Berchinger Kulturfabrik und Kulturhalle: Das sind die Unterschiede

22.9.2020, 10:06 Uhr
Im Oktober ist es so weit: Die neue Kulturhalle Christoph Willibald Gluck kann eröffnet werden.

Im Oktober ist es so weit: Die neue Kulturhalle Christoph Willibald Gluck kann eröffnet werden. © KÜHNLEIN Architektur

Von außen sieht sie aus wie ein überdimensionaler Holzstadl. Von ihnen sorgen Betonwände, Edelstahl und riesige Deckenstrahler für Industrie- Feeling. "Ich vermute, dass das bewusst so gewählt wurde, um das Flair der Kulturfabrik mit in das neue Gebäude umziehen zu lassen", sagt Veronica Platzek. Sie ist im Berchinger Rathaus für das Stadtmarketing zuständig und hat in Zukunft die Verantwortung für die neue Halle. Der Architekt des Gebäudes, Michael Kühnlein sen., bestätigt die Vermutung: "Wir haben versucht, das Industrielle der Kulturfabrik mit in die Halle zu bringen und optisch alles so einfach wie möglich zu halten. Das Leben soll dann erst durch Veranstaltungen hineingebracht werden."

Die Kultur- und Veranstaltungshalle Christoph Willibald Gluck ist der Nachfolger der Kulturfabrik. Dort fanden bisher nicht nur die Theateraufführungen des Kulturfördervereins statt, sondern auch Kabarett, Konzerte und andere Veranstaltungen. Im Rest des großen Gebäudes sind außerdem eine Musikschule, Proberäume, das Berchinger Orchester und der örtliche Jugendtreff beheimatet.


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Doch damit wird in Zukunft Schluss sein, denn der Umzug in die neue Halle ist nicht möglich. Stattdessen müssen andere Orte gefunden werden. "Das heißt nicht, dass jemand auf die Straße gesetzt wird. Bis für jeden eine neue Unterkunft gefunden sein wird, kann die Kulturfabrik weiter genutzt werden", so Platzek.

Veränderte Nachtzeiten

Warum statt dem Neubau nicht einfach die bisherige Halle saniert wurde, beantwortet die Marketing-Zuständige so: "Aus mehreren Gründen waren die Veranstaltungen dort nur geduldet. Es handelt sich hier um eine rechtliche Grauzone." Mehr möchte Platzek nicht sagen.

Deswegen muss langfristig etwas Neues her. Den richtigen Ort zu finden, war nicht leicht. Es gab mehrere Möglichkeiten zur Auswahl.

Dass die Halle nun mitten in der Stadt steht, sorgt für einige Bedenken: Vor Ort gibt es beispielsweise nicht ansatzweise so viele Parkmöglichkeiten wie bei der Kulturfabrik. Wer eine Veranstaltung besuchen möchte oder bei einer Feier eingeladen ist, der muss demnächst außerhalb der Stadt parken. Auch für Anwohner könnte es den ein oder anderen Abend etwas lauter werden. Dafür wurde der Stadt vom Landratsamt extra eine Nachtzeitverschiebung auf 23 Uhr genehmigt.

"Wir müssen einfach schauen wie sich alles entwickelt; sobald dort mehrere Veranstaltungen stattgefunden haben, können wir im Zweifelsfall nachjustieren", so Veronica Platzek.


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Zwischen Kulturhalle und -fabrik gibt es einige Unterschiede. Angefangen mit den Zuschauerzahlen: In den Vorgänger passt eine Bestuhlung für 199 Menschen – das sind knapp 61 weniger als in der neuen Veranstaltungsstätte. Es gibt in der neuen Halle auch etwas mehr Platz auf der Bühne; die ist mit 65 nämlich zehn Quadratmeter größer. Kühnlein gibt zu, dass es durch den beschränkten Platz in der Altstadt zu Kompromissen kam. Der Backstage-Bereich ist beispielsweise deutlich kleiner ausgefallen. Für die Künstler bleiben im Gegensatz zur Kulturfabrik 63 Quadratmeter weniger, nämlich nur 17 Quadratmeter. Bei großen Produktionen des Schauspielensembles kann das schon mal eng werden.

Vergabe der Termine

Außerdem fehlt es an Platz für Proberäume, den Fundus, das Requisiten- Lager und die Werkstatt des Kulturfördervereins. Zwar ist nebenan ein Steinstadl, doch wer den effektiv nutzen darf, ist noch nicht geklärt.

Von den Einschränkungen für Künstler hinter der Bühne abgesehen, hat die neue Kulturhalle einige Vorteile: Es gibt eine sehr hohe Decke auch auf der Bühne, einen Lastenaufzug, Hubplätze für das Publikum damit die hinteren Reihen erhöht sind und eine Lüftungsanlage. Die Lage, die einige Nachteile mit sich bringt, ist gleichzeitig der größte Vorteil: Die neue Kulturhalle ist so zentral gelegen, dass man sich von ihr mehr Menschen und damit eine Belebung der Innenstadt erhofft.

Neben dem Kulturförderverein, der mit Kabarett, Theater, Konzerten und anderen Auftritten in die Halle einzieht, können sich auch andere Vereine einmieten. Wer zuerst einen Termin belegt, der bekommt ihn – das gilt ebenfalls für Veranstaltungen, wie Hochzeiten oder Tagungen. "Es wird aber nur ein Jahr im Voraus geplant, damit niemand sämtliche Termine der nächsten Jahre blockiert", so Platzek. Die Stadt habe bei der Terminvergabe jedoch ein Vorrecht. Außerdem müsse bei der Planung auf eine gesunde Mischung zwischen Tagungen, Hochzeiten und anderen Veranstaltungen geachtet werden, damit die Halle auch wirtschaftlich rentabel ist. "Es soll aber eine Stätte für die Berchinger Bürger werden", betont Platzek.


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Ende Oktober ist die Eröffnung der Halle geplant. Den genauen Termin möchte die Marketing-Zuständige aber noch nicht verraten: "Wir warten derzeit noch ab, wie groß die Veranstaltung werden kann und soll. Da müssen wir die Geschehnisse rund um Corona im Blick behalten." Die erste kulturelle Veranstaltung findet dann im Februar des nächsten Jahres statt. Der Kulturförderverein präsentiert am 6. Februar den Kabarettisten Hans Klaffl.

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