Erpressung und Schläge nur in Anklageschrift

18.4.2016, 11:45 Uhr
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Vor Jugendrichter Danny Schaller war das Verfahren gelandet, weil einer der Angeklagten noch nicht volljährig ist und weil sich die angebliche Tat im Landkreis Neumarkt zugetragen haben soll.

Zur Vorgeschichte: Ein Kleinunternehmer (im Nebenjob) war mit dem Wagen seiner Frau in Frankreich wegen eines Motorschadens liegen geblieben. In seinem Hauptberuf wusste er vom einem Arbeitskollegen, dass der zuhause in der Oberpfalz im Nebenerwerb eine kleine Kfz-Werkstatt betreibt. Dem übergab er sein havariertes Fahrzeug und bat ihn, einen gebrauchten Austauschmotor einzubauen. Das wollte nicht so recht klappen und so wurde es dem Wirtschaftsingenieur nach einiger Zeit zu bunt. Er vertraute den handwerklichen Fähigkeiten seines Arbeitskollegen nicht mehr und beschloss, das Auto abzuholen, und es in einer anderen Werkstatt reparieren zu lassen. Das, nur nebenbei, ist inzwischen längst geschehen.

Was bei diesem geplanten Übergabetermin vorgefallen ist, darüber gab es mehrere Versionen. In der Anklageschrift stand, dass der Nürnberger mit seiner Frau, seinem Neffen, dem Schwiegervater und dem Bekannten in der Werkstatt aufgekreuzt sei und seine Wagen zurückgefordert habe, ohne die fällige Rechnung bezahlen zu wollen.

Darüber sei es zu einer zunächst verbalen Auseinandersetzung zwischen der Nürnberger Familie und dem Nebenerwerbs-Mechaniker, dessen Frau und dessen Sohn gekommen. Daraus habe sich eine Schlägerei entwickelt, in der die Oberpfälzer Prellungen und Schürfwunden erlitten hatten.

Der Nürnberger wies die Darstellung, er habe sich sein Auto mit Gewalt und, ohne bezahlen zu wollen, holen wollen, als absurd zurück. Der Mechaniker kenne ihn doch, wisse, dass er zahlungsfähig sei und jederzeit im Betrieb zu erreichen. Vielmehr habe er auf einer ordnungsgemäßen Rechnung bestanden, weil er die Kosten für die Reparatur über sein Kleinunternehmen von der Steuer hätte absetzen können.

Die zivilrechtlichen Fragen sind längst gelöst. Zur Klärung der strafrechtlichen Folgen des verwirrenden Falles marschierte ein Riesenaufgebot an. Auf Seiten der Angeklagten legten sich die Rechtsanwälte Christian Krauße, Tobias Rudolph, Karl Becker, Thomas Leutheuser und Jochen Horn ins Zeug, die Nebenkläger wurden vertreten von den Rechtsanwälten Anja Hollweck, Werner Mümmler und Christopher Lihl.

Letztendlich gewannen Richter Schaller und Staatsanwältin Schulla die Überzeugung, dass die Darstellung der Beschuldigten, soweit sie aussagten, die schlüssigere sei. Von den Nebenklägern hatte nur die Frau des Kfz-Mechanikers zu einer umfangreichen Aussage angesetzt, die sie dann aber wieder zurückzog. Kurz nach 18 Uhr kam dann der nicht nur für die Angeklagten erlösende Freispruch.

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