Freitag, 04.12.2020

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Edle Kuriositäten wecken Schatzgräbergefühle

Herbstausstellung in Schloss Pilsach wartet mit neuen Ein- und Durchsichten auf — Variationen an Köpfen - 21.11.2013

Unterschiedlichste Exponate sorgen bei der Herbstausstellung im Schloss Pilsach für ein buntes glitzerndes Kunstvergnügen.Alle

20.11.2013 © Horst Linke


Dort sollte man sich die Schatzgräberei im Schloss vielleicht als Höhepunkt bis zum Schluss aufheben: die riesigen Perlen, Fabelwesen und mit Edelsteinen gefüllten Gehörne des Schmuck- und Objektdesigners Jörn-Peter Haut aus Bremen/Freiburg. Was er in den Vitrinen von Brigitte Kurzendörfer aufhäuft, kann man als üppigen Schmuck tragen oder sich als edle Kuriosität in die Wohnung legen: polierte Hörner von Büffeln oder Antilopen, gefüllt mit glitzernden Drusen und großen Preziosen, inmitten von Perlmutt. Vielleicht hat man da noch die kleinen Figürchen an silbernen Ketten übersehen, die dazwischen herumhängen und noch ein paar Rätsel mehr aufgeben.

Eine ganze Armee von Köpfen zieht die Blicke auf sich.

20.11.2013


Auch vorher gibt es diesmal genug zu sehen und zu entschlüsseln in dieser Ausstellung, die das Thema „Köpfe“ in vielen Varianten durchspielt. Köpfe schauen dich an: Die vielen gesichtslosen aus dem Atelier von Florian und Michaela Geissler. Nein, erkennbare Züge haben diese Keramikköpfe nicht, unterscheiden sich aber in Form und Farbe und entwickeln mit ihren Porzellan- und Sinter-Engoben ein variationsreiches Eigenleben: Wie Inkrustierungen legen sich die „Engoben“ über die Schädeldecken und Frontpartien, Gelb- und Grüntöne herrschen vor. Und wenn man sich gleich ein paar mehr kauft, hat man zuhause so etwas wie eine niederbayerische statt chinesische Soldatenköpfe-Armee.

Glaskunst mit Raffinesse: Schon draußen ein kleiner Vorgeschmack.

20.11.2013


Gerd Kanz hat diesmal die Pilsacher „Glas und Keramik“-Wände gestaltet: nicht mit Bildern im konventionellen Sinne, sondern mit Holzschilden, mit Temperafarben bemalt und vielfach durchfurcht. Oder mit Tafeln in reliefartigen Strukturen, die zum Teil ein bisschen an die Arbeiten des Lothar-Fischer-Schülers Klaus Hack erinnern, wenn Kanz seine arkadenartigen Strukturen bienenwabenartig übereinander schichtet. Damit schafft er immer wieder neue Durchsichten und Schattenspiele.

Das sieht dann aus wie die Salzburger Felsenreitschule, wie gestaffelte römische Aquädukte, meterhoch und in schrundigen Farben. Mindestens genauso interessant sind die vielfältigen Bezüge, die Sabine Nein aus der Erlanger Gegend mit ihren Arbeiten herstellt: Sie kombiniert Holz und Glas. Letzteres ist perfekt sandgestrahlt, geschliffen, poliert, das Holz dazu geflammt – nicht irgendwelches, sondern das der Mooreiche, das 4500 Jahre lang konserviert wurde. In diese uralte Umgebung passt Sabine Nein manchmal noch eine zerfressene keltische Scheibe ein, stellt das ganze Ensemble aus Holz, Glas und Metall dann auf eine Säule und nennt es „Puppenhaus 2013“ – nicht zum Spielen, sondern zum Schauen.

Nochmal das Thema „Kopf“: Das hat der Glaskünstler Hartmann Greb weiterentwickelt. Seinen archaisch-negroid verformten Köpfen von früher und aus pate de verre stellt er jetzt kapriziöse, merkwürdige Szenen aus dem ländlich-verwunschenen Afrika zur Seite: Männer inmitten von Blüten, am Rande von Brunnen und in quietschgrünen Hosen.

Bis 22. Dezember, dann wieder vom 11. Januar bis 22. März, Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr.

UWE MITSCHING

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