BRK und Frankenkonvoi

Nach der Flutkatastrophe: Auch Fürther helfen im Ahrtal

25.7.2021, 06:00 Uhr
Kein Strom, kein Wasser: Kräfte des Fürther BRK haben in den vergangenen Tagen Menschen im Ahrtal mit Essen versorgt.

Kein Strom, kein Wasser: Kräfte des Fürther BRK haben in den vergangenen Tagen Menschen im Ahrtal mit Essen versorgt. © BRK Fürth, NN

Im Fernsehen hatte Bernd Herrmann die Bilder der Hochwasserkatastrophe gesehen. Ein paar Tage später stand der Leiter der BRK-Bereitschaft Stein dann mit seinen Kollegen selbst mittendrin: umgeben von Zerstörung und Not, aber auch von riesiger Solidarität und Hilfsbereitschaft.

„Es schaut aus wie in der Tagesschau – und das großflächig“, sagt der 52-Jährige, als die FN am Freitag anrufen. Was er sieht, erinnert ihn an die Aufnahmen von zerstörten Städten im Zweiten Weltkrieg.

Herrmann und sein Team helfen an diesem Vormittag im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr-Ahrweiler, bereiten die Essensausgabe vor – 200 Meter neben der Ahr, die die Stadt und die umliegenden Dörfer in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli so folgenschwer flutete. Die Gegend wurde besonders stark getroffen, 132 Menschen starben im Landkreis Ahrweiler, Tausende sind obdachlos. Mindestens 17.000 dürften Hab und Gut verloren oder erhebliche Schäden zu verkraften haben, wie der SWR berichtete.

„Hier gibt’s praktisch nichts: keinen Strom, kein Wasser, kein Abwasser“, sagt Herrmann. Der Strom wurde abgeschaltet, überall ragen Leitungen heraus. Das Handynetz fällt immer wieder aus. Hubschrauberlärm ist regelmäßig zu hören, weil Wege oft noch versperrt sind. Was es allerdings gibt: Sehr viele Helfer und eine große Solidarität in der Bevölkerung. Sie alle müssen improvisieren, ständig.

Herrmann gehört zu einer 15-köpfigen Gruppe des Fürther BRK, die ab Mittwoch für einige Tage in Rheinland-Pfalz war, als Teil eines Hilfskontingents mit insgesamt 132 Helfern aus verschiedenen Regionen. Untergebracht ist es etwa 50 Kilometer von Bad Neuenahr-Ahrweiler entfernt, es braucht Platz für 60 Einsatzfahrzeuge. Angepackt wird an mehreren Orten.

Das Fürther BRK hat eine Einheit „Technik und Sicherheit“ geschickt, die Lothar Bauer führte, und eine Einheit „Betreuung“ unter Herrmanns Regie. Am Samstag ging es für sie zurück nach Hause.

Die Tage im Flutgebiet waren lang. Man versucht, die Schichten der Helfer auf zwölf Stunden zu begrenzen, erzählt Herrmann, sie seien schließlich keine Maschinen. Während des Telefonats am Freitag schätzt er: An diesem Mittag werde man wohl rund 2500 Essen an Bürgerinnen und Bürger ausgeben „Es ist alles ein bisschen größer, als man es kennt."

Das Essen bekommen die Menschen, die sich dafür anstellen, auf die Hand. Platz für Bänke und Tische gibt es nicht. Herrmann: „Hier stapelt sich mannshoch der Müll und wir stehen auf dem Schlamm, der aus dem Fluss noch auf der Straße klebt.“

Vor Ort sind drei Feldküchen und einige Lagerzelte aufgebaut, die die Fürther Helfer nutzen können. Ein Notstromaggregat ermöglicht es, Lebensmittel und Wasser zu kühlen. Überall müsse man Abstriche machen, so Herrmann, bei der Hygiene, bei der Versorgung. „Wir gehen mit einer groben Gießkanne drüber, um so viel wie möglich zu erreichen – aber das ist kilometerweit weg von der individuellen Betreuung, wie wir sie sonst leisten können.“

Eher Jahre als Monate

Bei der Essensausgabe kommen die Helfer ins Gespräch mit den Menschen, hören zu. Manche sind dankbar, wenn sie mal über was anderes als das Hochwasser reden können. Sehr freundlich seien die Leute, wahnsinnig hilfsbereit – und keiner sei böse, wenn etwas nicht geht. Er habe nur einen kleinen Teil der Katastrophe gesehen, sagt Herrmann, aber er ahnt: „Bis die Menschen hier wieder ein normales Leben haben, muss man eher mit Jahren kalkulieren als mit Monaten.“

Auch Tom Geisbüsch hat sich auf den Weg ins Ahrtal gemacht, zum zweiten Mal bereits, Verwandte und Bekannte des 59-jährigen Fürthers leben dort. Normalerweise hilft Geisbüsch mit seinem Verein Frankenkonvoi in europäischen Flüchtlingslagern – für ihn ist es selbstverständlich, dass er jetzt auch für Menschen in Not in seiner alten Heimat da ist.

In den vergangenen Tagen sammelte er Geldspenden, um einkaufen zu können, was vor Ort dringend gebraucht wird: Eimer, Schubkarren, Wannen, Hochdruckreiniger, Besen... Seine Unterstützer ließ er wissen, welche Sachspenden gebraucht werden: Schaufeln und Kanister etwa – nicht aber Altkleider, von denen es längst genug gebe. Es sei wichtig, sich gut zu informieren, wie man wirklich helfen kann.

Kürzlich teilte er einen Facebook-Post, der seinen Neffen zusammen mit einem anderen jungen Mann bei einer kleinen Pause zeigt, beide schlammverschmiert. Einer der beiden sitzt auf einem kaputten Fitnessfahrrad, inmitten des Sperrmülls der sich am Straßenrand türmt. „Es gibt keine Worte, die beschreiben können, wie es hier aussieht und was die Menschen durchmachen mussten“, schreibt der Neffe. Und: „Danke an alle Helfer/innen“.

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