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Arwed Arndt: "Deprimierende Dramen"

Ein Jahr Corona, drei Fragen an den DEHOGA-Kreisvorsitzenden - 11.03.2021 10:11 Uhr

Herr Arndt, Was haben Sie gedacht, als vor einem Jahr, nach einem gewissen Vorlauf, der erste Coronafall im Landkreis Neumarkt bestätigt worden ist?

Arwed Arndt: Im Nachhinein muss ich gestehen, habe ich vor einem Jahr die Tragweite und auch die Folgen für unsere Gesellschaft um Dimensionen unterschätzt. Ich dachte damals, wir werden schon das Richtige tun, Schutzmaßnahmen ergreifen, und dann wird alles nicht ganz so schlimm werden. So richtig bewusst wurde mir die tatsächliche Lage erst, als in Italien die Toten mit Truppentransportern des Militärs weggebracht wurden. Diese Bilder werden wir wohl alle nicht vergessen.

Kreisvorsitzender des Verbandes: Arwed Arndt.

10.03.2021 © Foto: privat


Was war für Sie das einschneidendste Ereignis im Jahr der Pandemie im privaten Bereich?

Für mich war das der Moment, als der erste Lockdown in Kraft trat. Ganz allein durch ein leeres Hotel zu gehen und kein einziges Auto auf dem Parkplatz oder auf der Straße zu sehen, flößte mir dann doch ziemlich großen Respekt ein. Zu dieser Zeit wurde mir auch ganz deutlich bewusst, dass wir für lange Zeit keine Planungssicherheit mehr haben werden. Weder geschäftlich noch privat.

Welche Erwartungen haben Sie für das Jahr 2021?

Wie jeder Kollege hoffe ich sehr, dass wir bald wieder Gruppengeschäft, Tourismus und Veranstaltungen haben werden. Aber das ist wohl eher ein schöner Traum. In der Tat fühlt es sich diesen Winter so an, als ob unsere Hotel- und Gastronomie-Branche irgendwie verblasst und langsam aus den Köpfen der Menschen verschwindet. In diesen Tagen (nach dem 10. Februar, Anm. d. Red.) erreichen mich immer wieder verzweifelte Anrufe von Kollegen, die zwar keine Corona-Leugner sind und auch der bisherigen Politik und den meisten Maßnahmen gegenüber positiv eingestellt waren. Doch sie alle sind enttäuscht von den Beschlüssen. Da muss es definitiv intelligentere Lösungen als einen Dauer-Lockdown geben. Wir erwarten, dass das maximal Mögliche gemacht wird und aus Erfahrungen der letzten Monate gelernt wird. Der Lockdown-light hat nachweislich nichts gebracht. Jetzt mit einem Lockup-light Fehler zu wiederholen, ist weder verständlich noch verhältnismäßig. Da die Betriebe geschlossen sind und man nicht hinter die Fassaden schauen kann, merkt kaum einer, wie schlimm es jetzt wirklich ist. Aber bitte glauben Sie mir, im Verborgenen spielen sich deprimierende Dramen ab. Es ist so traurig, miterleben zu müssen, wie gestandene Wirtsleute, die ihr Herzblut in den Betrieb investiert haben, jetzt vor dem Ruin stehen. Mir wurde berichtet, dass nicht wenige ihre Altersvorsorge oder private Wertgegenstände verkaufen mussten, um jetzt das eigene Lebenswerk und nicht selten das Lebenswerk von Generationen irgendwie noch zu retten. Hierzu muss man wissen, dass ein gastronomischer Betrieb ein Hochinvestitionsgewerbe mit mühsam vielen Kleinstumsätzen ist. Die Überbrückungshilfen sind, sofern sie denn kommen, eine gute Sache. Obwohl es sich deutschlandweit um gigantische Summen handelt, können diese Gelder im Einzelfall den Finanzierungsbedarf eines Hotels oder Restaurants nicht ansatzweise bedienen. Es hilft nichts: Um überleben zu können, müssen wir einfach wieder Umsatz machen. Zu den unsäglichen Aussagen, dass wir "erst wieder im Sommer in den Biergärten sitzen" können oder "Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr nicht geben" fiele uns vieles ein, zum Beispiel, dass man sich eher um die eigenen, offensichtlichen Baustellen wie die Impfstrategie oder beschleunigte Auszahlung der Hilfsgelder kümmern sollte. Der Hotel- und Gaststättenverband hat konkrete Leitlinien vorgelegt, die eine verantwortungsvolle Wiedereröffnung des Gastgewerbes aufzeigen. Das Gastgewerbe ist kein Pandemietreiber, wir sind Teil der Lösung und nicht des Problems.

Int.: wof

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