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Sonntag, 12.07.2020

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Die Pyramiden von Sengenthal

Die drei Munitionsbunker liegen im Wald versteckt und gehören bis heute dem Bund - 09.05.2020 07:00 Uhr

Die drei Bunker liegen direkt an einem Wanderweg in einem Waldgebiet in der Gemeinde Sengenthal. © André De Geare


Die Bunker stehen in einer Reihe und sind zum Weg hin "angeschnitten"; der Zugang endet jeweils an einer vergitterten Tür mit einer deutlichen Warnung: "Betreten und Beschädigen der Anlage verboten! Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt."

Weder sind hier Keltenfürsten begraben noch ruhen hier die längst vergessenen "Pharaonen von Sengenthal". Es seien Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges, sagt Gemeindearchivar Ludwig Lang. "Soweit ich mich erinnere, stammen sie aus den 70er oder 80er Jahren. Vielleicht sind sie aber auch schon älter."

Der Warnhinweis an den Türen ist mit "Der Eigentümer" unterzeichnet. Dieser Eigentümer war und ist bis heute der Bund. Die drei unterirdischen Lagerstätten seien als externe Munitionsbunker angelegt worden, sagt Lang – für den "K-Fall". Seines Wissens sei darin aber nie Munition eingelagert worden.

Inzwischen werden die drei Bunker anderweitig genutzt. 2018 hat die Regierung der Oberpfalz die Gemeinde Sengenthal darüber informiert, dass ein privater Unternehmer die Anlage zur Lagerung von Sprengstoffen anmieten möchte. Der Kommune sollte hierzu eine Stellungnahme abgeben.

Diese fiel im Gemeinderat mehrheitlich negativ aus, weil der Brandschutz an der schwer zugänglichen Stelle im Wald nicht gewährleistet werden könne. Dennoch wurden die Bunker vermietet. Laut Bürgermeister Werner Brandenburger seien dort Feuerwerkskörper eingelagert.

Sprengkammern am Winnberg

 Gemeindearchivar Ludwig Lang weist noch auf die (inzwischen verschwundenen) Sprengkammern unter der Hangstraße von Winnberg hinunter nach Sengenthal hin. Ganz oben, an der Spitzkehre unterhalb von Winnberg, seien die Schächte eingelassen gewesen. "Von außen haben die ausgesehen wie Kanaldeckel."

Die Bunker stammen aus der Zeit der Ost-West-Konfrontation, die Warnschilder an den Türen sind hingegen neu. © Foto: André De Geare


Darunter waren aber Leerräume. Sie wären mit Sprengstoff bestückt worden, hätten sich die Bodentruppen des Warschauer Paktes genähert. Nichts Ungewöhnliches: In der ganzen BRD wurden seinerzeit Brücken, Straßen und Tunnel mit solchen Sprengkammern präpariert, um bei Bedarf den Feind auf seinem Weg nach Westen aufzuhalten.

Aber wie steht es um die drei kleinen Bunker im Forst zu Zeiten einer erhöhten Waldbrandgefahr – also heute? Droht da nicht ein verfrühtes Silvesterfeuerwerk? Ludwig Lang macht sich keine Sorgen: Wenn sie die Bundesrepublik an dieser Stelle als Munitionslager gebaut habe, dann würden sie auch externen Einwirkungen stand halten.

 

N. DAMM

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