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Neuer Wurf: Wolfspaar in Franken hat erneut vier Junge

Das Revier im Veldensteiner Forst hat sich gut etabliert - 21.09.2019 05:52 Uhr

Die Experten sind sich sicher: Hier spielen die vier Jungwölfe aus dem zweiten Wurf des Veldensteiner Rudels miteinander. Doch was wurde aus ihren älteren "Geschwistern"? © Bayerisches Landesamt für Umwelt


Die Zahl "Vier" scheint ihnen zuzusagen: Wie letzte Woche bekanntwurde, hat das Wolfspärchen, das im Veldensteiner Forst standorttreu geworden ist, erneut vier Jungwölfe in die Welt gesetzt. Es ist das erste Mal in Bayern, dass bei einem standorttreuen Rudel innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal Nachwuchs nachgewiesen werden kann. Das Foto, das einer Wildtierkamera der Bayerischen Staatsforsten, die im Veldensteiner Forst zuständig sind, entstammt, zeigt klar erkennbar vier Jungtiere.

Was macht das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), das im Freistaat zuständig für das Wolfsmanagement ist, so sicher, dass es sich um vier Tiere aus einem neuen Wurf handelt? "Experten der DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf) konnten anhand von Videoaufnahmen eindeutig Jungtiere aus diesem Jahr identifizieren", erklärt eine Sprecherin auf NZ-Nachfrage. Da Wölfe sehr territorial geprägt agieren und ihre Reviere strikt verteidigen, kommt auch ein weiteren Wolfspärchen als "Eltern" im Veldensteiner Forst nicht infrage.

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Dennoch könnte es sein, dass die Geburt des neuen Wurfes einem älteren Geschwister aus dem ersten Wurf der Veldensteiner Wölfe zum Verhängnis geworden ist. Sehr wahrscheinlich bedeutet nämlich die Geburt der vier Jungtiere in diesem Jahr, dass die bereits 2018 geborenen Tiere, die mittlerweile als "adult" klassifiziert werden, nach und nach aus dem Revier weichen müssen.

Bisher behütetes Leben als Erklärung?

Es ist deswegen nicht auszuschließen, dass das südlich von Pegnitz am 11. September überfahrene, weibliche Tier aus dem ersten Wurf des Veldensteiner Rudels stammt. Die Nähe des Unfallortes zu dessen Revier macht diese Annahme sogar wahrscheinlich. Ein bisher behütetes Leben im Forst fernab der Straßen könnte eine Erklärung dafür liefern, warum die Wölfin mit der Situation eines schnell herannahenden Autos überfordert war und verunglückte. Eindeutige Klarheit über die Abstammung des Tieres kann aber ausschließlich ein Gentest erbringen, der derzeit auf den Weg gebracht ist.

Dass einge Wölfe aus dem ersten Wurf des Veldensteiner Forstes bereits ihrer Natur entsprechend auf Wanderschaft sind, belegt der Rüde GW1185m, der Anfang dieses Jahres im Landkreis Neustadt/Waldnaab genetisch nachgewiesen wurde. Im selben Bereich häufen sich derzeit Fotoaufnahmen. Deren Qualität ist allerdings nicht gut genug, um als harte Fakten Eingang in des Wolfsmonitoring des LfU zu finden und zu belegen, ob der Rüde hier mittlerweile standorttreu geworden ist. Das LfU erklärt: "Anhand der Bilder aus Wildkameras/ Fotofallen können Individuen nicht bestimmt werden, genetisches Material für weitergehende Untersuchungen liegt uns nicht vor. Ob es sich um GW1185m handelt, ist dementsprechend bislang nicht feststellbar."

Es handelt sich um eine zugewanderte Wölfin

Ebenso verhält es sich mit den neuen Sichtungen am Truppenübungsplatz Hohenfels, der ja bereits einmal vorübergehend "bewohnt" war. Hier liegt dem LfU lediglich ein neuer Fotofallennachweis aus dem Mai 2019 vor, der aber nicht zur Identifikation eines Wolfes ausreichend sei.

Die Richtigkeit des Beharrens auf gesicherten Fakten anhand von Genanalysen, die das LfU verfolgt, belegt der Fall der im März bei Erlangen überfahrenen Wölfin. Auch hier lag die Vermutung nahe, dass es sich um eine Wölfin aus dem ersten Wurf des Veldensteiner Forstes handeln könnte. Tatsächlich ergaben aber Genanalysen im Juni, dass das Tier eindeutig aus der zentraleuropäischen Flachlandpopulation (ZFP) stammt. Es handelte sich also um eine zugewanderte Wölfin, von deren Eltern ebenfalls keine genetischen Daten hinterlegt sind, was eine eindeutige Abstammungslinie zu einem Rudel unmöglich macht.

"Wir kommen kaum noch hinterher"

Auch ein Bezug zu der Wölfin GW1069f, deren Standorttreue in der Rhön im Frühjahr festgestellt wurde und die ebenfalls aus Brandenburg stammt, ist somit nicht möglich. Letzteres Tier wurde laut LfU übrigens bisher ausschließlich in der Rhön genetisch nachgewiesen. Das wiederum macht es sehr wahrscheinlich , dass es sich bei einem – etwas weiter südlich – im Kreis Bad Kissingen seit März viermal fotografierten Wolf um ein bislang unbekanntes Tier handelt. Führt die Spur eines Wolfes aus dem ersten Veldensteiner Wurf etwa hierher? Noch wissen wir es nicht.

Das LfU erklärt, derzeit nicht mehr jeden einzelnen Wolfsnachweis zeitnah publik zu machen, da die Nachweise Bayernweit sehr stark zugenommen haben: "Wir kommen kaum noch hinterher", so die Sprecherin. Besonderes Augenmerk richte man deswegen derzeit auf genetische Erstnachweise von Wölfen und der Feststellung der Standorttreue durch wiederholte Nachweise.

Sebastian Linstädt

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