungen hinsichtlich der maximalen Belegung des Strandes.

Die platzeigenen Cafés und Restaurants haben offen, es stehen fast so viele Tische wie sonst zur Verfügung. Wer nicht am Tisch sitzt, muss Maske tragen, Kinder unter sechs Jahren ausgenommen. Auch der Supermarkt hat offen, es dürfen allerdings nur wenige Personen gleichzeitig hinein. Ähnliche Regelungen gelten auch in Restaurants und Supermärkten außerhalb des Platzes. Ebenfalls offen haben Spielplätze im Freien und der Bereich der Kinderanimation - bei regelmäßiger Reinigung und Desinfizierung. Ins Fitnessstudio darf auch nur eine begrenzte Anzahl von Personen, man muss vorher reservieren und zwischen den desinfizierten Geräten zwei Meter Abstand halten.

Die sonst so präsente Animation wurde mit begrenzten (reservierten) Plätzen und einem "weichen Programm" heruntergefahren. Sportplätze für Basketball, Fußball, Tennis oder Beachvolleyball öffnen am 25. Juni. Somit ist auch das Strandleben am Gardasee zumindest ein bisschen wieder wie früher.

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Region