Sonntag, 18.04.2021

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Hidden Champion Müller besticht mit Formel-1-Technik aus Pyrbaum

Müller Präzisionsteile fertigt für den weltweiten Rennzirkus und stellt sich gerade auf die E-Mobilität ein. - 20.02.2021 19:42 Uhr

Der Wirtschaftsingenieur Stephan Müller ist Eigentümer und Chef von Müller Präzisionsteile in Pyrbaum.

19.02.2021 © Foto: Roland Fengler


Und immer wieder stehen die Pyrbaumer Metall-Präzisionsbearbeiter mit auf den Siegertreppchen der Rennszene. Letzter Coup: Müller ist als bester Lieferant von Hyundai Motorsport ausgezeichnet worden. Der Teilehersteller hat Motor- und Fahrwerkskomponenten für die Rallye-Weltmeister-Autos das japanischen Autowerkes gefertigt. Und das ist bei dem Pyrbaumer Unternehmen Programm. "Der Motorsport ist ein wichtiger Bestandteil unseres Produktmix", sagt Stephan Müller. Der Wirtschaftsingenieur beziffert die Aufträge für den Rennzirkus auf 40 Prozent.

Bahnbrechender Einsatz

Bereits 1978 haben sich die Müllers durch den damals bahnbrechenden Einsatz von computergesteuerten CNC-Werkzeugmaschinen einen technologischen Vorsprung verschafft und durch die hochpräzisen Produkte schnell einen Namen bei den Rennställen gemacht. So wurde Müller ein wichtiger Teilelieferant in der Formel 1 für Toyota und Sauber/Alfa Romeo. Teams in der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM) und beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans werden aus der Pyrbaumer Fertigung beliefert.

Knapp zwei Drittel der Aufträge stammen von der Luftfahrt- und Automobilindustrie. Über den US-Konzern Parker-Hannifin ist Müller Präzisionsteile mittelbar Zulieferer von Boeing und Airbus. So sorgen beispielsweise Hydraulikpumpen aus dem Landkreis Neumarkt dafür, dass die Landeklappen des Langstrecken-Großraumflugzeuges A 350 richtig funktionieren. Der Schweizer Hersteller von Business-Fliegern bezieht Komponenten für das Bugfahrwerk aus der Oberpfalz. Automobilhersteller wissen, dass sie sich mit hochkomplexen Kleinserien an das Pyrbaumer Unternehmen wenden können. So hat Müller unter anderem für Bugatti Komponenten hergestellt. Aber auch Mercedes und Audi haben sich genauso wie Siemens und Bosch auf das Knowhow des Präzisionsfertigers verlassen. Müller fräst dabei Werkstücke aus Aluminium, Stahl und Titan oder baut mit "additiven" Methoden wie mit einem 3D-Drucker Bauteile auf.

Datensätze kommen vom Kunden

Computertechnik und Hightech-Fräsmaschinen stellen das Herz von Müller Präzisionsteile in Pyrbaum dar. Die Produkte finden sowohl in der Luftfahrtindustrie als auch in der Rennszene Verwendung.

19.02.2021 © Foto: Roland Fengler


Die 130 Mitarbeiter verteilen sich vor allem auf eine Programmierabteilung, Fertigung und Qualitätssicherung. Über eine eigene Entwicklungsabteilung verfügt Müller nicht. "Wir hatten nie eigene Produkte, wir bekommen die Datensätze von den Kunden", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Stephan Müller.

Dass es längst ernsthafte Ausstiegsszenarien bei den Verbrennungsmotoren gibt und "fast nichts mehr in die Entwicklung investiert wird", macht sich auch bei dem metallverarbeitenden Betrieb in Pyrbaum bemerkbar. Für Elektromotoren werden weniger Komponenten benötigt. Und die sind dann auch noch weniger komplex als die in High-Tech-Verbrennern. Gleichwohl profitiert Müller Präzisionsteile vom unwiderstehlichen Trend zur E-Mobilität durch eine bedeutende Zahl von Aufträgen. Die Herstellung einer zentralen Motorwelle für einen E-Antrieb ist ein typisches Produkt.

Unter dem Strich hat der Strukturwandel zur E-Mobilität gemeinsam mit der Corona-Pandemie auch wirtschaftliche Folgen für den Metallverarbeiter. Chef Stephan Müller macht kein Hehl aus den "Umsatzeinbrüchen". Er hält das Unternehmen mit Kurzarbeit in Höhe von zehn bis 15 Prozent auf Kurs. Seine Zwischenbilanz am Ende der zweiten Corona-Welle: "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen."

WOLF-DIETRICH NAHR

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