Dienstag, 19.11.2019

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Nach Hochwasserkatastrophe: Neue Regenfälle drohen

Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren - Politiker kündigten rasche Hilfe an - 02.06.2016 14:01 Uhr

Immer mehr wird das Ausmaß der Hochwasser-Katastrophe in Niederbayern sichtbar. © NEWS5 / Pieknik


Einen Tag nach der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern bleibt die Lage in der Region angespannt. Unwetterartige Gewitter mit schauerartigem Regen könnten vor allem in Ober- und Niederbayern die Wasserstände wieder steigen lassen, meldete am Donnerstag der Hochwassernachrichtendienst Bayern.

Am Mittwoch waren Flüsse und Bäche rund um Simbach am Inn nach heftigem Regen innerhalb kürzester Zeit zu reißenden Flutwellen angeschwollen und hatten zahlreiche Orte überschwemmt. Mindestens vier Menschen starben, darunter drei Frauen einer Familie aus Simbach. Im Nachbarort Julbach wurde eine 80-Jährige tot aus einem Bach geborgen. Mehrere Menschen werden noch vermisst. Der Sachschaden im Landkreis Rottal-Inn geht nach ersten Schätzungen in den zweistelligen Millionenbereich.

Politiker kündigten rasche Hilfe an. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) versprach eine Soforthilfe für Betroffene. "Ähnlich wie beim Hochwasser 2013 werden wir 1500 Euro zur Verfügung stellen", sagte er nach einem Überflug über das Katastrophengebiet. Das Warnsystem müsse verbessert werden. Das Ausmaß sei völlig überraschend gewesen. "Das Ganze kam so überfallartig, da ist mit Hochwasserschutz nichts zu machen", erklärte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Man werde die Geschädigten nicht alleine lassen und ihnen unbürokratisch helfen. Seehofer sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus.

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Chaos und hilflose Helfer nach Hochwasser in Niederbayern

Nach dem Hochwasser in der Region Rottal-Inn herrscht Chaos allerorten. Selbst die Helfer stehen manchmal hilflos daneben, angesichts der wirren Zustände. Bei dem Hochwasser sind sieben Menschen gestorben.


Viele Menschen sind noch in Sorge, weil sie Angehörige oder Freunde nicht erreichen können. Vor allem in Simbach waren am Donnerstag viele Häuser noch überflutet. Taucher suchten nach weiteren möglichen Opfern, nachdem sie am Vortag wegen der reißenden Strömung der Flutwelle nur eingeschränkt arbeiten konnten.

Auch für viele Kinder war die Flut eine Belastung. Hunderte mussten stundenlang in ihren Schulen ausharren, weil sie vom Wasser eingeschlossen waren. Die Kinder aus Simbach konnten laut dem Rottaler Landrat Michael Fahmüller (CSU) am Abend wieder nach Hause, ebenso die meisten der 250 Schüler aus Triftern. 14 Kinder mussten mit Betreuern die Nacht in der Trifterner Schule verbringen.

In der Katastrophenregion haben die Aufräumarbeiten begonnen. Rettungskräfte, Betroffene und viele freiwillige Helfern versuchten, Häuser und Straßen von Schlamm und Treibgut zu befreien. "Wir gehen mit Gummistiefeln zum Arbeiten", beschrieb eine Sprecherin des Bürgermeisters Klaus Schmid am Morgen die Lage.

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Land unter: Hochwasser-Katastrophe in Niederbayern

Schwere Überschwemmungen in Niederbayern: Der Landkreis Rottal-Inn (gelegen zwischen Passau und Landshut) hat den Katastrophenfall ausgerufen. Nach Angaben des Landratsamtes sind die Ortschaften Simbach am Inn, Tann sowie Triftern betroffen und völlig überschwemmt. "Es herrscht Land unter", erklärte Emil Bumberger von der Polizei in Pfarrkirchen.


In Simbach war das Technische Hilfswerk noch morgens damit beschäftigt, Personen zu retten, die in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen waren. In den Marktgemeinden Tann und Triftern pumpten Helfer Häuser und Straßen leer. Der Stab an Hilfskräften wurde aufgestockt. In der Stadt Griesbach war es am frühen Morgen bereits gelungen, eine Notstromversorgung einzurichten. Am Mittwoch hatte es vielerorts weder Strom noch Wasser gegeben. Mehrere Schulen blieben am Donnerstag geschlossen, die Prüfungen zum Abitur wurden mancherorts ausgesetzt.

Polizeiarbeit wird erschwert

Erschwert wurde die Arbeit der Polizei durch unvernünftige Autofahrer, die auf gesperrten Straßen unterwegs waren. Deshalb sei es schon zu mehreren Unfällen gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Das halte von der wichtigen Arbeit ab, nach Vermissten zu suchen und Menschenleben zu retten. Viele Straßen seien völlig unterspült, auch Brücken und Überführungen seien einsturzgefährdet. Zudem wurden zwei Plünderer festgenommen, die ein Autoradio rauben wollten.

Glimpflich davongekommen ist bislang die Stadt Passau, in deren Landkreis am Vortag der Katastrophenfall ausgerufen worden war: Zwei Uferstraßen mussten gesperrt werden, der vorhergesagte Höchststand des Pegels wurde jedoch nicht erreicht. Am Donnerstagmorgen ging der Wasserstand bereits zurück, Behörden und Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW blieben aber in Alarmbereitschaft: "Es herrscht größte Wachsamkeit", erklärte ein Sprecher des Oberbürgermeisters Jürgen Dupper. Für Donnerstag erwarteten Meteorologen jedoch erneut große Mengen an Niederschlag, besonders im Landkreis Passau.

Wie hoch der Schaden in Niederbayern ist, lässt sich nach Einschätzung der Versicherungskammer Bayern noch nicht sagen. Die Kammer verwies auf ihre kostenfreie Schaden-Hotline 0800 6236 6236.

dpa

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