Dienstag, 10.12.2019

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Ausstellung im Landratsamt Neumarkt über Politikerinnen

Die Schau widmet sich den Parlamentarierinnen des Landtags - 17.11.2019 13:18 Uhr

Einige der Mitorganisatorinnen (mit rosa Namensschild-Bändern) im Plenum bei der Eröffnung der parteiübergreifenden Wanderausstellung „Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort". © Helmut Sturm


Doch die Aufregung betraf auch den Veranstaltungsort im Foyer des Landratsamtes. Dadurch ist die Ausstellung, die zeigt, wie Frauen in den zurückliegenden 100 Jahren Politik gestaltet haben, bis 21. November natürlich nur zu den gängigen Öffnungszeiten zu sehen. "Warum nicht gleich im Tresorraum einer Bank?", war deshalb eine Frage vorneweg.

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Eröffnung der parteiübergreifenden Ausstellung "Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort!"

Den Parlamentarierinnen des Landtags widmet sich eine Ausstellung im Landratsamt Neumarkt.


Dabei hatte sich das parteiübergreifende Organisatoren-Team viel Mühe gegeben, um das Thema modern zu präsentieren.

Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker sagte, dass sich in den vergangenen 100 Jahren vieles verbessert und zum Guten gewendet habe: "Das Ziel der Gleichstellung von Mann und Frau ist aber so lange nicht erreicht, als es notwendig ist, darüber zu diskutieren."

Lob für fotografierende Kreisrätin

Der zweite Redner, Landrat Willibald Gailler, geriet fast ein wenig ins Charmieren, als er die Fotografin und Kreisrätin Regina Weidinger als jene Fotografin begrüßte, "die uns Politiker immer am schönsten fotografiert".

Sein Landratsamt sei überwiegend weiblich besetzt, "auch in Führungspositionen", sagte er. Rückblickend meinte er, dass sich die Frauen ihre Rechte in den vergangenen 100 Jahren "hart erkämpft haben". In seinem Grußwort gestand er ein, dass es ohne Frauen heutzutage überhaupt nicht mehr gehen würde.

Sein folgender Satz, "dass wir den Frauen deswegen den Roten Teppich zur Beteiligung an der Politik ausrollen", führte zu einigen hochgezogenen Augenbrauen unter den anwesenden Politikerinnen, Mandatsträgerinnen und in der Frauenarbeit engagierten Damen.

Für ihr inzwischen 25 Jahre langes konsequentes Eintreten für die Gleichberechtigung zeichnete der Landrat schließlich die Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt Anita Vogl aus.

Daniela Herbrecher von der Gleichstellungsstelle im Landratsamt sprach dann das Widersprüchliche im Weiblichen an, dass das Thema nicht gerade vereinfacht: "Wir Frauen klagen über zu geringen politischen Einfluss und wählen wen – Männer."

Einmal hü, einmal hott

Sie fuhr fort, dass Frauen als warmherziger gelten würden, besser zuhören könnten, fleißiger in Schule sowie Beruf seien und somit theoretisch doch auch die besseren Chefs wären. Trotzdem sind Männer in Führungspositionen deutlich öfter zu finden – "sie sind eckiger und schneller von sich selbst überzeugt."

Bei der Partnerwahl agieren laut Herbrecher Frauen dagegen oftmals eher umgekehrt: "Sie bewundern den, der sie nach einer durchfeierten Nacht aufs Bett schmeißt und knurrt: ,So, jetzt gehörst Du der Katz‘‘ und heiraten dann doch den Beamten mit regelmäßigem Gehalt, der einfühlsam fragt, ob sie vielleicht Kopfschmerzen habe."

Die Ausstellung im Landratsamt will einerseits einen Überblick über Rolle und Stellung sowie politisches Selbstverständnis von weiblichen Landtagsabgeordneten geben.

Andererseits soll sie die Arbeit der Parlamentarierinnen und deren Anteil an der Verwirklichung der parlamentarischen Demokratie in Bayern von 1946 bis in die Gegenwart dokumentieren – und damit heutigen Generationen Vorbilder zeigen sowie Impulse für politisches Engagement geben.

Helmut Sturm

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