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Bauern protestieren mit langem Konvoi durch die Stadt gegen Ausbau der Umgehung

Rund 50 Traktoren rollten durch die Stadt - Appell an Stadträte, Ausbau nicht zuzustimmen - 17.04.2021 22:45 Uhr

Im Konvoi rollten die rund 50 Bulldogs durch die Neumarkter Peripherie, hier in der Nürnberger Straße Richtung Holzheim.

17.04.2021 © Wolfgang Fellner, NNZ


Was einem Teil der Bürger in den betroffenen Ortsteilen besonders aufstößt: Dass OB Thomas Thumann ihnen den Dialog verweigert. In einem offenen Brief hatte dieser geschrieben, dass er durchaus mit ihren Delegationen gesprochen habe. Doch das ist nicht das, was die Anwohner entlang der Umgehung als Begegnung auf Augenhöhe empfinden. Sie fühlen sich schlicht ausgegrenzt.

Protestzug durch Neumarkt

Nach einem ersten Protest vor wenigen Wochen hatten sich nun die Landwirte, Landeigner oder Pächter zu einem Protestzug durch Neumarkt formiert. Der war bei der Planung von den Behörden anscheinend bewusst aus der Stadt herausgehalten worden, "damit wir kein Verkehrshindernis darstellen und andere aufhalten", wie es ein Redner bei der Abschlusskundgebung formulierte. Die Corona-Gegner und Querdenker hatten vorher behördlich abgesegnet zweimal und am Vormittag sogar durch die Marktstraße fahren dürfen. Die Bauern kamen zum Ladenschluss.


Brückenglühen gegen den B299-Ausbau


Die Landwirte trafen sich beim Sportheim des BC Woffenbach in der Au, rollten von dort über die B299 zum Abzweig Rittershof, von dort über Bühler- und Woffenbacher Straße zur Nürnberger Straße, hinaus zum Pöllinger Kreisel, über die Umgehung zur Beckenhofer Brücke, durch Holzheim zurück zur Nürnberger Straße und über Romstöck-Ring und Freystädter Straße nach Stauf auf eine WIese zur Abschlusskundgebung.

"Wir wissen ja nicht, wem was weggenommen wird", sagte Bernhard Kopp. Er verwehrte sich gegen die von OB Thumann in einem offenen Brief behauptete Darstellung, er würde durch eine Schleife in Stauf auf die Umgehung nur 0,3 Hektar Land verlieren. "Das, was in der Schleife drin ist, ist weg, und der Brocken Land dahinter auch. Wenn ich sage, es ist ein Hektar, dann ist es auch ein Hektar", sagte er unter lautem Applaus der rund 200 Zuhörer, die sich mit Abstand und Maske rund um die Bulldogs gruppiert hatten.

Bilderstrecke zum Thema

Traktoren mit Transparenten: Demo gegen Ausbau der B299

Die Landwirte und Grundeigner protestierten erneut gegen den geplanten dreispurigen Ausbau der B299 bei Stauf und Woffenbach. Auch Bauern aus Holzheim schlossen sich an.


Die Bauern würden sich merken, wie sie behandelt werden. "Jetzt heißt es, Land her oder ihr werdet enteigent." Der Bund könne das tun für eine Bundesstraße. Aber wenn die Stadt später mal wieder Land brauche, für Gewerbe oder Wohngebiete, dann "werden wir nein sagen". Kopp: "Merkt euch das, wie ihr jetzt behandelt werdet."


Ausbau der B299: Landwirte haben Angst vor einer Autobahn


Thomas Hafner von der Staufer BI gegen den Ausbau der B299 freute sich: "Es ist schön zu sehen, wie viele es geworden sind und wie groß die Unterstützung ist." Er forderte vom Rathaus eine "sachliche Debatte ein". Die Stadtverwaltung würde "die Kunst der rhetorischen Kriegsführung gegen aufmüpfige Bürger einsetzen. Beim Thema Flugplatz-Areal sei plötzlich Bürgerbeteiligung erwünscht, beim Thema Ausbau der B299 nicht.

Er machte sich daran, in seinen Augen unwahre Behauptungen im offenen Brief des OB zu widerlegen. Der schreibe von 3,1 Kilometer Ausbaustrecke, es seien aber 4,1. Es heiße immer, der Verkehr aus der Innenstadt müsse heraus; das gehe aber, wie es in dem Gutachten heiße, nur durch den Verkehrsfluss bremsende Maßnahmen in der Innenstadt: "Aber da baut doch keiner Haltebuchten oder Hindernisse in die Dammstraße und den Kurt-Romstöck-Ring ein."

Auslastung am Ring falsch prognostiziert

Das staatliche Bauamt Regensburg räume inzwischen ein, dass der Ring die prognostizierte Auslastung bis 2035 problemlos tragen könne. Hafner forderte eine faire Diskussion, keine offenen Briefe oder Zeitungsartikel des OB. "Der OB soll aufhören, mit alternativen Fakten die Bürger zu spalten." Die Zeit zum Schreiben des Briefes hätte dieser besser in ein Gespräch mit den Ausbau-Gegner investieren sollen.

"Das unsinnigste Argument für den Ausbau ist, dass das die Innenstadt entlastet", sagte Meinrad Spinner, einst CSU-Stadtrat aus Woffenbach und immer noch hellwach in Sachen Stadtentwicklung. Er vermutet, dass die Argumentationsdecke des OB für den Ausbau langsam dünn werde. Was dieser jetzt versuche: Die Bürger der Stadt gegen die der Vororte gegeneinander auszuspielen. Die da draußen seien schuld, wenn der Verkehr im Stadtzentrum nicht weniger werde.

"OB spielt uns gegeneinander aus"

"Er spielt und gegeneinander aus", sagte Spinner unter viel Beifall. "Wenn die Anwohner der Amberger Straße etwas gegen den Verkehr hätten tun wollen, hätten sie den Standort des Schlossbades ablehnen müssen", sagte er. Damit werde der Verkehr dort noch mehr - und von denen komme keiner über die Umgehung aus dem Westen in die Stadt. Und, sagte er: "Wenn jetzt einer fragt, warum ich mit meinen 80 Jahren hier noch rede: Klar, es kann sein, dass ich den Ausbau gar nicht mehr erlebe. Aber es geht um unsere Kinder und Enkel, die sollen doch auch ein lebenswertes Neumarkt erhalten bekommen."

Jeder solle jetzt die Stadträte ansprechen, forderte Ludwig Walter: "Die haben jetzt zu entscheiden." Die Bauern könnten nicht ihr Land herschenken und es sei auch an der Zeit, mit dem Versiegeln und Straßenbauen aufzuhören. Die Stadt kaufe eh soviel Land ein, warnte er.

Appell an alle Stadträte

"Ich appelliere an alle Stadträte, die Ausbaupläne zu stoppen", sagte Grünen-Stadtrat Olaf Böttcher, Verkehrsreferent des Stadtrates. Der Landrat rühme sich einer Öko-Modellregion und in Neumarkt würden zehntausende Quadratmeter Straßen dazu gebaut. Er mache den globalen Brückenschlag: Hier würde wertvolles Ackerland mit Straßen zugebaut. Auf der anderen Seite der Erdkugel werde wertvoller Regenwald abgeholzt, um dort Futtermittel für die Viehzucht hierzulande anzubauen, die am Ende dann über diese Straßen in die Ställe rolle.

25000 Autos würden die Dammstraße passieren, sagte Böttcher. Aber es wären nur 2000, die hier nur durchfahren würden. Alles andere wäre innerstädtischer Verkehr. Diese 2000 ließen sich durch einen ausgebauten Ring auf 1000 reduzieren - dafür brauche es keinen dreispurigen Ring um die Stadt herum. Vielmehr brauche Neumarkt eine Verkehrslösung, eine Verkehrswende. Außerdem bedürfe es einer richtigen Bürgerinformation, "das habe wir Grüne gemacht und gezeigt, dass es geht, auch in Zeiten von Corona", sagte Böttcher. Die Zukunft sei nicht die lineare Fortschreibung der Vergangenheit, wie es beim Ausbau der B299 der Fall sei. Böttcher: "Wir brauchen eine gute Zukunft und keinen schlechten Ausbau der B299." Die Zuhörer applaudierten.

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