Neuer Primark in Ingolstadt mit Farbbomben beworfen

1.9.2018, 06:39 Uhr
360 Stores betreibt Primark weltweit, 27 davon in Deutschland - einer von ihnen steht im oberbayerischen Ingolstadt. (Symbolbild)

360 Stores betreibt Primark weltweit, 27 davon in Deutschland - einer von ihnen steht im oberbayerischen Ingolstadt. (Symbolbild) © Arno Burgi/dpa

Ist Primark ein ganz normaler Kleidungsladen, einer, der besonders günstig Klamotten anbietet - oder macht sich das Unternehmen mit seiner Dumping-Strategie am Leid in der dritten Welt mitschuldig? Seit Wochen ist darum auch in Franken eine hitzige Diskussion entbrannt. Der Grund: In Ingolstadt, gut 90 Kilometer von Nürnberg entfernt, eröffnete am Donnerstag die zweite Filiale der Kette in Bayern. 

Jetzt wurde der neue Primark dort mit Farbbomben beworfen. Das bestätigte das Polizei-Präsidium Oberbayern Nord. Wohl zwischen 2.45 Uhr und 5.30 Uhr am Donnerstagmorgen - also wenige Stunden vor der Eröffnung - färbten bislang Unbekannte die Fassade in der Ludwigstraße Rot ein, schmissen Luftballons auf das Gebäude. Auch das Schaufenster wurde beschmutzt. Der Schaden, schätzt die Polizei, liegt bei etwa 250 Euro. Umliegende Geschäfte seien nicht beworfen worden, deshalb gehen die Ermittler von einer gezielten Attacke auf Primark aus. 

"Wollen Klamotten, die fair und sozial produziert sind"

Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, versammelten sich am frühen Morgen vor der Eröffnung 20 Gegner in der Ingolstädter Innenstadt. Sie echauffierten sich besonders über die Bedingungen, unter denen der Klamotten-Discounter produziert. In Bangladesch stürzte etwa 2013 eine Textilfabrik ein, 1135 Menschen starben - auch dort hatte Primark produziert. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, sagen Kritiker. "Wir wollen Klamotten, die fair und sozial produziert worden sind", zitiert die Augsburger Allgemeine etwa die Linken-Politikerin Eva Bulling-Schröter. Auch sie nahm am Protest vor der neuen Ingolstädter Filiale teil. 

Auch in Nürnberg gibt es Protest. "Zu Primark in Nürnberg sage ich ganz klar: Nein!", sagte etwa eine Passantin, die nordbayern.de bei einer Umfrage in der Innenstadt traf. "Mir ist bei Kleidung wichtig, dass sie gute Qualität hat und auch, dass sie nicht unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Ich möchte nachvollziehen können, was ich kaufe, und auch länger etwas davon haben."

Doch der Hype um Primark kennt keine Grenzen. Auf den Facebook-Seiten von nordbayern.de kommentierten Tausende die Ankündigung, dass in Bayern eine zweite Filiale öffnet - der Großteil davon reagierte mit Vorfreude. Fast 20.000 Menschen forderten zeitweise auf einer anderen Facebook-Seite, dass der Textil-Discounter doch nach Nürnberg kommen müsse. Gerüchte gibt es immer wieder.

Zuletzt erklärte Wirtschaftsreferent Michael Fraas gegenüber der Nürnberger Zeitung: "Ich weiß aus dem Markt, dass Primark sich in Nürnberg immer mal wieder umsieht". Von konkreten Plänen wisse der CSU-Politiker jedoch nichts. "Gleich, ob man ein Unternehmen, sein Konzept und seine Produkte mag oder nicht - solange sich das Unternehmen an Recht und Gesetz hält, kann es auch in Nürnberg eine Filiale eröffnen."

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