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Nach dem Regen: Kann die verdorrte Region aufatmen?

In Wendelstein fielen mehr als 70 Millimeter Niederschlag - 09.08.2019 06:00 Uhr

Nachdem ergiebige Niederschläge über der Region niedergegangen sind, kann man vielerorts aufatmen. Die Natur hat ihren lang ersehnten Wasserguss erhalten. © Sven Hoppe (dpa)


Bei aller berechtigten Sorge, bei allen Problemen und einem "Waldsterben 2.0", das derzeit um sich greift: Die Schäden sind vor allem eine Folge von vielen trockenen Jahren hintereinander. Das Jahr 2019 ist für die Region hingegen bislang kein Rekordjahr in Sachen Trockenheit. Da gab es schon viel schlimmere. Das Jahr 2018 etwa, vor allem aber 2015 und das (Negativ-)Rekordjahr 2003.


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In diesem Jahr dagegen hat es nach längeren Trockenphasen immer wieder ausgiebig geregnet. So auch jetzt: Am Nürnberger Flughafen fielen am 6. und 7. August insgesamt 23,8 Millimeter Regen, in Pleinfeld waren es 45,7 Millimeter, in Wendelstein sogar mehr als 70. Nach der extremen Hitzephase folgte nun ein sehr durchschnittlicher Sommer.

Das Problem: Dieses Jahr ist zwar bislang nicht rekordverdächtig trocken, aber eben dennoch etwas trockener als im langjährigen Mittel. Angesichts der vergangenen trockenen Jahre bräuchten die Wälder und die Grundwasserreservoirs aber dringend ein deutlich feuchteres Jahr, um sich zumindest etwas erholen zu können.

Raum Pegnitz ist besonders trocken

Besonders außergewöhnlich ist im Jahr 2019, dass vor allem Nordostoberfranken und auch der Raum Pegnitz am wenigsten Wasser abbekommen haben. Hier fällt normalerweise für nordbayerische Verhältnisse relativ viel Regen. Große Trockenheit herrscht sonst vor allem in Westmittelfranken, noch ausgeprägter in Teilen Unterfrankens. Doch dort ist die Dürre in diesem Jahr bisher nicht so extrem wie in anderen Jahren.

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Auch wenn es in der Region nicht extrem ist: Auch in normalen Jahren fällt nördlich der Donau schon relativ wenig Niederschlag. Deshalb muss auch in diesem Jahr wieder viel Donau-Wasser den Main-Donau-Kanal hinaufgepumpt werden, um die Lebensadern Rednitz und Regnitz zu füllen. 107 Millionen Kubikmeter flossen bis 7. August in den Rothsee, von wo das Wasser dann in die Flüsse geleitet wird.

2018 waren es zum selben Zeitpunkt im Jahr nur 62 Millionen Kubikmeter. Doch der Vergleich hinkt, der Bedarf war eigentlich viel größer. Tatsächlich war es 2018 aber so trocken, dass auch die Donau viel zu wenig Wasser führte. Einen Monat lang konnte kaum Wasser über den Kanal nach Norden gepumpt werden. Um den Mangel auszugleichen, musste damals so viel Wasser wie nie zuvor aus dem Brombachsee abgelassen werden – anders als dieses Jahr.

Kaum Einfluss auf Wasserkraftwerke

Auf die Wasserkraft, die mit Abstand wichtigste regenerative Energiequelle im Freistaat, hatte die Trockenheit jedoch nur geringe Auswirkungen. Zwischen zwölf und 15 Prozent des in Bayern erzeugten Stroms kommen von den über 4000 Wasserkraftwerken. Etwa die Hälfte aller Anlagen im Bundesgebiet steht im Freistaat.

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„In den Jahren 2010 bis 2017 betrug die jeweilige Jahresleistung aller bayerischen Wasserkraftwerke zwischen 10,7 und 13,1 Milliarden Kilowattstunden“, sagt Josef Rampl, Geschäftsführer der Vereinigten Wasserkraftwerke in Bayern. Diese Energiequelle werde deshalb als „grundlastfähig“ eingestuft. Das heißt: Sie deckt den ständig benötigten Strombedarf ebenso wie den erhöhten Verbrauch zu Spitzenzeiten.

Im Freistaat hat die Nutzung der Wasserkraft eine über 100-jährige Tradition. Bis in die 1920er Jahre deckte sie 100 Prozent des bayerischen Strombedarfs. Der Freistaat profitiert bei der Wasserkraft von seiner Topographie, die für die Nutzung dieser natürlichen Energiequelle sehr gut geeignet ist. Ergiebige Jahresniederschläge in Südbayern und zahlreiche Fließgewässer mit vielen Gefällen sorgen dafür, dass man auch heute noch den Strombedarf aller bayerischen Privathaushaushalte allein aus Wasserkraft decken könnte.

Pegelstände relativ normal

Viele Naturschützer sperren sich dennoch gegen den Bau von zusätzlichen Wasserkraftwerken, denn diese gefährden ihrer Ansicht nach die Artenvielfalt in Bayerns natürlichen Fließgewässern. Unter anderem fänden zahlreiche Fische in den Turbinen den Tod.

In der Metropolregion Nürnberg dominieren kleinere Anlagen, die auch bei niedrigen Pegelständen konstant Strom liefern. Und im Moment sind die Pegelstände der meisten fränkischen Flüsse und Bäche relativ normal für diese Jahreszeit.

In der Pegnitz in Nürnberg fließen nach den ausgiebigen Niederschlägen der vergangenen Tage durchschnittlich 6,5 Kubikmeter pro Sekunde ab. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert oft deutlich unter fünf Kubikmetern.

 

Martin Müller und André Ammer

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