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"Es geht um Existenzen"

Über 3000 Menschen haben im Landkreis Neumarkt gegen das neue Infektionschutzgesetz unterschrieben. - 21.04.2021 19:44 Uhr

Tote Hose in der Marktstraße: Der Nachweis eines negativen Corona-Tests ist vielen Kunden zu umständlich, zeigt die Erfahrung der Geschäftsleute. Letztlich komme die Testpflicht einer indirekten Schließung des Betriebs gleich.

21.04.2021 © Günter Distler


"Uns läuft die Zeit weg", sagt Wanke. "Je länger das Ganze dauert, desto größer wird die Insolvenzgefahr für den Einzelhandel und die Gastronomie. Das bedeutet die Vernichtung von Existenzen."

Die Neumarkter Innenstadtreferentin hätte sich gewünscht, dass die Testpflicht fällt, dass es ausreicht, einen Termin zu vereinbaren für den Einkauf im Einzelhandel und den Besuch von Außengastronomie. Denn die Erfahrung habe gezeigt: die Pflicht zum Nachweis eines negativen Tests werde von den Kunden nicht akzeptiert, die Besuchsfrequenz nehme dramatisch ab. Das Geschäft werde somit unrentabel. Zusammen käme dies einer indirekten Schließung des Betriebs gleich.



Die beiden Frauen kritisieren auch, dass der Inzidenzwert als einzige Grundlage für die Maßnahmen gilt. Und nicht zuletzt wenden sie sich gegen die nächtliche Ausgangssperre. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Ansteckungsgefahr im Freien würden zu wenig berücksichtigt.

Vor allem im Sommer sei diese nicht tragbar, da Berufstätige besonders den Abend in Gesellschaft verbringen. Dies wissen beide nur zu gut aus eigener Anschauung. Schließlich ist Heike Kirsch die Wirtin des Oberen Ganskellers und Gerlinde Wanke Mitinhaberin des Gasthofs "Zum Singenthal" in Wolfstein.

Doch mit ihrer Kritik stehen sie nicht alleine. Das haben die vergangenen Tage deutlich gezeigt. Nicht nur, dass "aktives Neumarkt" ihre Argumente in einem Schreiben an die Abgeordneten aufgenommen hat, auch OB Thomas Thumann und andere Politiker haben sich hinter ihr Anliegen gestellt.

Über 3000 Menschen haben unterschrieben - nicht nur in Neumarkt

Und viele viele Bürger aus dem Landkreis. Die Listen lagen nicht nur in Neumarkt aus, sondern etwa auch in Pilsach, Lauterhofen, Freystadt, Mühlhausen, Deining, Parsberg, Berg, Lupburg und Sengenthal. Auch Privatleute sammelten Unterschriften und teilten die Listen über die sozialen Medien.

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Bundes-Notbremse: Diese Regelungen gelten ab einer 100er-Inzidenz

Die Regierung will die dritte Coronawelle mit einheitlichen Vorschriften brechen, eine entsprechende Änderung des Infektionsschutzgesetzes wurde vom Bundestag beschlossen. Bei uns erfahren Sie, welche Regelungen ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 bundesweit seit dem 24. April gelten.


Die Mehrheit im Bundestag hat dennoch dem Infektionsschutzgesetz zugestimmt. Allerdings ohne Alois Karl. "Ich habe gegen eine Reihe von Punkten des ursprünglichen Gesetzentwurfes erhebliche Bedenken gehabt", teilt der Abgeordnete nach der Bundestagsdebatte mit. Insbesondere seien die Verschärfungen bei den Schließungen im Handel viel zu gravierend.

"Das Gesetz ist wieder nur eine Flickschusterei und bietet uns keine Perspektive", sagt Wanke. "Die Leute sind müde und werden zunehmend mutlos."

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