Goldener Euro schwebt über der Krippe

30.11.2017, 12:00 Uhr
„Wo könnte Jesus heute zur Welt kommen?“, fragt die moderne Krippe. Das Jesuskind liegt an einem U-Bahnschacht, Obdachlose beten es an.

„Wo könnte Jesus heute zur Welt kommen?“, fragt die moderne Krippe. Das Jesuskind liegt an einem U-Bahnschacht, Obdachlose beten es an. © Foto: André De Geare

"Wir wollen damit schon ein wenig provozieren und Diskussionen anregen", sagt Werner Lauterbach vom ökumenischen Männerforum "Man(n) trifft sich in Allersberg". Die Gruppe hatte sich überlegt, wie sie die Weihnachtsgeschichte in der Jetzt-Zeit darstellt.

Und so wird das moderne Jesus-Kindlein im Eingang zu einem U-Bahn-Schacht geboren, statt der Hirten kommen Obdachlose zu seiner Anbetung. "Gestalten Sie die Krippe bitte mit" steht auf einem Kästchen mit Figuren. "Jeder kann sich selbst platzieren", sagt Lauterbach, "ob er unten bei den Armen lebt oder oben bei den Bankpalästen."

Die Krippenausstellung im Reitstadel gehört für viele Neumarkter schon seit vielen Jahren zur Adventszeit. In diesem Jahr hat die Katholische Erwachsenbildung KEB rund 100 verschiedene Krippen versammelt. "In der Ausstellung findet man Ruhe, kann Entdeckungen machen und findet auch Ideen für die eigene Krippe", sagt KEB-Geschäftsführer Klaus Schubert.

Erbstücke und Selbstgemachtes

Die Bandbreite der Krippen ist enorm. Viele von ihnen sind Erbstücke, manche wurden im Urlaub gekauft. In Zusammenarbeit mit dem Eine-Welt-Laden und Fair-Handel aus Münsterschwarzach werden auch sehr große Krippen aus anderen Erdteilen gezeigt. Etwa eine Krippe im Bediunenzelt aus Jordanien oder die Retablo-Krippe aus dem westafrikanischen Land Mali: Sie sieht aus wie ein bunter Hausaltar. Die Figuren bestehen aus Stärkebrei, Gips und Stoff. Es zeigt die ganze Geschichte: In seinem oberen Teil stellt er die Geburt Christi dar, in der unteren Hälfte hängt der geschundene Heiland am Kreuz.

Manche Krippen sind so aufwändig, dass der Aufbau einige Zeit in Anspruch nimmt. Norbert Jung rückt den orientalischen Turm mit seiner Kuppel zurecht, damit die Dachterrasse auf das Nebengebäude passt. Rund anderthalb Quadratmeter Grundfläche hat die Krippe. "Sie passt genau in das Eck am Kachelofen", sagt seine Frau Ingeborg.

Fröhlicher Fellachenknabe

Zum Krippenbau kam Norbert Jung durch einen Unfall: Vier Wochen musste er sitzen. "Da muss man irgend etwas machen." Und so begann er seine erste Krippe zu bauen: Ein fränkisches Fachwerkhaus. Inzwischen gibt es schon längst zwei orientalische Nachfolger; beide selbstgebaut und bis in Detail dekoriert. "An den Wänden kleben Tapeten und in den Räumen stehen Möbel", sagt Jung. Nur die Figuren sind dieselben geblieben. Eine andere Kopfbedeckung verwandelt den fränkischen Bauernbuben in einen nahöstlichen Fellachenknaben.

Es ist nicht die einzige Krippe, die selbst gebaut, geschnitzt oder gebastelt wurde. Michael Graml hat Baumwurzeln im Lengenbachtal gesammelt, die eine Grotte gestalten, in der sich die Krippe befindet. Auch die restlichen Materialien wie Moos und Föhrenzweige entstammen aus der heimischen Natur. Die feinen Figuren hat ein Bekannter geschnitzt.

Am kommenden Samstag, 2. Dezember, um 14 Uhr öffnet die Ausstellung für Besucher. Am ersten Wochenende hat der katholische Frauenbund einen kleinen Basar eingerichtet. Seine Mitglieder verkaufen Weihnachtsschmuck, Plätzchen, Marmelade und andere Kleinigkeiten. Den Erlös spenden sie für einen guten Zweck. Ab Montag, 4. Dezember gibt es eine Buchausstellung durch die Buchhandlung Müller.

Regelmäßige Führungen

Kreisheimatpfleger Rudi Bayerl führt regelmäßig durch die Ausstellung und kann zu den Krippen viel Wissenswertes weitergeben. So findet man dort auch ein Fatschenkindl, dicht mit Bändern gewickelt, so wie man bis ins 19. Jahrhundert die Kinder umschnürt hat.

Die Führungen finden statt am 3. Dezember um 10 Uhr, am 8. Dezember um 19.30 Uhr, am 10. Dezember um 10 Uhr, am 13. Dezember um 18.45 Uhr und am 17. Dezember um 10 Uhr. Ein Anmeldung ist nicht notwendig. Es sind weitere Führungen möglich auf Anfrage beim KEB unter = (0 91 81) 98 98.

Norbert Jung hat rund um den Stall eine orientalische Stadt gebaut, so wie es im Heiligen Land ausgesehen haben könnte.

Norbert Jung hat rund um den Stall eine orientalische Stadt gebaut, so wie es im Heiligen Land ausgesehen haben könnte. © Foto: André De Geare

Im Rahmen der Krippenausstellung finden auch einige Veranstaltungen statt. "wie Ochs und esel in die Krippe kanem" heißt es am Montag, 4. dezember, um 19.30 Uhr. Dekanatsreferent hat sich ausführlcih mit Fragen rund um Weihnachten befasst und beantworte, warum Josef und maria nicht in der Herberge schliefen, wo die Geschenke für das Jesuskind hingekommen sind und ob Jesus wirklich im Dezember geboren wurde. Margot Thumann liest die ausgewählten Bibelstellen, dazu spielt die Instruemntalgruppe Kreuz und Quer.

Am Freitag, 8. Dezember hat die KEB prominente neumarkter Persönlichkeiten eigeladen, sich in eine der Figuren der Weihnachtsgeschichte hineinzuveretzen und deren Sicht der Dinge vorzustellen. Mit dabei sind unter anderem Diakon Xaver Bösl, Pfarre Martin Herrmann, Papierkünstlerin Erika Gulder, Stadtrat Thomas Leykam und Susanne Biller von der Buchhandlung Müller.

Sitzweil mit Musik

Am Mittwoch, 13. Dezember, um 19.30 Uhr gibt es eine vorweihnachtliche Sitzweil mit dem Oberpfälzer Mundartdichter Stefan Thumann und den Kaltenbachsängern. Am dritten Adventssonntag, 17. Dezember, um 16 Uhr endet die Krippenausstellung mit einem feierlichen Konzert der Blaskapelle Pölling, schließlich soleln dei guten Stücke ja auch noch einige Zeit in den heimischen Wohnzimmern stehen.

Die Krippenaustellung ist geöffnet Montag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr und Freitag bis Sonntag 10 bis 19 Uhr.

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