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Montag, 25.05.2020

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Angespannte Lage bei Sport-Anbietern im Kreis Neumarkt

Geschlossene Betriebe vom Golfplatz über die Tennishalle bis zum Fitnessstudio - 07.04.2020 09:17 Uhr

Abschläge am Golfplatz sind derzeit strikt untersagt. Die Betreiber der größten Anlage in der Oberpfalz verzeichnen deshalb schon jetzt finanzielle Einbußen. © Foto: Ralf Rödel


Dass das Argument mit der frischen Luft und einer weitläufigen Anlage nicht zählen würde, ahnte Angelika Eckardt bereits, als vor drei Wochen die ersten Verfügungen der bayerischen Staatsregierung zur Eindämmung des Coronavirus präsentiert wurden. Nachdem zuvor reihenweise einzelne Großveranstaltungen abgesagt wurden und Sportverbände den Wettkampfbetrieb einstellten, mussten nun sämtliche Freizeit-einrichtungen schließen. Darunter fielen freilich auch die Golfplätze. "Kleinere Vereine haben anfangs wohl noch auf eine Ausnahme gehofft, aber bei einer Anlage mit unserer Größe war die Sache klar", erklärt Eckardt, die als Geschäftsführerin der Velburger Jura Golf Park GmbH fungiert.

Der organisatorische Zusammenschluss von drei Spielstätten mit 45 Bahnen rühmt sich mit dem Status des größten Anbieters in ganz Nordbayern, nimmt deshalb im Vergleich zur Nachbarschaft auch eine wirtschaftliche Sonderrolle ein. Für die Nutzung der Infrastruktur entrichten zwei ansässige Clubs jährliche Spielgebühren, die dem Löwenanteil der Beiträge von rund 1500 Mitgliedern entsprechen. Zusätzliche Einnahmen spielt vor allem die touristische Ausrichtung am Standort des GC Habsberg über externe Gäste ein. Da die Hotel- und Turnierbuchungen in diesem Frühjahr jedoch komplett ausfallen und die Liste der interessierten Neumitglieder jäh abgerissen ist, sah sich Angelika Eckardt bereits zur Einführung von Kurzarbeit für die knapp zehn Angestellten gezwungen und erledigt die nötigsten Arbeiten im Büro selbst. "Wir hatten nach schneereichen Wintern in der Vergangenheit mal einen verspäteten Saisonstart, aber einen Einschnitt in der Form habe ich in über 20 Jahren nicht erlebt."

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Freilich gelte es aus Solidarität "die Füße still zu halten", genauso allerdings die finanziellen Folgen der Pause im Blick zu behalten. "Das Gras wächst trotz Corona weiter", erklärt Eckardt mit Blick auf die weiterhin anfallenden Kosten für die Platzpflege. So denn es sich anbietet, werde der beauftragte Dienstleister jetzt manche kosmetische Ausbesserungsmaßnahme vorziehen. Erfüllt sich in den kommenden Wochen der Wunsch nach einer Lockerung der Kontaktsperre, ganz im Sinne der auf der Anlage selbstständig tätigen Trainer und Gastronomiepächter, käme der Betrieb laut Eckardt wohl "mit einem blauen Auge" davon.

Beiträge dürfen einbehalten werden

Eine ebenso kämpferische wie optimistische Sicht auf die Dinge bewahrt sich Walter Otto. "Das ist nicht die erste Entbehrung, die ich aushalten muss. Die junge Generation kann aus der Situation lernen", sagt das Neumarkter Tennis-Urgestein Walter Otto. Zunächst noch musste sich der ASV-Sportwart und Trainer höchstpersönlich das "ungewohnte Gefühl" eingestehen, als er Licht und Strom der Halle am Samstag, 15. März, final ausschaltete. Gerade mit Blick auf die verspäteten Frostnächte Anfang April, endete die Winter-Saison viel zu früh. Aus der "einzigen Einnahmequelle" speise sich schließlich das Budget der gesamten Abteilung von knapp 250 Köpfen, deren weibliche Aushängeschilder in der Bayernliga aufschlagen. Für das laufende Geschäftsjahr "sollten wir schon mit einem Verlust von zehn Prozent kalkulieren", so Otto mit Blick auf eventuelle Rückerstattungen. Alternativ könnten vorausbezahlte Abos auf die nächste Hallen-Saison angeschrieben werden. "Wir fahren die Auslastung dann eben entsprechend hoch." Schon jetzt krempelt der 65-Jährige auf dem Gelände die Ärmel hoch, widmet sich der Frühjahrsinstandsetzung, für die sonst ein umfangreicher Arbeitsdienst einberufen wird, mit einer einzigen Hilfskraft.

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Ein Energiemangel unter diesen besonderen Umständen ist beim SC Oberölsbach wiederum so gut wie ausgeschlossen. Mehr als zwei Drittel der 1900 Mitglieder betätigten sich im stark gewachsenen Fitnessbereich, der sich in Kurse und Gerätetraining im hauseigenen Studio unterteilt. Diese Struktur schlägt sich dafür, zusätzlich zum Unterhalt einer Turnhalle, deren Reinigung und Brandschutz gewährleistet sein wollen, in einem für Sportvereine ungewöhnlich anspruchsvollen Haushalt nieder.

Im sonst rege besuchten Fitness-Studio des SC Oberölsbach darf momentan nicht trainiert werden. Auf Dauer geht es für den Verein ins Geld. © Foto: Ralf Rödel


Die finanzielle Belastung durch die gegenwärtige Unterbrechung stuft Christiane Rupp, zuständige Abteilungsleiterin Power-Fit und Schriftführerin im Vorstand, gleichwohl noch nicht als Bedrohung ein. Die im Februar eingezogenen Jahresbeiträge dürfen "laut Informationen vom BLSV" in jedem Fall einbehalten werden. Ob die kleine Zahl vorgemerkter Kündigungen mit Corona zusammenhängt, bleibt hypothetisch. "Beschwerden gab es noch keine. Unsere Mitglieder und auch Sponsoren sind sowieso sehr loyal", berichtet Rupp. Die bescheidende Summe von 96 Euro pro Jahr, die als Zusatzgebühr für das Fitness-Studio anfalle, sowie die fast ausschließlich im Ehrenamt erbrachten Trainerstunden kommen dem SCO zu Gute. Zur endgültigen Beruhigung der Gemüter, weiß Rupp, hilft allein ein baldiges Ende der Betriebssperre.

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