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Nach Impfstoff-Pannen: Gesundheitsministerium setzt auf neuen Transporteur

Vom Freistaat auch für Moderna- und AstraZeneca-Vakzine beauftragt - 21.01.2021 08:39 Uhr

Mit diesen Fahrzeugen transportiert Trans-o-flex ThermoMed den Corona-Impfstoff in Bayern.

08.01.2021 © Trans-o-flex


Viel war in der vergangenen Zeit von Impfstoff-Transportpannen in Oberfranken die Rede. Von Camping-Kühlboxen, die eingesetzt wurden, obwohl sie gar nicht für medizinische Transporte geeignet sind. Von versehentlich erneut eingefrorenen Vakzinen, die dadurch unbrauchbar wurden.


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Passiert ist das alles mit der allerersten Impfstofflieferung in Bayern direkt nach den Weihnachtstagen. Weil die Zahl der Impfdosen mit 9750 für den gesamten Freistaat an diesem Tag noch extrem gering war, setzte man für den Transport in die Impfzentren noch nicht ausschließlich auf den eigens dafür engagierten privaten Transportdienstleister. Mit den bekannt peinlichen Folgen.

Auch ein Standort bei Nürnberg

Künftig wird aber ausschließlich der professionelle Transporteur Trans-o-flex eingesetzt werden. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Weinheim bei Heidelberg ist mit seinem Tochterunternehmen Trans-o-flex ThermoMed auf Transporte im Temperaturbereich von zwei bis acht Grad spezialisiert.

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Es transportiert regelmäßig temperaturanfällige Arzneimittel wie auch Grippe- und andere Impfstoffe an Apotheken, Krankenhäuser oder den Pharmagroßhandel. ThermoMed hat deutschlandweit 38 Standorte, in Bayern etwa in Bayreuth, Würzburg und in Schwarzenbruck (Landkreis Nürnberger Land).

Weil schon die Transporträume der Fahrzeuge aktiv auf zwei bis acht Grad gekühlt werden, sind in diesem Fall keine aktiv kühlenden Boxen nötig. Passive Boxen, die eine Zeit lang die Temperatur halten können, genügen völlig für die Lagerung im Fahrzeug und den kurzen Transport vom Fahrzeug zu den Kühlschränken der Impfzentren. Deshalb werden einfache Styroporboxen benutzt.


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Etwa eine Stunde vor der Abholzeit werden die vorgesehenen Fläschchen aus dem Ultratiefkühlschrank im Verteilzentrum genommen. Pro Impfzentrum werden die Fläschchen einzeln in die Fächer einfacher Kryoboxen sortiert und dann in einer Transport-Styroporbox an Trans-o-flex übergeben.

Verteilzentrum für Impfstoff in Erlangen

"Bisher hat alles sehr gut funktioniert. Trans-o-flex war jedes Mal rechtzeitig vor Ort und die Mitarbeiter wussten, was sie zu tun hatten", teilt das Universitätsklinikum Erlangen mit. Dort befindet sich eines der bayerischen Verteilzentren für den Biontech/Pfizer-Impfstoff.

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Trans-o-flex hat vom Freistaat den Auftrag bekommen, Covid-19-Impfstoffe ab Dezember 2020 von zentralen Lagerstätten an rund 100 Stellen in Bayern zu transportieren, insbesondere an regionale Impfzentren (die vom Bund organisierte Anlieferung zu den zentralen Lagerstätten übernimmt das Unternehmen Frigo-Trans). Der Auftrag umfasst Entgegennahme, Lagerung, Kommissionierung und Transport nicht nur des Impfstoffs von Biontech/Pfizer, sondern auch von Moderna und AstraZeneca.

Die Auftragserteilung durch den Freistaat erfolgte durch mehrere Vergabeverfahren. "Durch die Dringlichkeit bedingt in Form einer Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb mit verkürzter Frist bei Angebotsaufforderung an nur ausgewählte potentielle Auftragnehmer", wie ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums betont. Alleiniges Zuschlagskriterium waren die Kosten – bei zuverlässiger Erfüllung aller geforderten Leistungen natürlich.

Temperaturverlauf wird aufgezeichnet

Während des Transports, aber auch bei Zwischenlagerung und Umschlag muss die für den jeweiligen Impfstoff vorgeschriebene Temperatur gewährleistet sein. "Der Temperaturverlauf muss elektronisch aufgezeichnet und manipulationssicher dokumentiert und gespeichert werden", sagt der Ministeriumssprecher.

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Welche Standorte für die Impfstoff-Transporte relevant sind, gibt das Ministerium aus Sicherheitsgründen nicht preis, teilt aber mit: "An der Logistik sind mehrere Standorte der Firma Trans-o-Flex sowie gegebenenfalls Partnerunternehmen wie zum Beispiel die Firma Loxxess Pharma GmbH beteiligt."

Die Kurierfahrzeuge werden von Polizeistreifen begleitet. "In die polizeiliche Gesamtbetrachtung werden regelmäßig alle relevanten Infrastrukturen mit einbezogen, also beispielsweise auch Unternehmensstandorte", betont ein Sprecher des Bayerischen Innenministeriums. Derzeit sei nicht vorgesehen, die polizeilichen Maßnahmen zu reduzieren, die die Störung der Transporte durch Impfgegner und den Diebstahl von Impfdosen verhindern sollen.

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