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Neuer Kompromiss: So soll die Trasse durch Franken laufen

Schlagader könnte quer durch Nürnberger Land und Neumarkt verlaufen - 25.06.2015 06:00 Uhr

CSU-Chef Horst Seehofer wollte eine oder beide geplanten Stromtrassen verhindern. Nun versucht SPD-Chef Gabriel, Fakten zu schaffen - mit beiden Trassen. © dpa


Nach Informationen der Nürnberger Nachrichten gehen die Pläne von Wirtschaftsminister Gabriel weiter als bisher vorgestellt. Ob Ministerpräsident Horst Seehofer in diese Pläne eingeweiht war, bleibt fraglich.

Die Süd-Ost-Passage soll nach Überlegungen Sigmar Gabriels auf bestehende Leitungen aufgehängt werden. Als wahrscheinlichste Option gilt dabei der Ostbayernring, eine Leitung, die ohnehin aufgerüstet werden soll, wie die Nürnberger Nachrichten erfahren haben.

Die "Schlagader der Energiewende"

Diese Trasse führt demnach von Redwitz in Oberfranken in einem Bogen bis in die Nähe von Marktredwitz und dann über Weiden nach Schwandorf. Von dort soll eine bestehende 220 kV-Leitung genutzt werden, sie führt entlang der Netzverknüpfungspunkte Schwandorf, Ludersheim (bei Altdorf) und Sittling (Landkreis Kelheim).

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Der Netzbetreiber Amprion plant eine rund 450 Kilometer lange Hochspannungsleitung von Sachsen-Anhalt bis ins schwäbische Meitingen. Ursprünglich verlief der bevorzugte Trassenkorridor quer durch Ober- und Mittelfranken sowie durch die Oberpfalz. Im Juni 2015 präsentierte Wirtschaftsminister Gabriel einen neuen Verlauf.


Damit verläuft sie quer durch die Landkreise Nürnberger Land und Neumarkt. Der Abschnitt ab Sittling bis Gundremmingen wird als Erdkabel ausgebaut. Die zweite nach Bayern führende Gleichstromtrasse SuedLink, oft auch "Schlagader der Energiewende" genannt, wird demnach in Hessen gesplittet. Eine Verzweigung läuft nach Grafenrheinfeld, die andere über Hessen nach Großgartach in Baden-Württemberg.

So soll die Stromtrasse nach den Plänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel verlaufen. © NN-Grafik


Die komplette Karte mit dem Verlauf der Stromtrasse finden Sie hier.

Seehofer war wohl nicht eingeweiht

Gleichzeitig sollen die geplanten 380-kV-Leitungen Mecklar - Grafenrheinfeld und Schalkau - Grafenrheinfeld entfallen. Das Gaskraftwerk Irsching bleibt, wie von der bayerischen Staatsregierung immer wieder gefordert, den Plänen zufolge in Betrieb.

Nach Informationen der Nürnberger Nachrichten kannte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Pläne Gabriels bereits seit einem halben Jahr. Ein Sprecher der Staatskanzlei dementierte allerdings auf Nachfrage, dass Seehofer über alle Pläne informiert gewesen sei.Das sei ein weitgehendes Angebot an die bayerische Staatsregierung, die damit den Widerstand der Bürger eliminieren könne, meinte der Bundeswirtschaftsminister. Gabriel gab sich zuversichtlich, dass bei der nächsten Koalitions-Spitzenrunde am kommenden Mittwoch eine Einigung möglich sei: "Ich bin sicher, dass wir das am 1. Juli in der Beratung der Koalition hinkriegen werden."

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Entscheidung im Paket

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer reagierte in München höflich zurückhaltend: "Wir haben noch Einiges zu leisten." Die Koalition sei auf einem guten Weg, sagte der CSU-Chef. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner wertete Gabriels Angebot als "ersten Verhandlungserfolg". Weder Aigner noch Seehofer wollen vorschnell einer Einigung in einem Einzelpunkt zustimmen: "Für uns bleibt es dabei, dass alles in einem Paket entschieden werden muss", sagte Aigner.

Seehofer wollte eine oder beide Leitungen verhindern. Er hatte dafür die Formel "Zwei minus X" verwendet. "Was unseren bayerischen Interessen nicht entspricht, werden wir nicht unterschreiben", sagte Seehofer. "Dann müssen wir uns halt nochmal treffen."

Hauptstreitthema ist neben dem Plan für zwei neue Höchstspannungstrassen die CSU-Forderung nach Subventionen für neue Gaskraftwerke in Bayern. Seehofer betonte, dass "alles mit allem" zusammenhänge: Die "Trassenfrage, die Kraftwerksfrage, die Klimaschutzfrage, die Castorfrage und die Endlagerfrage".

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Arno Stoffels und Franziska Holzschuh, dpa

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