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Bürgermeister im Landkreis Neumarkt begrüßen Bundesnotbremse

Einige Regelungen sehen die Rathauschefs aber skeptisch - 21.04.2021 10:00 Uhr

Nachts herrscht komplette Ruhe am Oberen Markt, in Bayern gibt es mit der Ausgangsbeschränkung bereits einige Erfahrung. Nun soll in ganz Deutschland die „Bundesnotbremse“ greifen, wenn der Inzidenzwert drei Tage in Folge über 100 liegt – unter anderem mit einer Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr.

20.04.2021 © Archivfoto: Wolfgang Fellner


"Im Moment blickt doch kein Mensch mehr durch", sagt Gertrud Heßlinger, zweite Bürgermeisterin der Stadt Neumarkt. Bundeseinheitliche Corona-Regeln seien richtig: "Das hätten wir deutlich früher gebraucht", etwa einen knallharten Lockdown im November, sagt Heßlinger, der die steigenden Zahlen der belegten Intensivbetten Sorge machen.

Ob es gut sei, erst ab einer Inzidenz von 165 in den Distanzunterricht zu gehen, ist in Heßlingers Augen fraglich, "gerade, wenn durch die Mutanten die Erkrankungen bei Jüngeren jetzt Fahrt aufnehmen". Freilich wünschen sich Eltern, Kinder und Lehrer Präsenzunterricht, doch in Anbetracht der Zahlen ist Heßlinger skeptisch, ob das jetzt schon richtig ist.

Ob das Gesetz mit dem Risiko für Schüler richtig umgeht, darüber möchte Horst Kratzer, Bürgermeister von Postbauer-Heng, auf der nächsten Bürgermeisterkonferenz reden. Den Wert von 165 findet er "für uns durchaus gut".

Kratzer: Vorteil überwiegt

Zur Bundesnotbremse "schlagen zwei Herzen in meiner Brust", sagt er. Bundeseinheitliches Handeln hält er für richtig, andererseits gebe es regionale Unterschiede – doch habe das Jahr der Pandemie auch gezeigt, dass sich die Unterschiede über die Zeit oft ausgleichen. "Der Vorteil überwiegt", ist Kratzer sicher.

Die im Bundestag heiß diskutierte Ausgangssperre hält er für in Ordnung – "allerdings habe ich einen Hund, dadurch tue ich mich damit leichter", sagt er lächelnd.


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Wie komplex die Lage ist, sieht er auch in der Verwaltung: Dort werden Termine vereinbart, um den Bürgern das Rathaus weiterhin zu öffnen. Aber das bedeutet für die Mitarbeiter in frequentierten Ämtern auch ein mitunter mulmiges Gefühl, wenn viele ein und aus gehen.

Während für Lebensmittelmärkte, Discounter und Co. weiter keine Einschränkungen gelten, sind für die anderen Einzelhändler strengere Auflagen dran. "Für uns in Freystadt mit einem regen Einzelhandel ist das ein Thema", sagt Bürgermeister Alexander Dorr. Mit negativem Testergebnis 24 Stunden lang einkaufen dürfen, das hält er für eine zukunftsfähige Idee. Er setzt auf die Strategie "am Marktplatz parken, sich dort testen lassen und dann einkaufen". Geplant sei, das Testen weiter zu verbessern.

Bisher sei das von den potenziellen Kunden noch nicht so rege angenommen worden, das müsse wohl erst eine neue Normalität werden. Zumal etwa Rathaus, Optiker, Apotheken und Supermärkte ohne negativen Test betreten werden dürfen.

Dorr: Handel braucht Perspektive

Er hofft, dass im neuen Gesetz die "Gratwanderung" gelingt, "vom Medizinischen her vertretbar zu handeln, aber die Wirtschaft nicht ganz an die Wand zu fahren". Denn der Einzelhandel und die Gastronomie "brauchen diese Perspektive", ist Dorr überzeugt. Letztlich gehe es da auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Dass Kompromisse nötig sind für eine deutschlandweit einheitliche Regelung, hält Michael Langner, Bürgermeister in Pyrbaum, für "legitim und richtig", vor allem eine "stärkere Einbindung der Legislative ist in unserem System der richtige Weg".


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Beim umstrittenen Vorgehen für die Schulen sieht er Für und Wider berücksichtigt. Denn eine zu starke Öffnung sei nicht ratsam, andererseits sieht er wie sein Freystädter Kollege die Gefahr, dass Kinder bei zu langem Distanzunterricht leistungsmäßig abgehängt werden oder, wie Dorr fürchtet, auch häuslichen Problemen stark ausgesetzt werden.

"Krumme" Zahl 165

Für Martin Hundsdorfer, Bürgermeister von Mühlhausen, klingt die "krumme Zahl 165 zu sehr nach Kompromiss". Auch er heißt das Handeln auf Bundesebene gut: So werde es transparenter, und das Mitredenwollen von sehr vielen reduziere sich.

Heßlinger, Kratzer, Dorr, Langner und Hundsdorfer sind sich einig darin, dass das Impfen wohl das größte "Licht im Tunnel" (Hundsdorfer) ist. Heßlinger appelliert, "sich selbst und andere zu schützen und sich impfen zu lassen und weiter aufeinander aufzupassen". Und bei Geschäften vor Ort zu kaufen und im Wirtshaus zu bestellen: "Es liegt auch in unserer Hand, dass die Läden noch da sind, wenn sie wieder öffnen können."

MAGDALENA KAYSER

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