Verschwörungsmärchen

Beim Einkaufen erwischte Quarantäne-Brecher aus Neumarkt sind ein Mythos

Foto: Eduard Weigert Datum: 20.7.16..Mitarbeiterportrait..Magdalena Kayser-Meiller
Magdalena Kayser

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29.12.2021, 14:23 Uhr
Im Supermarkt soll die Durchsage erschallt sein:

Im Supermarkt soll die Durchsage erschallt sein: "Wir wissen vom Quarantäne-Brecher, bitte zur Info kommen".

"Meine Kollegin hat ihren Nachbarn im Baumarkt gesehen, von dem sie wusste, dass er unter Quarantäne steht. Deswegen ist sie zur Info gegangen und hat das gemeldet. Daraufhin haben die im Laden eine Durchsage gemacht: Man wisse von einer Person, die in Quarantäne und trotzdem im Laden ist - diese möge bitte zur Info kommen. Woraufhin acht Leute zur Info kamen. Der Nachbar war allerdings nicht dabei." So oder so ähnlich lautet die Geschichte, die seit einiger Zeit die Runde macht - auch im Neumarkter Raum.

Der Vorfall soll in einem Baumarkt in Neumarkt passiert sein. Oder in einem großen Supermarkt, in einem Möbelgeschäft oder auch im Donau-Einkaufszentrum in Regensburg. Den Quarantäne-Brecher soll ein Gesundheitsamt-Mitarbeiter, ein Polizist, eine Arzthelferin erkannt haben - es gibt viele Varianten, denen nur eins gemeinsam ist: Die Geschichte ist nicht wahr.

"Direkt und diskret"

Der Neumarkter Marktleiter einer großen Supermarktkette wurde auch schon auf die Story angesprochen. "Ich kann nur sagen: Das würden wir nie machen, eine Durchsage auf den Hinweis eines Kunden hin. Wenn wir überhaupt reagieren würden, würden wir die betreffende Person direkt und vor allem diskret ansprechen."

Bei der Polizei Neumarkt wurde noch niemand mit dieser Geschichte vorstellig. "Sie ist ein bisschen außergewöhnlich und lustig, aber dadurch wird sie nicht wahrer", sagt der stellvertretende PI-Leiter Jörg Degenkolb. Tatsächlich gebe es mitunter Hinweise auf Quarantäne-Brecher an die Polizei und ans Gesundheitsamt - aber keine, die per Durchsage in einem Einkaufsmarkt rausgegangen ist.

Harte Strafen

Wenn jemand die Quarantäne-Auflagen ignoriert, ist das keine Kleinigkeit: "Da sind harte Strafen fällig", sagt Michael Gottschalk, Sprecher des Landratsamts. Bis zu 25.000 Euro können verhängt werden "Bei solchen Ordnungswidrigkeiten wird aber immer der konkrete Fall betrachtet, also auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der betreffenden Person und die Situation, wie viele andere Personen gefährdet wurden, und weitere Aspekte." Bisher habe es im Landkreis Neumarkt einige Einzelfälle gegeben, in denen Menschen gegen die Quarantäne-Bestimmungen verstoßen haben, so Gottschalk.

Woher die Geschichte von der Durchsage beim Einkaufen stammt, ist nicht klar - sie kursiert aber wohl in ganz Deutschland. Ein Erklärungsversuch: Im April hat der Kabarettist Sebastian Pufpaff in seiner Sendung "Noch nicht Schicht" einen solchen Vorfall geschildert - offen bleibt, ob seine Erzählung so weite Kreise gezogen hat.