"Bedrohliche Atmosphäre": Nächtlicher Krawall in Kemnath

2.5.2021, 09:52 Uhr
Das Foto zeigt angetrunkene Jugendliche bei einer Polizeikontrolle im Kreis Hildesheim. In Kemnath hatte die abendliche Randale einer Gruppe Jugendlicher tödliche Folgen für einen Nachbarn. Er erlitt – wohl vor Aufregung – einen Herzinfarkt.

Das Foto zeigt angetrunkene Jugendliche bei einer Polizeikontrolle im Kreis Hildesheim. In Kemnath hatte die abendliche Randale einer Gruppe Jugendlicher tödliche Folgen für einen Nachbarn. Er erlitt – wohl vor Aufregung – einen Herzinfarkt. © Foto: Peter Steffen/dpa

Als die Jugendlichen ihre Feierlaune in dem Wohngebiet weiter auslebten, sei ihr Mann in den Garten gegangen und habe die Situation beobachten wollen. Seine Präsenz hinter dem hohen Gartenzaun bewirkte jedoch das Gegenteil, wie ein Nachbar von Familie Meier schildert: Die jungen Leute hätten mehrfach bei Familie Meier geklingelt, Garagentor und Zaun mit Füßen bearbeitet und dem Senior raue Worte zugerufen – "es herrschte eine bedrohliche Atmosphäre".

Kriminalpolizei befragt Zeugen

Der Nachbar alarmierte die Polizei. Noch bevor diese eintraf, hörte er die Hilferufe von Gisela Meier und eilte mit weiteren Nachbarn zu Hilfe. Die Jugendlichen verschwanden in der Dunkelheit, Gisela Meiers Mann lag am Boden seines Gartens. Vermutlich wegen der Aufregung hatte er einen Herzinfarkt erlitten. Wiederbelebungsversuche der Nachbarn blieben ohne Erfolg, der Notarzt konnte nur noch den Tod des herzkranken 77-Jährigen feststellen.


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Aus Regensburg heißt es dazu von Pressesprecher und Hauptkommissar Florian Beck: Die Kriminalpolizei habe alle Zeugen zu dem Vorfall befragt, "nach derzeitigem Ermittlungsergebnis liegt kein strafbares Verhalten vor". Ein solches läge nur vor, wenn eine körperliche oder verbale Auseinandersetzung vorangegangen wäre.

Die Ermittlungen sind damit abgeschlossen. Vor allem deshalb, weil Gisela Meier keinen Vorwurf gegen die unbekannten Jugendlichen erhoben hat. Ob sie nachträglich Anzeige erstatten wird, überlege sie noch. Bis dahin sei es ihr ein wichtiges Anliegen, die Gesellschaft aufzurütteln. Außerdem wünscht sie sich mehr Unterstützung von der Gemeinde.

Im Rathaus weiß man von den gelegentlichen Auswüchsen rund um den Freibad- und Freizeitbereich im Herzen der Marktgemeinde. Jüngst bekam der Spielplatz des Waldkindergartens am Schauerholz den Lockdown-Frust einiger Vandalen zu spüren. Schadenshöhe: mehrere tausend Euro.

Von einem "Brennpunkt" will Bürgermeister Horst Kratzer aber nicht sprechen. Die Ereignisse von vergangenem Mittwoch bezeichnet er als "tragischen Einzelfall" und versichert: "Wir arbeiten daran, die Situation zu verbessern."

Am heutigen Donnerstag will der Bürgermeister Gespräche mit Polizei und Streetworker führen. Horst Kratzer, der selbst 30 Jahre Polizist war, will dabei auch das Thema Sicherheitswacht erneut aufs Tapet bringen.

Corona trifft die Jugend hart

Streetworker Frank Schmidpeter weiß, wie sehr die Corona-Krise vor allem junge Menschen trifft. "Ein Jahr ist sehr lang, wenn man ein Teenager ist", erklärt der Pädagoge. Die starken Einschränkungen, der Lockdown, Homeschooling und wenig Kontakte zu Freunden stellen eine Ausnahmesituation dar. "Da hat sich viel aufgestaut und es kann schon mal passieren, dass sie überdrehen", wirbt Schmidpeter um Verständnis für seine Schützlinge. Er betont: "Das ist freilich keine Entschuldigung für das untragbare Verhalten am vergangenen Mittwoch."

 

Von dem Vorfall habe er erst jetzt erfahren und er wolle sich nicht weiter dazu äußern, sagt Schmidpeter. Selbst wenn ein Jugendlicher sich ihm in dieser Sache anvertrauen würde, gilt für ihn die Schweigepflicht.

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