Heftiger Schlag mit dem Maßkrug

28.3.2019, 09:45 Uhr
Das Amtsgericht in Neumarkt.

© news5 Das Amtsgericht in Neumarkt.

Es trug sich zu am 21. Oktober letzten Jahres kurz vor 2 Uhr morgens. Doch der junge Mann, dem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wurde, konnte sich nur noch daran erinnern, dass er mit Freunden die Rocknacht besucht und 15 bis 20 Asbach-Cola getrunken hatte. Den Tathergang habe er sich aus dem zusammengereimt, was Zeugen des Vorfalls ihm erzählt hatten. Es müsse wohl so gewesen sein, wie die Staatsanwältin es aus der Anklageschrift vorgelesen hatte. Sein Mandant, erklärte Rechtsanwalt Christopher Lihl, wolle auch gar nicht abstreiten, dass er einem ihm damals Unbekannten einen tönernen Maßkrug drübergezogen hatte.

Die Messungen des Atemalkohols ergaben eine Mittelwert von knapp 0,7 Promille, die auf 1,4 Promille verdoppelt werden müssen, um den Blutalkoholwert zu bekommen. Dass er damit voll bis Oberkante Unterlippe war, wunderte den jungen Mann. Er glaubte wohl irrtümlich, etwas trinkfester zu sein, erläuterte Lihl. "Da haben Sie noch elegant die Kurve gekriegt", bescheinigte ihm Richter Marcel Dumke.

Von ähnlichen Erinnerungslücken geplagt ist auch das Opfer, ein 28 Jahre alter Handwerker. Der wusste nur noch, dass er mit Freunden am Geldautomaten Nachschub geholt hatte und dann – Filmriss. Seine nächsten Eindrücke waren, als die Platzwunde an seinem Hinterkopf im Sanka verbunden wurde. Später wurde sie mit sechs Stichen genäht. Es blieb eine Narbe zurück, die sich unter dem Haar verbirgt. Richter, Staatsanwältin und Verteidiger ließen es sich nicht nehmen, sie in Augenschein zu nehmen.

Ohne Groll

Nach dessen Zeugenaussage bat der Angeklagte sein Opfer um Entschuldigung. Der 28-Jährige nahm ohne zu zögern an. Auch die 400 Euro Schmerzensgeld, die sich der Lehrling vom Munde abgespart hat. Groll hege er nicht, erklärte der Ältere, er wisse ja gar nicht, was passiert ist.

Das interessierte aber Richter Dumke, der vier weitere Zeugen geladen hatte, um der Vorgeschichte des Maßkrugtreffers auf die Spur zu kommen. Aber die jungen Frauen, die den Vorfall an der Bar des Festzeltes beobachtet hatten, konnten da auch nicht viel Klärendes beitragen. Eine 25-Jährige identifizierte immerhin den Angeklagten als den, der mit dem Maßkrug zugeschlagen hatte, eine zwei Jahre ältere Frau berichtete, dass die Ordner unmittelbar nach dem Zusammenstoß eingegriffen und die Streithähne getrennt hatten. Eine Studentin wollte gesehen haben, dass der Maßkrug eher auf den Kopf plumpste. Einen wuchtigen Schlag habe es nicht gegeben. Der Begleiter des Angeklagten konnte sich, wie dieser selbst, nicht erklären, wie sein Freund an den Krug gekommen war. "Wir haben doch den ganzen Abend kein Bier getrunken." Freilich stehen auf Volksfesten genügend der tönernen Gefäße rum.

Zwar registrierte die Staatsanwältin das tadellose Auftreten des Angeklagten, und sie folgte auch dem Rat der Jugendgerichtshilfe, hier Jugendstrafrecht anzuwenden. Aber es handle sich hier um eine Gewalttat mit einem gefährlichen Gegenstand. Deshalb fordere sie einen Dauerarrest von drei Wochen.

Da musste auch Verteidiger Christopher Lihl schlucken. Sein Mandant sei alkoholbedingt enthemmt gewesen, und ihm sei von den Eltern gründlich der Kopf gewaschen worden. Zur Strafe hatte es Hausarrest gesetzt. Er wolle sich nicht auf einen Antrag festlegen, sagte Lihl, aber er bat um Milde und darum, dem jungen Mann keine Steine auf seinen beruflichen Weg zu legen.

Das wollte auch Richter Dumke nicht, griff aber zu einer saftigen Auflage von 2000 Euro für den Kindergarten Postbauer-Heng, zahlbar in zehn Monatsraten. An die Eltern, die im Gerichtssaal saßen, gewandt, bat er darum, nicht dem Beschützerinstinkt nachzugeben und dem Kind unter die Arme zu greifen. Das wäre verständlich, aber der falsche Weg.