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Mittwoch, 19.06.2019

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Freude am Gesang wird zur großen Party

Mit viel Charme und Witz: „Vocalipur“ und „TonArt“ gaben im Reistadel ein gemeinsames Konzert - 30.10.2013 07:00 Uhr

Die Begeisterung der Sängerinnen und Sänger steckte das Reitstadel-Publikum an. © Johanna Härtl


Der bekannte Laienchor Vocalipur aus Freystadt hatte am Samstag TonArt aus Rheinhessen zu Gast. Auf die Zuhörer im Neumarkter Reitstadel wartete ein abwechslungsreiches musikalisches Programm. Nachdem die Freystädter den befreundeten Chor in ihrer Heimat besucht hatten, kamen am Wochenende die Musiker aus Rheinhessen in die Oberpfalz.

Um dieses Chor-Spektakel miterleben zu können, stellten sich die Zuhörer zahlreich im Reitstadel ein und warteten auf ihren Plätzen ungeduldig auf den Beginn des Konzertes.

Doch wer schnarcht da auf der Bühne? Tatsächlich hält Chorleiter Wolfgang Kellendorfer dort ein gemütliches Schläfchen. Der Männerchor von Vocalipur sorgt in der Zwischenzeit dafür, dass die kühnsten Träume seines Chefs Wirklichkeit werden: Als Boygroup, die den echten Backstreet Boys ernsthaft Konkurrenz machen könnte, beginnen die Männer den Konzertabend mit „Quit playing games with my heart“. Die weiblichen Groupies sind sofort hin und weg, wer Vocalipur noch nicht kannte, mag nach diesem Start vielleicht etwas verdutzt gewesen sein.

Und Wolfgang Kellendorfer? Nein, der hat nicht das ganze Konzert verschlafen. Gerade noch rechtzeitig ist er aufgewacht und hat seinen Schlafplatz auf der Bühne verlassen, um Vocalipur wie immer souverän durchs Programm zu dirigieren.

Zunächst aber gehörte die Bühne den Gästen. Nachdem leichte Verständigungsschwierigkeiten zwischen Chor und Publikum durch einen kleinen Sprachkurs beseitigt wurden, konnten die Sänger mit ihrer Musik beginnen. Und die bestach ab dem ersten Ton mit ihrer Klarheit, Beweglichkeit und mit deutlich ausgestalteter Emotionalität.

Ganz klassisch begann TonArt mit Renaissancemusik, um dann chronologisch immer moderner zu werden. Den Anfang machte John Downlands „Come again“, gefolgt von Rheinbergers „Abendlied“, das die Herzen der Liebhaber romantischer Chormusik höher schlagen ließ.

Bei diesen polyphonen Stücken überzeugten die Musiker meist intonationssicher mit durchsichtigem Klang und großen Phrasierungsbögen, die gerade dem Abendlied seinen ganz besonderen Zauber verliehen. Mit „Gabrielas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“ entführte der Chor dann das Publikum aus dem Reitstadel in unberührte Landschaften Schwedens.

Popiger wurde es, als anschließend Vocalipur die Bühne betrat. Mit ihren mitreißenden Choreografien und ihrer Bühnenpräsenz begeisterten die Freystädter ihre Zuhörer. Zu Beginn rockten sie mit „Take preasure down“ die Bühne, um dann mit einem außergewöhnlich ruhigen und sanften Arrangement von „Viva la Vida“ von Coldplay für Gänsehaut-Stimmung zu sorgen.

Gefühlvoll ging es bei Vocalipur auch nach der Pause weiter. Ob bekannte Songs wie „Nothing’s gonna change my love for you“, „Under the Bridge“ von den Red Hot Chili Peppers oder Schmankerl für Kenner der allerfeinsten A-cappella-Musik, wie „Engel“ von Rammstein: Vocalipur begeisterte das Publikum und bewies mal wieder, dass Chorsingen rein gar nichts mit einem verstaubten, langweiligen Hobby für alte Herren zu tun hat.

Musik-Party

Darin besteht wohl auch die größte Gemeinsamkeit der beiden Chöre. Sie singen nicht nur, sie zelebrieren ihre Freude am Musizieren auf der Bühne und machen die Musik zur Party.

Auch TonArt eroberte im zweiten Teil des Konzertabends die Herzen der Oberpfälzer Zuhörer endgültig. Als besonderes Gastgeschenk sangen sie „Gern hom tuat guad“ und ernteten für ihre Darbietung und vor allem für ihre hervorragend einstudierte bayerische Aussprache tosenden Applaus.

Genau wie Vocalipur hatten die Rheinhessen Arrangements von Oliver Gies von der renommierten A-cappella-Band Maybebop im Programm: „Der Mond ist aufgegangen“ und „Du hast ’n Freund in mir“. Neben so vielen großen Gefühlen kam aber auch die Heiterkeit nicht zu kurz. Sowohl eine Madenfamilie als auch ein Teddybär wurden in witzigen Chorarrangements besungen.

Natürlich ließen die Zuhörer die Chöre nicht gehen, bevor sie nicht eine Zugabe zum Besten gegeben hatten. Als hätten sie nie etwas anderes getan, als gemeinsam zu singen, taten sie dem Publikum den Gefallen und entließen es mit „Somebody that I used to know“ und „Wie kann es sein“ von den Wise Guys. So endete das Chorkonzert zwar melancholisch, das Publikum ging aber trotzdem mit der Vorfreude auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit der beiden Chöre nach Hause. 

hae

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