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IMA-Sänger begeisterten das Publikum in Neumarkt

Lieder über Liebe und Schmerz bei der Sommerserenade. - 01.08.2019 09:50 Uhr

Bei einem Abschlusschor ließen alle Sängerinnen und Sänger der Internationalen Meistersinger Akademie für das Publikum der Sommerserenade im voll besetzten Reitstadel noch einmal ihre Stimmen erklingen.

© Foto: Martin Herbaty


"Ein Liederabend im ausverkauften Saal – Neumarkt ist etwas Besonderes", freute sich Wiens. Dabei brauchte sie sich über die Besucherzahlen keine Sorgen zu machen: Im neunten Jahr hat sich die von der Stadt Neumarkt in Kooperation mit der Juilliard School New York und der Hochschule für Musik Nürnberg veranstaltete Sommerakademie zum Selbstläufer entwickelt, die Musikfreunde von weither an lockt.

Die Teilnehmer sind die besten Botschafter der IMA: "Die Absolventen sind in aller Welt in großen Häusern in großen Rollen zu hören", sagte Wiens. Neben der Carnegie Hall oder dem Lincoln Center in New York sei auch der "Tempel des Liedgesangs", die Wigmore Hall in London, zum häufigen Aufführungsort für IMA-Absolventen geworden.

Conferencier Marcel Amaral versprach "eine Reise in die Natur, wo Schönheit, Sehnsucht und Liebe auf uns warten." Dieses Versprechen erfüllten die Sänger zur einhelligen Begeisterung des Publikums. Den Auftakt machte der englische Bariton Theodore Platt, der die musikalische Bandbreite Franz Schuberts mit dem getragenen "Die Sterne" und dem wilden Ritt von "Auf der Bruck" demonstrierte. Die 18-jährige Sopranistin Libby Sokolowski aus den USA bezauberte mit ihrer Interpretation von Schuberts "Geheimes" und "La Ricordanza" des Belcanto-Protagonisten Vincenenzo Bellini und zeigte, dass der Status "Jungstudentin" vielleicht für ihr Alter, aber nicht für ihre Gesangskunst gilt.

Tragik und Trauer transportierte Charles Sy (Tenor).

© Foto: Martin Herbaty


Tenor Ian Castro aus Puerto Rico bestach mit Ernesto de Curtis’ "Non ti scordar di me – Vergiss mich nicht". Mit expressiver Gestik und Mimik ebenso wie dem beiläufigen Heben der Augenbraue unterstützte die US-Sopranistin Erika Baikoff ihre Darbietung von Rossinis "La promessa" und "L’invito". Von der ewigen Liebe à la Rossini schlug das Pendel beim nächsten Künstler zurück zur Trauer um verlorene Liebe. Bariton Dennis Chmelensky ließ den Schmerz in Schuberts "An Emma" und "Willkommen und Abschied" fühlbar werden. Dann Frauenpower im Doppelpack: Erst sang Mezzosopranistin Michela Wold (USA) Schuberts "Rastlose Liebe" und Bellinis "Il fervido desiderio" mit der den Liedern angemessenen Energie. Sopranistin Meghan Kasanders (USA) interpretierte zwei Stücke von wagnerianischer Komplexität von Francesco Santoliquido – an diesem Abend der unbekannteste Komponist.

Tragik und Trauer transportierte Charles Sy (Tenor).

© Foto: Martin Herbaty


Leichtere Kost im zweiten Teil des Abends. Erst verwöhnte der englische Bariton Dominic Sedgwick mit "L’alba separa dalla luce l’ombra" und "Ideale" des für die Schönheit seiner Melodien berühmten Franceso Paolo Tosti. Anschließend spielte die norwegische Sopranistin Eirin Rognerud – mit 20 Jahren die zweite Nachwuchskünstlerin bei der Sommerserenade – die Koketterie der Protagonistin aus Rossinis "La pastorella dell’Alpi" stimmlich und gestisch aus und brachte mit Luigis Arditis "Il bacio" auf den Punkt, was einen guten Kuss ausmacht.

Trauer und Tragik von Schuberts "Am Meer" und "Der Zwerg" ließ der kanadische Tenor Charles Sy mit mächtigem Einsatz fühlbar werden, während Mezzosopranistin Megan Moore (USA) mit Rossinis "Anzoleta dopo la regata" das selbstzentrierte junge Mädchen auf die Bühne brachte. Auch wenn jeder den "Erlkönig" kennt – so wie James McCorkle ihn vortrug, ließ er dem einen oder anderen Zuhörer Schauer über den Rücken laufen. Der amerikanische Tenor ließ mit stimmlicher Wucht und passender Körpersprache Angst und Bedrohung plastisch werden.

Megan Moore, Mezzosopran, sang ein Lied von Rossini.

© Foto: Martin Herbaty


Raum zum Atemholen nach dem düsteren Erlkönig verschaffte Sopranistin Theresa Pilsl dem Publikum mit flirrend leichten Versionen von Schuberts bekanntesten Liedern, der "Forelle" und "Im Frühling". Den Bogenschlag zurück zur Naturbetrachtung wie zu Beginn des Konzerts setzte die französische Koloratur-Sopranistin Lily Duffy mit dem "Ganymed" fort, bevor sie mit Verdis "Lo spazzacamino" einen furiosen Schlusspunkt unter den Abend setzte. Das Publikum bedankte sich mit tobende Applaus und standing ovations bei den Künstlern, die die Neumarkter mit einem gemeinsamen Schlusschor verabschiedeten – "till we meet again".

Wer am Dienstag im Reitstadel keinen Platz mehr ergattert hat, hat eine weitere Chance zum Zuhören: Der Bayerische Rundfunk hat das Konzert aufgezeichnet. Der Sender BR Klassik sendet es am Samstag, 21. September. um 14.05 Uhr in der Reihe "Cantabile".

MARTIN HERBATY

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