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Heftiger Widerstand gegen Steinbrucherweiterung in Trautmannshofen

Anwohner fürchten mehr Lärm, Staub, Gestank und Erschütterungen — Sorge um den wertvollen Wald - 04.11.2018 17:21 Uhr

So stellt sich die geplante Erweiterung des Steinbruches auf der Karte dar. © NN-Info-Grafik


Aktuell umfasst das Steinbruchgelände an der Bundesstraße 299 zwischen Pilsach und Lauterhofen 39 Hektar, es soll nach Norden Richtung Trautmannshofen um 23 Hektar erweitert werden. Während der Gemeinderat von Pilsach, in dessen Gebiet der Steinbruch fällt, der Erweiterung bereits seinen Segen gegeben hat (wir berichteten), formiert sich vor allem in Trautmannshofen Widerstand.

Nur noch ein Streifen

Viel zu nah, so fürchten die Bewohner, würde der Steinbruch an ihren Ort heranrücken, laut Unterlagen wären es nur noch etwa 535 Meter Abstand vom letzten Haus. Schon jetzt, so beschreiben es die Trautmannshofener, seien sie durch den Steinbruch und die dortige Asphaltmischanlage mit Lärm, Staub, Gestank und Erschütterungen durch die Sprengungen belastet. "Das verschärft sich dann um ein Vielfaches", ahnt Maria Eder-Poll.

Denn von dem Berg und dem Wald, der Trautmannshofen bisher einigermaßen vor den Emissionen und den Winden schützt, bliebe dann nur ein schmaler Streifen übrig. Und die restlichen Bäume könnten Stürmen sicher nicht lange standhalten, glauben die Anwohner. "Dann haben wir den Steinbruch direkt am Ort", fürchtet Leonhard Lehmeier, der sich mit einigen der 350 Dorfbewohner am Waldrand versammelt hat.

Alter Buchenbestand

Die geplante Steinbrucherweiterung ist Tagesgespräch bei den Bewohnern von Trautmannshofen, die sich dagegen mit allen Mitteln zur Wehr setzen wollen. © Foto: Hubert Bösl


Lehmeier hat Fotos mitgebracht, die zum Beispiel die Bärenhöhle zeigen, in der sich die Ammelhofener gegen Ende des Zweiten Weltkriegs versteckten und die längst dem Steinbruch zum Opfer gefallen ist. Andere Bilder zeigen ungewöhnliche Gesteinsformationen und den schönen Mischwald mit altem Buchenbestand, der geopfert werden soll. "Das ist unser Naherholungsgebiet", sagt Thekla Lehmeier. Sie und die anderen hängen an ihrer Heimat, das ist den Trautmannshofenern deutlich anzumerken.

Sie sorgen sich nicht nur um die Bausubstanz und den Wert ihrer Häuser. "Wer haftet denn bei Rissen?", fragt der CSU-Marktrat Norbert Strobl. Auch die Wallfahrtskirche in Trautmannshofen sehen sie in Gefahr.

Die stehe auf der selben tektonischen Platte wie der abzutragende Berg. "Erst gestern hat wieder ein Stück Stuck in der Kirche gelegen", sagt Leonhard Lehmeier. Ob die Sprengungen schuld sind, könne man halt nicht beweisen.

Krebserregende Stoffe?

Zudem bangen die Trautmannshofener um ihre Gesundheit. Der Lärm der Steinbrecher raube ihnen jetzt schon den Schlaf. "Das geht morgens schon um halb fünf los", klagt Waltraud Burger. Die Asphaltmischanlage werde überdies mit Kohlestaub befeuert. "Es gibt Studien, die von einer erhöhten Krebsgefahr in der Nähe solcher Anlagen ausgehen", sagt Amelie Strauß. "Ich kann mein Haus doch nie mehr verkaufen, ich bin gezwungen hier zu bleiben, wenn krebserregende Stoffe von der Anlage kommen", schimpft Jutta Riedel. Maria Eder-Poll fragt sich, "ob der Bärnreuther je darüber nachgedacht hat, was das für die Menschen hier bedeutet?"

Die Anwohner fordern, dass alle Emissionsquellen — auch die anderen Steinbrüche in der Umgebung — in das Genehmigungsverfahren einbezogen werden. "Und der Bärnreuther muss weiter zurückbleiben, weiter von Trautmannshofen entfernt", sagt Marktrat Strobl. "Der Berg muss bleiben", präzisiert Leonhard Lehmeier. Zumal rund 50 Prozent der beantragten Erweiterungsfläche, so haben es die Anwohner im Landratsamt erfahren, außerhalb der Vorrangfläche für Gesteinsabbau liegen. Sie pochen auch auf den Regionalplan, der angeblich 750 Meter Mindestabstand zwischen Trautmannshofen und dem Steinbruch vorschreibt.

"Es gibt keine verbindlichen Regelungen für Abstände im Regionalplan", sagt dazu Daniela Dichtler, Regionsbeauftragte bei der Regierung Oberpfalz, auf Nachfrage der Neumarkter Nachrichten. Der Regionale Planungsverband werde eine Stellungnahme abgeben, alles andere sei dann eine Sache des aktuellen Genehmigungsverfahrens.

Unterlagen liegen aus

Die Firma Bärnreuther und Deuerlein Schotterwerke GmbH & Co. KG aus Postbauer-Heng hat jedenfalls am 10. September die immissionsschutzrechtliche Genehmigung zur Erweiterung des Kalksteinbruchs bei Laaber beantragt. Aktuell können die Antragsunterlagen noch bis 26. November im Neumarkter Landratsamt (Komplex A, Zimmer 206) sowie im Rathaus in Lauterhofen eingesehen werden.

Etwaige Einwendungen, die bis spätestens 27. Dezember vorgebracht werden müssen, werden gegebenenfalls am 27. Februar 2019 erörtert. Dann entscheidet der Landkreis Neumarkt über die Genehmigung — und über das Schicksal von Trautmannshofen.

CHRISTINE ANNESER

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