Mittwoch, 13.11.2019

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Nein zu Tierversuchen: Protest an der Nürnberger Lorenzkirche

Genehmigte Experimente der Paracelsus Privatuniversität stoßen auf Widerstand - 22.01.2019 15:08 Uhr

Mitglieder der Tierbefreiungsgruppe "Liberation Nürnberg" wollten mit ihrer Aktion am Montagabend Passanten zum Nachdenken über Tierversuche anregen. © privat


Ziel der Veranstaltung vor St. Lorenz war, Passanten zum Überlegen zu bringen, was Tierversuche aus der Sicht der Versuchstiere bedeuten: "Für sie sind es unnötige Qualen und der unumgehbare Tod", stellten die Teilnehmer fest. Rund 40 Frauen und Männer aus dem Großraum Nürnberg hatten sich an der Protestaktion beteiligt.

Tiere würden in Unis und Forschungseinrichtungen leiden und sterben, so das Argument der Aktivisten, obwohl die Versuche "als experimentelle Methode vollkommen ungeeignet und ethisch nicht vertretbar sind". Die angebliche Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen biete eine falsche Sicherheit und keine aussagekräftigen Ergebnisse für die Wirkung jeglicher Substanzen auf den Menschen. 

"Substanzen, welche für bestimmte Tierarten als ungefährlich und sicher eingestuft werden, können bei anderen Missbildungen hervorrufen oder zum Tod führen", meinte ein Sprecherin von "Liberation Nürnberg". Die Gruppe ist nach eigenen Angaben eine "Graswurzel-Initiative innerhalb der Tierbefreiungsbewegung", die sich das Ziel gesetzt hat, die Öffentlichkeit über Ausbeutung und Misshandlung von Tieren aufzuklären. 

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Gegen Tierversuche: Demonstranten organisieren Flashmob vor Nordklinikum

Tierversuche in Nürnberg? Die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern hat am Samstag mit einem Flashmob vor dem Nordklinikum dagegen protestiert. Die dort ansässige Paracelsus Medizinische Privatuniversität hatte vor kurzem einen entsprechenden Antrage eingereicht.


Regierung erlaubt Experimente mit bis zu 40 Ratten

Die für Tierversuchsgenehmigungen zuständige Regierung von Unterfranken hatte der Paracelsus Universität vor drei Wochen die Erlaubnis zu einer Versuchsreihe erteilt. Dabei soll untersucht werden, ob Vitamin K2 vor bestimmten gefährlichen Gefäßveränderungen schützen kann, die durch Diabetes verursacht sind. Die Regierung hat hierzu Experimente mit bis zu 40 Ratten erlaubt, die bis Ende 2023 befristet sind. 

Die Stadtratsfraktion der Grünen lehnt Tierversuche am Nordklinikum rundwegs ab: "Wir bedauern sehr, dass die extrem umstrittenen Tierversuche von der Regierung von Unterfranken genehmigt worden sind", erklärt die Stadträtin Monika Krannich-Pöhler, "leider war dies zu erwarten, weil die zuständige Behörde in Deutschland lediglich eine Plausibilitätskontrolle vornehmen darf, und damit so gut wie jedes Experiment genehmigen muss."


Im Jahr 2018: Rund 2,8 Millionen Tiere für Tierversuche verwendet.


Grünen-Stadträtin Andrea Friedel hält die Experimente nicht nur aus ethischen, sondern auch aus wissenschaftlichen Gründen für nicht vertretbar und nicht mehr zeitgemäß. Es gebe genügend Alternativen, die meist sogar mit weniger Kosten verbunden und bedeutend zuverlässiger als Tierversuche seien. Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass die Übertragbarkeit von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen bei unter einem Prozent liege. Tierversuchsfreie Methoden mit menschlichen Zellen und der Unterstützung von Computerprogrammen würden dagegen genauere Ergebnisse liefern.

Mehr Transparenz erwartet

Die Aktionsgruppe "Tierrechte Bayern", die in der Vergangenheit zu mehreren Protestkundgebungen gegen die geplanten Tierversuche in Nürnberg aufgerufen hatte, schickt einen Brief mit 19 Fragen an die Paracelsus Privatuniversität. Die Absender wollen unter anderem wissen, warum die Einrichtung von ihrem ursprünglichen Plan, an Sehnen und Knorpeln zu forschen, abgerückt ist und nun Experimente zu Diabetes plant.

Außerdem wird nach dem Beginn der Tests, der Zahl und Herkunft der Testtiere und dem Ablauf der Versuche gefragt. Weiter möchte die Gruppe "Tierrechte Bayern" wissen, ob auch Studenten an den Experimenten beteiligt sind und welchen Fachnachweis die Forscher erbringen müssen. Auch nach der Einsehbarkeit der Ergebnisse und einer möglichen Ausweitung der Tests erkundigen sich die Briefschreiber. Von der Beantwortung des Fragenkatalogs erhofft man sich etwas mehr Transparenz.

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