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Samstag, 22.02.2020

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Aus für Klinik Parsberg wegen einer Kündigungswelle

Der Verwaltungsrat zieht wegen gesunkener Patientenzahlen und Kündigungen von Ärzten die Reißleine. - 16.01.2020 16:45 Uhr

Der stationäre Teil des Krankenhauses in Parsberg steht nun vor dem Aus.


Dies hat der Verwaltungsrat unter Leitung von Landrat Willibald Gailler bei einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch einstimmig beschlossen und gestern öffentlich bekannt gemacht.

Das am Klinikstandort Parsberg erwirtschaftete Defizit habe im letzten Jahr Hochrechnungen zufolge 1,7 Millionen Euro betragen und sei für 2020 auf 1,2 Millionen Euro prognostiziert worden, führte Klinikumsvorstand Peter Weymayr bei einer Pressekonferenz im Landratsamt aus. Dies ist jedoch laut Landrat Gailler nicht der Hauptgrund für die Entscheidung zur vorzeitigen Schließung gewesen.

Dafür wurden im Wesentlichen zwei Gründe genannt: Die Patientenzahlen seien im letzten Jahr sehr stark gesunken, von 23 Patienten im Januar 2019 auf aktuell nur noch vier Patienten. Um den stationären Betrieb in Parsberg an einem normalen Werktag aufrechtzuerhalten, seien aber 25 Mitarbeiter nötig. "Die Ärzteschaft wollte die Doppelbelastung von zwei Standorten nicht mehr mittragen", führte Klinikumsvorstand Peter Weymayr aus.

Zumal von 16 Ärzten der Medizinischen Klinik III (Allgemeine Innere Medizin und Akutgeriatrie) in den letzten Wochen sieben Ärzte gekündigt haben. "Wir wurden von der Entwicklung überrascht. Aber unter diesen Umständen ist ein weiterer stationärer Betrieb in Parsberg nicht mehr zu verantworten", sagte Weymayr, der jedoch betonte, dass die Gesundheitsversorgung im Landkreis Neumarkt gut aufgestellt und alles Notwendige am Klinikum Neumarkt vorhanden sei.

Notfallversorgung musste enden

Prof. Dr. Heinz Scholz, Ärztlicher Leiter des Klinikums, verwies auf die ab 2019 veränderten gesetzlichen Vorgaben, die eine Notfallversorgung am Krankenhaus Parsberg nicht mehr erlaubten. So fehlten hier eine Abteilung für Chirurgie, eine Intensivstation, Computertomographie, Stroke Unit und einiges mehr. Dies habe zu Einbußen bei der Belegung geführt, ergänzte Privatdozent Dr. Dr. Martin Ritt, Chefarzt der Medizinischen Klinik III. Die Kündigungen hätten das Problem verschärft. "Wir stehen in Konkurrenz zu anderen großen Kliniken, etwa in Regensburg oder Nürnberg. Ohne Mitarbeiter ist keine Betreuung in Parsberg möglich."

Weymayr verwies auf die Investitionen, die für den Ausbau des Klinikumsstandortes Neumarkt getätigt werden, um hier eine "exzellente Versorgung" zu gewährleisten. Zudem würden 90 Prozent der Patienten aus dem Parsberger Raum jetzt schon in Neumarkt versorgt. "Auch die Dietfurter Patienten gehen lieber nach Neumarkt", ergänzte Verwaltungsrätin Ilse Werner. Bei Notfällen könnten Patienten aus Parsberg in 30 Minuten nach Neumarkt oder Regensburg gebracht werden.

Zudem soll mit dem neuen Haus der Gesundheit die ambulante ärztliche Versorgung in Parsberg ausgebaut und verbessert werden. Dort sollen sich unter einem Dach Fachärzte aus den Bereichen der Inneren Medizin, der Gynäkologie, Chirurgie, Orthopädie, Urologie, Neurologie sowie der Kinder- und Augenheilkunde niederlassen. Geplant seien ferner Praxen für einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, einen Neurochirurgen und einen Hautarzt.

Säule Nummer zwei sei die psychosomatische Versorgung durch den Bezirk mit einer Psychiatrischen Institutsambulanz sowie 25 stationären Betten und einer Tagesklinik mit zehn Betten. Weiterhin könne man sich eine Tages-, Kurzzeit und Übergangspflege sowie eine Einrichtung für betreutes Wohnen vorstellen. Ergänzt werden könne das Ganze um weitere medizinnahe Angebote wie Physio-, Ergo- und Logopädiepraxen, ein Sanitätshaus und ein Café.

Das Personal im Krankenhaus Parsberg müsse keine Kündigungen fürchten, erklärte Weymayr. Aktuell gibt es am Standort Parsberg 65 aktive Arbeitsverträge. Jeder Mitarbeiter bekomme ein Angebot für den Standort Neumarkt oder eventuell auch vom Bezirk. "Keiner muss auf der Straße stehen." Zumal Ärzte und Pflegekräfte auch aus Neumarkt von sogenannten "Headhuntern" gezielt abgeworben werden. "Wir machen sowas nicht", betonte Weymayr.

CHRISTINE ANNESER

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