Familienvater zweigt Firmengelder auf sein Konto ab

30.1.2018, 13:48 Uhr

Der 42 Jahre alte Familienvater stand unter Bewährung, als er 2016 Geld seines Arbeitgebers auf sein Konto umgeleitet hatte. Zwei Jahre Gefängnis drohten ihm, weil er ein Jahr zuvor des Betrugs in zehn Fällen schuldig gesprochen worden war.

Den dadurch entstandenen Schaden hat er zwar mittlerweile wieder gut gemacht, aber 2016 geriet er wieder in finanzielle Schwierigkeiten. 2005 hatte er für seine Familie ein Haus gebaut. Da er, wie sein Anwalt Christopher Lihl einräumte, immer wieder über seine Verhältnisse lebte, hätte er dringend einen Kredit gebraucht, um seine laufenden Verbindlichkeiten zu bedienen. Aber sowohl seine Hausbank als auch andere Kreditinstitute, bei denen er anklopfte, sagten unmissverständlich nein. Das lag an der Schufa-Auskunft. Dort gab noch einen Eintrag, der eigentlich längst gelöscht hätte sein sollen. Aber niemand habe ihm erklärt, dass das nicht automatisch geschehe, sondern dass man sich selbst drum kümmern und die Schufa schriftlich auffordern müsse, den Vermerk zu tilgen.

Er habe niemals die Absicht gehabt, seinem Arbeitgeber Schaden zuzufügen, beteuerte der Angeklagte, Er habe versucht, Löcher zu stopfen und dabei andere neu aufgerissen. Seine verantwortungsvolle Stellung in der Firma erlaubte es ihm, die Rechnungen für beim Kunden geleistete Arbeit mit seiner Kontonummer zu versehen. So kamen bei ihm in vier Fällen rund 10 000 Euro an. Auch diese ergaunerten Summen hat er inzwischen, sobald seine finanzielle Situation ihm das erlaubt hatte, zurückbezahlt. Das sei überhaupt von vorneherein seine Absicht gewesen, erklärte er.

Da der Techniker schon bei der polizeilichen Vernehmung den Sachverhalt rundheraus gestanden hatte, stieß Rechtsanwalt Lihl mit der Bitte um ein Rechtsgespräch auf offene Ohren. Die beiden Zeugen brauchten nicht mehr auszusagen.

"Dummheit" eingesehen

Staatsanwältin Monique Morgenstern wertete das Geständnis zu Gunsten des Angeklagten und seine glaubhafte Einsicht in die "Dummheit" seines Tuns. Zweifellos sei er damals auch in einer finanziellen Notlage gesteckt. Gegen ihn spräche freilich die einschlägige Vorstrafe und dass die Taten der Untreue in die dreijährige Bewährungsfrist gefallen waren. Trotzdem, fand sie, könne hier nochmals mit einer Geldstrafe gearbeitet werden. Sie forderte 180 Tagessätze zu 35 Euro mit der Möglichkeit auf Ratenzahlung und die Übernahme der Prozesskosten.

Damit konnten Rechtsanwalt Christopher Lihl und sein Mandant gut leben. Der Verteidiger bat jedoch Richter Rainer Würth und seine beiden Schöffen, zu bedenken, was eine Haftstrafe für den Angeklagten, aber vor allem für seine Frau und die drei Kinder bedeuten würde. "Das Haus ist weg und die Familie rutscht kurz oder lang in Hartz IV ab."

Diese Gefahr sah so auch das Schöffengericht, das eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 40 Euro verhängte. Dem 42-Jährigen wurde eine Ratenzahlung von 200 Euro gestattet. Das und Abzahlungen für das Haus könne er stemmen, zumal die Ehefrau demnächst wieder in ihren alten Beruf zurückkehrt.

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