14°

Donnerstag, 04.06.2020

|

Alexander Hußl aus Freystadt misst Fieber in Australien

16000 Kilometer von der Heimat arbeitet er auf einer Solarfarm und möchte trotz Corona bleiben - 07.05.2020 11:38 Uhr

Alexander Hußl arbeitet seit sieben Monaten in Australien. Zur Zeit hilft er beim Bau einer Solarfarm; mit der Maschine einer unterfränkischen Firma rammt er tausende Pfähle in den Boden. Die Corona–Pandemie bestimmt aber auch seinen Alltag auf dem fünften Kontinent. © Foto: Günter Distler


  Der Freystädter ist vor sieben Monaten mit einem "Work & Holiday Visa" nach Australien gekommen. Rund 16 000 Kilometer liegen momentan zwischen ihm und seiner Heimat – dank der Sozialen Medien ist ein lockerer Plausch mit ihm dennoch kein Problem.

"Derzeit bin ich hier auf einer Solarfarm 350 Kilometer westlich von Sydney", erzählt Hußl. "Wir bauen die Tische, worauf dann die Solarpaneele montiert werden." Der frühere Bauleiter bei Mickan arbeitet jetzt in einem Team, das für das "Piling" zuständig ist: "Wir rammen die ,Piles‘, also die Pfähle, in den Boden. Mit einer Maschine, die man auch auf der Autobahn für die Montage der Mittelleitplanken benutzt."

Die Solarparks im sonnigen Australien sind weit größer als die in Deutschland. "Dieser hier hat jetzt 250 Megawatt", sagt Alexander Hußl. "Dafür benötigen wir in etwa 33 000 von diesen Pfählen. Zuvor war ich auf der größten Solarfarm in Australien. Da waren wir mit sechs bis acht Maschinen rund vier Monate lang beschäftigt."

Der Freystädter hatte sich um das temporäre Arbeits-Visum beworben, um sein Englisch zu verbessern. "Und natürlich weil man hier viel besser verdient." Von den schweren Buschbränden, die den Fünften Kontinent noch bis März heimgesucht hatten, habe er persönlich nichts mitbekommen. "Zu dieser Zeit war ich mehr im Outback."

 

Doch der Coronakrise entkommt er freilich nicht. "Ich würde mal sagen, dass es hier damit ähnlich ist wie in Deutschland." Nimmt man die offiziellen Zahlen, steht Australien sogar gut da: In "Down Under" wurden bislang knapp 6900 Infizierte gemeldet und nur 97 verstorbene Covid-19-Patienten. Bei insgesamt 25 Millionen Australiern.

"Wo ich zu Beginn des Ausbruchs war, der Ort heißt Swan Hill, waren es anfangs nur eine Hand voll Fälle", berichtet Hußl. "Die meisten Infektionen gibt es natürlich in den großen Städten wie Melbourne, Sydney, Brisbane oder Perth."

Auch die Aussies treffen Gegenmaßnahmen: "Außer Supermärkten und Baumärkten ist hier alles geschlossen, sprich Pubs, Restaurants, Einzelhandel. Im Supermarkt muss ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden und am Eingang steht ein Mitarbeiter, der Desinfektionsmittel jedem gibt, der reinkommt. Die Leute halten sich schon an die Vorgaben, ansonsten riskieren sie hohe Strafen."

Alkoholtest vor Arbeitsbeginn

Mit den Einschränkungen kommt Alexander Hußl aber eigentlich ganz gut zurecht. "Ich würde gerne wieder ins Fitnessstudio gehen, aber die sind auch bei uns alle zu."

Mund-Nasen-Schutz ist auch in Australien ein großes Thema. "Wir müssen immer, wenn wir auf die Baustelle fahren, einen Mundschutz tragen. Und uns wird auch Fieber gemessen. Mit einem Infrarot-Gerät an der Stirn." Mehr als 37,5 Grad Körpertemperatur sollte ein Arbeiter nicht haben. Für Alexander Hußl bisher kein Problem: "Ich bin kerngesund, alles bestens."

Danach wird sogar noch Alkohol gemessen. Mit einem Gerät, in das man hinein spricht, bis zehn zählt. "Hier werden auch gelegentlich Drogentests gemacht, immer dann, wenn wir ein neues Projekt starten."

Die Grenzen sind dicht

Inzwischen hat Australien seine Grenzen dicht gemacht und Touristen gebeten, schnellstens auszureisen. Das Auswärtige Amt rät auch Inhabern von Working-Holiday-Visa, die sich für die nächsten sechs Monate nicht finanziell selbst versorgen können, Vorkehrungen zu treffen, das Land zu verlassen.

Alexander Hußl fühlt sich derzeit auf der sicheren Seite: "Da ich genug angespart habe, könnte ich über ein Jahr auskommen, ohne arbeiten zu müssen." Zwei Jahre würde er gerne noch bleiben. Weil ihm das Land gefällt und auch der Job Spaß macht: "Ich bin meinem Arbeitgeber dankbar dafür, besonders in diesen Zeiten."

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Freystadt