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Elektroinnung: Mindestlohn wird weit überschritten

Obermeister: „Überall wird übertariflich bezahlt“ - 07.08.2016 10:52 Uhr

Das Elektrohandwerk wie andere Sparten der Baubranche sind zurzeit gut beschäftigt. Der Mindestlohn spielt praktisch keine Rolle. © Archivfoto: Klier


Bereits Anfang 2016 stand die Anhebung der Branchenmindestlöhne im Elektrohandwerk an. Seit 1. August gilt im Westen ein um 2,5 Prozent, im Osten ein um 5,4 Prozent höherer Mindestlohn. Im westdeutschen Elektrohandwerk steigt die Lohnuntergrenze von 10,10 auf 10,35 Euro. In Ostdeutschland (inklusive Berlin) müssen statt zuvor 9,35 Euro jetzt mindestens 9,85 Euro gezahlt werden.

„Das ist ein politischer Schachzug, da müssen Sie Frau Nahles fragen“, erklärte der Elektro-Obermeister im Landkreis Neumarkt, Gerhard Ulm, im NN-Gespräch mit Verweis auf die Bundesarbeitsministerin. Denn in Ostbayern und insbesondere im Landkreis Neumarkt sei die Frage eines Mindestlohnes in der Handwerks-Sparte schlicht „kein Thema“, versichert der Selbstständige, der auch Kreishandwerksmeister ist. Von Dumping-Praktiken, wie aus anderen Bundesländern bekannt, könne in der Region angeblich überhaupt keine Rede sein.

„Überall übertariflich“

Für besagte 10,35 Euro sei ohnehin niemand zu finden, der in der Elektrobranche ein Werkzeug in die Hand nehme. Ulm nennt ein reales Lohnniveau von 15 bis 17 Euro. Der Obermeister: „Überall wird übertariflich bezahlt.“ Für die komfortable Situation der nicht selbstständig Beschäftigten sieht der Kreishandwerksmeister zwei Hauptgründe:

Viele Betriebe leiden nach wie vor unter einem starken Fachkräftemangel. Wer qualifiziertes Personal anwerben möchte, der sollte sich tunlichst beim Lohn nicht knausrig zeigen. Steht ein guter Mitarbeiter auf der Liste, dann möchten ihn die allermeisten Unternehmer auch in der Belegschaft halten — gerne auch um den Preis einer satten Bezahlung.

Ein ordentlicher Lohn, ein ansehnliches Gehalt fällt den Betrieben auch deshalb leicht, weil die Auftragslage vorsichtig ausgedrückt gut ist. Darauf wies auch Gerhard Ulm hin. Die Niedrigzinspolitik der EZB habe das Handwerk bisher regelrecht „beglückt“ — ein Umstand, der gerade im eher ländlichen Raum besonders gut wirke, weil viele ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung hätten und mit Hilfe von günstigen Krediten gerne investieren.

Die Ausgabefreude der Immobilieneigentümer werde durch die lukrativen Fördermöglichkeiten der Stadt Neumarkt und des Landkreises begünstigt. Gerhard Ulm nannte das Programm „Grüne Hausnummer“, mit dem energetische Sanierungen unterstützt würden. „Wir haben im Moment eine gute konjunkturelle Auslastung im Handwerk“, erklärte der Obermeister im NN-Gespräch.

WOLF-DIETRICH NAHR

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