Streit in Unterkunft

Asylbewerber zoffte sich heftig mit Hausmeister

30.7.2021, 14:15 Uhr
Das Amtsgericht Neumarkt.

Das Amtsgericht Neumarkt. © Archivfoto: Rurik Schnackig

Was sich genau am 15. April dieses Jahres in einer Asylunterkunft im südlichen Landkreis Neumarkt abgespielt hat, wissen wohl nur die drei direkt Beteiligen: Der Hausmeister, ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma und ein 34 Jahre alter Bewohner aus Sierra Leone.

Der hatte wegen Beleidigung und Bedrohung einen Strafbefehl über 70 Tagessätze zu zehn Euro erhalten, gegen den er Einspruch erhob. Richter Rainer Würth riet ihm, da er ohne Rechtsbeistand gekommen war, den Einspruch zurück zu ziehen. Denn mit einem Tagessatz von zehn Euro sei er gut bedient. Da der Afrikaner seit geraumer Zeit einer geregelten Arbeit nachgeht, hätte sich der Tagessatz im wahrscheinlichen Fall einer Verurteilung auf 40 Euro erhöht. Das Argument überzeugte.

Der selbstbewusste junge Mann bewohnte ein Einzelzimmer. Da er nach Ansicht des Unterkunftleiters mehrfach gegen die von der Bezirksregierung in Regensburg erlassenen Corona-Beschränkungen verstoßen hatte, sei ihm dieses Privileg entzogen worden. Er sollte umziehen in einen Raum mit fünf Mitbewohnern.

Abgesehen davon, was für einen Sinne es haben sollte, jemand in Corona-Zeiten in eine Sechsbett-Bude zu stecken, empfand der 34-Jährige das als Schikane. Er arbeite im Schichtbetrieb, was bekannt sei bei der Heimleitung und sei deshalb auf einen ruhigen Schlaf auch tagsüber angewiesen.

Schlechte Laune in der Fastenzeit?

Es war Ramadan, Fastenzeit für gläubige Muslime, und sicherlich kein Stimmungsaufheller. Ein Freund hatte dem 34-Jährigen Obst für die abendliche Mahlzeit angeboten. Als er die Früchte in dessen Zimmer abholte, verstieß er gegen die strengen Corona-Regeln, die innerhalb des Hauses galten. Darüber habe es keine Diskussion geben können, erklärte der Hausmeister vor Gericht. Und deshalb sei es auch zu der Strafmaßnahme gekommen.

Die wollte der Angeklagte so nicht hinnehmen. Bei dem Wortgefecht soll er üble Schimpfworte in Deutsch und Englisch gebraucht haben, wovon „Rassist“ und „Depp“ noch die gediegensten waren. Zu allem Überfluss soll er auch noch gedroht haben, den Unterkunftsleiter abzustechen. Der rief die Polizei. Die beruhigte die Lage, aber nachdem die Beamten abgezogen waren, soll der 34-Jährige mit über die Kehle gezogener Handkante angedeutet haben, was er mit seinem Widersacher und dessen Familie anzustellen gedenke.

Vor Gericht bestritt der Asylbewerber Morddrohungen und Mordgesten. Die Beschimpfungen seien lediglich eine Reaktion auf Äußerungen des Hausmeisters gewesen, der ihn beleidigt und aufgefordert habe, wieder nach Afrika zu verschwinden. Bei seiner Aussage vor der Polizei war davon allerdings nicht die Rede. Da hatte sich der Angeklagte auf die Position „ich hab doch gar nichts gesagt und gemacht“ zurück gezogen. Das war seiner Glaubwürdigkeit vor Gericht nicht zuträglich.

Aber da auch Richter Rainer Würths Lebenserfahrung ihm sagt, „von nix kommt nix“, baute er dem Westafrikaner die Brücke, einigermaßen aus dem Schlamassel raus zu kommen. Zumal er schon einmal wegen Beleidigung angezeigt worden war. Würth riet ihm dringend, künftig sein Temperament zu zügeln, das Privileg, trotz laufenden Asylverfahrens Arbeit zu haben, nicht aufs Spiel zu setzen und sich vielleicht nach einer eigenen Bleibe umzusehen.


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