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Eichenprozessionsspinner in der Stadt Neumarkt und am Alten Kanal

Fachfirmen sind im Einsatz und vom Gesundheitsamt gibt's Tipps für den Ernstfall - 18.07.2019 18:53 Uhr

Nicht nur am Schlossweiher gegenüber der Mädchenrealschule wird aktuell vor einem Raupenbefall gewarnt. Am Ludwigskanal ist dies ebenfalls der Fall. © Foto: Hauke Höpcke


Am Alten Kanal sind seit vergangener Woche zwei Fachfirmen unterwegs. Mit Hebebühne, Industriestaubsauger und "vermummt wie Astronauten", schildert Thomas Plagemann vom Wasserwirtschaftsamt in Regensburg den Einsatz. "Sie werden wohl noch bis Ende dieser Woche brauchen", meint er.

Und der gelernte Bauingenieur ergänzt: "Da fällt uns nun auf die Füße, dass vor gut 150 Jahren, als der Kanal entstand, vorrangig Eichen gepflanzt wurden. Die sind zwar schön, aber eben vom wärmeliebenden Prozessionsspinner Jahr für Jahr stark befallen."

Schilder am Ludwigskanal zwischen Neumarkt und Berg warnen derzeit Jogger, Radfahrer und Spaziergänger. Nicht alle stören sich daran. Dr. Werner Richter, der Leiter des Gesundheitsamtes, rät jedoch: "Natürlich muss man sich als Spaziergänger nicht vollständig vermummen, aber langärmelige Kleidung hilft schon."

Die Härchen sind das Übel

Denn was den Eichenprozessionsspinner so gefährlich macht, sind dessen Härchen. Je älter die Schmetterlingsraupen werden, desto mehr davon tragen sie auf dem Rücken – bis zu gut einer halben Million sind möglich.

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Sie sind dünner als Spinnfäden, damit für das menschliche Auge unsichtbar und besitzen Widerhaken. Bereits bei leichter Berührung fallen sie von den Tieren ab und können mit dem Wind über weite Strecken transportiert werden.

Bei Luftnot bitte (Not-)Arzt kontaktieren

Ob und wie stark man allergisch auf sie reagiert, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich – und hängt auch davon ab, ob die Härchen nur die Haut berühren oder auch eingeatmet werden. "Dann kann die Bronchialschleimhaut anschwellen und es zu Luftnot kommen", so der Leiter des Gesundheitsamtes.

Dass man in diesem Fall schleunigst einen Arzt aufsuchen sollte, versteht sich von selbst. Doch, auch wenn man weniger stark reagiert, sollte man dies tun. Der Arzt wird laut Dr. Richter ein Anti-Allergikum verschreiben, dass die allergische Reaktion eindämmt.

Zu erkennen ist eine solche an "Quaddeln auf der Haut, die aussehen, als hätte man in Brennnesseln gelangt", beschreibt Werner Richter. Die Stellen röten sich und jucken extrem. Cremes und Antihistaminika (auch in Tablettenform) können die Beschwerden lindern. Auch kalt abduschen kann helfen.

Hunderte betroffene Stellen in der Stadt

Was jedoch laut dem Gesundheitsamtsleiter unbedingt vermieden werden sollte, ist das Herumrubbeln an juckenden Stellen: "Damit verteilt man die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners nur weiter auf dem Körper." Das Gute: Die Heilung kann flott gehen. Meist ist nach zwei bis vier Tagen wieder Ruhe.

Übrigens bekämpft auch die Stadt dieses Jahr schon wieder intensiv die Eichenprozessionsspinner auf ihrem Gebiet. "Es ist heuer ähnlich stark befallen wie vergangenes Jahr. Da waren es mehrere 100 Stellen", schildert der Pressesprecher der Stadt Neumarkt, Franz Janka, die Plage. Die Nester hätten dabei "Handteller- bis Rumpfgröße".

Zwei Mitarbeiter des Bauhofs sind von der Stadt zur Beseitigung der gefährlichen Raupen abgestellt. Rund 700 Arbeitsstunden haben sie allein vergangenes Jahr mit dem Absaugen zugebracht.

Allein die Befreiungsaktion am Alten Kanal im Gebiet des Wasserwirtschaftsamtes Regensburg (von Berg über Neumarkt, Sengenthal, Mühlhausen und Berching) durch die Fachfirmen wird den Freistaat Bayern als Grundeigentümer, und damit den Steuerzahler, rund 40 000 Euro kosten. 

A. HADERLEIN

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