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Bierwächterhäuschen in Mühlhausen ist ein Schmuckstück

Einstige Ruine ist nun frisch saniert — Museum und Ausstellungen - 06.04.2019 13:01 Uhr

Das restaurierte Bierwächterhäuschen aus dem Jahr 1482 soll für Austellungen eine würdige Kulisse sein. © Foto: Anton Karg


Im Rahmen einer Feierstunde wird das Gebäude mit dem ehemaligen Benderkeller eingeweiht. "Bier war ein hohes Gut und deshalb war auch die Bewachung der Lagerstätten des edlen Gerstensafts schon Ende des 15. Jahrhunderts eine Aufgabe der Braustätten gewesen", heißt es in dem Aufsatz, der von der Gemeinde Mühlhausen in Auftrag gegeben wurde und im Flyer zu lesen ist, der bereits in der Gemeindeverwaltung und in Geschäften ausliegt.

Mit Holzkegelbahn

Diese Lagerstätte befindet sich in Mühlhausen am Fuße des 573 Meter hohen Schlüpfelbergs. Weiter zum Inhalt: "Das Haus hat eine bewegte Geschichte: neben seinem ursprünglichen Zweck wurde es später auch als Wohnung genutzt und sogar eine Holzkegelbahn war neben dem Haus, auf dem knapp 1000 Quadratmeter großen Gelände, installiert und diente dem Freizeitvergnügen der Mühlhausener in Gottes freier Natur." Gebaut wurden Haus und die Keller um das Jahr 1480, in die Ostwand ist die Jahreszahl 1482 eingemeißelt. Auch Restaurator Johann Geitner aus Velburg geht davon aus, dass es sich hier um das Baujahr handelt. Dies ist auch das überlieferte Gründungsdatum der "Wolfsteinschen Gräflichen Brauerei", die nach vielen Besitzerwechseln zur Brauerei Bender wurde und heute, von Dieter und Andre Atzler geleitet, als "Mühlhausener Brauhaus" firmiert.

In den Kellern wurde das Bier gelagert und gekühlt. Dazu dienten Eisblöcke, die zunächst aus den Weihern rund um das Haus gewonnen wurden und später, ab Mitte des 19. Jahrhunderts, auch aus dem König–Ludwig-Kanal, wenn die Temperaturen das Wasser gefrieren ließen. Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Brauerei einen stattlichen Absatz: bis hinein nach Franken erhielten fast 300 Gaststätten Bier aus Mühlhausen.

Auch danach behielten die Keller diese Nutzung bis Anfang der 1960er Jahre. Anschließend diente das eher kleine Haus noch hier und da als Wohnung. Doch seit etwa 1979 verfiel es sichtlich, niemand kümmerte sich so recht darum. Die Mühlhausener Jugend nutzte es für die eine oder andere Freiluftparty.

2013 dann brachen nach starken Regenfällen Teile der historischen "Bender Bierkeller" ein – quasi ein Wink des Himmels. Dies rief die Gemeindevertreter auf den Plan, die zeitnah eine Notsicherung für die einsturzgefährdeten Kellerbereiche veranlassten. Damit ging es darum, was insgesamt mit dem Bauwerk passieren soll.

Bürgermeister Martin Hundsdorfer machte sich für eine Sanierung stark, was aber nicht bei allen Gemeinderäten auf Gegenliebe stieß: Andere plädierten für Abbruch. Nach umfangreichen Ermittlungen wurde deutlich, dass ein Abbruch das gleiche koste wie eine Sanierung, Fördermittel einkalkuliert . So entschied sich der Rat für den Erhalt, Kosten: rund 450 000 Euro, davon trug die Gemeinde etwa 140 000 Euro.

Gewölbe ist wieder sicher

Eine große Aufgabe war es, die Gewölbe wieder in einen sicheren Zustand zu bringen. Dazu verpflichtete man Maurermeister Alois Scharpf und Sohn Andreas, die über Erfahrung als Restaurateure verfügen und sich dieser Aufgabe mit Akribie annahmen. Nun seien die Gewölbe laut dem ehemaligen Innungsobermeister Alois Scharpf wieder fest und sicher: "Wir haben alles eingerüstet und die lockeren Steine neu vermauert, so dass nun wieder eine gefahrenfreie Besichtigung möglich ist. Auch die Ablaufrinne im Keller für das Schmelzwasser der Eisblöcke wurde freigelegt."

Das Haus erstrahlt nun in neuem Glanz, Bürgermeister Hundsdorfer brachte es bei einer Besichtigung auf den Punkt: "Das ist ein klassisches Beispiel, wie man eine Ruine in ein Schmuckstück umgestalten kann. Mühlhausen verfügt nicht über viele historische Gebäude, darum ist dies nun ein echtes Zeugnis unserer Gemeinde". Zur Nutzung sagte der Rathauschef: "Es soll einen musealen Charakter erhalten, da die unmittelbare Nähe zum Friedhof die nötige Pietät erfordert. Wir wollen aber auch die Bürger in die Entscheidungsfindung einbeziehen."

VON ANTON KARG kaa/nn

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