Montag, 09.12.2019

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„Entwürfe bestechen durch hohe Präzision“

Vortragsreihe Architektur & Baukultur — Die Spezialität des Münchner Büros Karl + Probst ist die Vielfalt - 14.02.2014

Ludwig Karl referierte über Bauten, Brücken und Wettbewerbe im Rahmen der Vortragsreihe „Architektur und Baukultur“. © Fritz-Wolfgang Etzold


„Seine Entwürfe bestechen stets durch hohe Präzision und Perfektion.“ Immer wieder sind Johannes Berschneider die Veröffentlichungen von Ludwig Karl in der Fachpresse aufgefallen. Eine Einladung zur Vortragsreihe Architektur & Baukultur ließ folglich nicht lange auf sich warten.

Am vergangenen Mittwoch eröffnete der Münchner Architekt mit dem 77. Vortrag die diesjährige Veranstaltungsfolge und sorgte für voll besetzte Ränge im Museum für historische Maybach-Fahrzeuge.

In der Regel entwickelt ein Architekturbüro im Laufe der Jahre ein oder mehrere Spezialgebiete. „Unsere Spezialität ist, dass wir uns nicht spezialisiert haben“, fängt Ludwig Karl den Titel seines Vortrages „Weitgespannt – Bauten, Brücken, Wettbewerbe“ auf. Der Spannungsbogen seines Büros Karl + Probst, das er 1995 gemeinsam mit Markus Probst in München gegründet hat, reicht von Autobahn- und Fußgängerbrücken über Mastbauwerke für Radareinrichtungen bis hin zu Schul- und Hochschulbauten, Museen und auch Gefängnissen. Eine Spezialität pflegen die beiden vielseitigen Architekten aber dennoch: Sie beteiligen sich regelmäßig an Wettbewerben. Dahinter steht eine jahrezehntelange Erfahrung, denn direkt nach der Gründung ihres Büros haben Ludwig Karl und Markus Probst mit einer Arbeit den Grundstein gelegt, die aus einem Wettbewerbserfolg resultierte. Sie haben damals dem Theaterplatz in Chemnitz ein neues Gesicht verliehen.

Aus diesem Erfolg wurde ein System: An rund 350 Wettbewerben hat sich das Münchner Architekturbüro bis heute beteiligt, 65 Preise stehen in der Bilanz. Gibt’s denn ein Patentrezept für erfolgreiche Wettbewerbsteilnahmen? „Eigentlich nicht. Wir versuchen, die Vorstellungen und Gedanken des Bauherrn so präzise wie möglich zu erfassen, mit unseren Entwürfen abzubilden und uns dabei nicht in Nebensächlichkeiten zu verlieren“, verrät Ludwig Karl.

Sensibilität ist also gefragt, und die legen der 52-jährige Architekt und seine Kollegen auch bei vielen anderen Bauwerken an den Tag – zum Beispiel, wenn es darum geht, historische Bauwerke umzuwidmen. So geschehen mit einer alten Baumwollspinnerei in Vaduz, die seit zehn Jahren die Universität Liechtenstein beherbergt. Karl + Probst hat die Grundstrukturen beibehalten, die Aufteilung angepasst und durch einen vorgelagerten Erweiterungbau vergrößert. Dort sind Cafeteria und Bibliothek untergebracht, in dem über 100 Jahre alten Industriebau sorgen unverändert Shed-Dach, Industrieestrich und Gusseisensäulen für ein unvergleichliches Ambiente.

Bewegungsraum schaffen

Weniger mit alter Substanz, dafür aber mit vorhandenen Strukturen hatte das Büro im Frankfurter Westend zu tun. Auf dem ehemaligen Industriegelände – hier hatte einst die IG Farben produziert – sollte ein neuer Campus der Universität entstehen, kubische Formen waren Pflicht. Deshalb haben Karl + Probst die Fläche für die Wohnheime in sieben Türme unterteilt, jeweils mit Platz für rund 200 Studierende.

Die Fläche ist unterbrochen und bietet obendrein Platz für einen interkulturellen Begegnungsraum. Hier haben die Münchner drei Parabeln ineinander greifen lassen und das Gebilde mit Einschnitten für Fenster- und Türöffnungen unterbrochen. Das Ganze wirkt wie eine freistehende Skulptur mit der Grundform einer Arche. Über eine ungewöhnliche Grundform haben Ludwig Karl und sein Team auch die Gestaltung eines ungewöhnlichen Museums gelöst, denn das Römermuseum „Limeseum“ in Ruffenhofen nahe Dinkelsbühl steht als Solitär mitten in der Landschaft. Es hat die Form eines offenen Ringes, der zu einer Seite leicht spiralenförmig ansteigt und so den hügeligen Landschaftsverlauf aufnimmt. Die Fassade ist nach innen wie außen vollständig verglast und lässt den Besucher zugleich die Landschaft dieses eindrucksvollen Weltkulturerbes erleben.

Dann wären da noch die Brückenbauwerke, die auf den ersten Blick so gar nicht zu einem anspruchsvollen Solitär zu passen scheinen. Doch in Wirklichkeit ist die Nähe größer als gedacht: Auch eine Autobahnbrücke steht wie ein Solitär in der Landschaft, womöglich noch in landschaftlich sensibler Umgebung wie im Enzenstettener Moos nördlich von Füssen. Hier haben die Architekten eine Talbrücke der A7 optisch reduziert und zugleich Wartungsarbeiten vereinfacht – indem sie die Brückenlager umgedreht haben.

sha

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