Garretts Spiel mit vermeintlichen Gegensätzen

27.7.2009, 00:00 Uhr

© Hagn

Am Anfang steht die Pflicht: Von Klaviertönen begleitet spult ein standesgemäß gekleideter Geiger sein Programm ab. Durchaus mit Verve, durchaus gefällig – aber gewiss nicht geeignet, um die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. David Garrett ist sich seiner Stärken sehr bewusst und lässt das Vorspiel kurz geraten. Höflicher Beifall für Pianistin und Geiger ziehen einen Schlussstrich unter den braven Garrett. Rundum solide. Eine knappe dreiviertel Stunde bis zur Pause – und dann konnte der Abend beginnen.

Die erste Geige

Denn es ist die Kür, die seine Fans lieben. Wenn der Musiker, der ebenso eine Model-Karriere hätte anstreben können, Queen und Metallica interpretiert, dann spielt er zweifellos die erste Geige. Dann erst hebt er sich von anderen erstklassiger E-Musikern ab. Dann erst fängt er sein Publikum ein, animiert auch reifere Damen zu Kreischlauten, wie sie sonst nur von Teenagern bei Popkonzerten zu hören sind. Dazu passen Jeans samt Kettenschmuck und Sweatshirt. Es muss nicht immer der klassische Anzug sein, der den Geiger kleidet. Selbst für eine Hommage an den kürzlich verstorbenen Michael Jackson reicht das Repertoire des Deutsch-Amerikaners, der es wohl wie kaum ein anderer Geiger versteht, seinem Instrument die wichtigen Töne vorzubehalten. Und trotzdem Schlagzeug, Bass, Gitarre und Klavier nicht zu entbehrlicher Staffage verkommen lässt. Kurz: Es macht Spaß, Garrett und seinen Musikern zuzuhören. Und das ist nicht die schlechteste Reverenz für einen E-Musiker mit großem

U-Talent. MICHAEL HUSAREK